EURO2012-Tagebuch (11)

[Vorrunde]

09.06.2012:

NiederlandeDänemark (18:00 Uhr – Charkiw – ARD)

Deutschland – Portugal (20:45 Uhr – Lemberg – ARD)

Heute greifen wir also ins Turnier ein, das erste Vorrundenspiel für Jogis Jungs. Also auch wenn es vom Zeitpunkt nicht ganz passt, das Erstrundenspiel gegen Portugal, weil ich es zwar in Kalk, aber nicht im EM-Studio Kalk sondern es bei einer Hochzeit sehe, so brachte mich ein Blick – ein Blick zurück in Zorn und Trauer – ins WM-Tagebuch 2010, wenigstens auf die angemessenen Manschettenknöpfe für diese Hochzeit:

Heute Abend – so gegen 22.30 Uhr – weiß ich mehr, dann ist kristallklar, ob ich diese Manschettenknöpfe jemals noch einmal tragen werde. Ich bekenne mich noch einmal und ausdrücklich schuldig in Fragen des Fußballaberglaubens. Und bin auch bereit, für einen erfreulichen Turnierverlauf, der uns am 01.07.2012 nach Kiew führt, Opfer zu bringen. Rudelgucken auf einer Hochzeit, hmmmh. Was wäre denn der nächste Schritt? Fußballgucken in einer Kirche? Aber auf so eine abwegige Idee käme doch kein Kulturkatholik. Das klingt eher protestantisch, oder?

Ja, denn der Pastor setzt seine Kirche bewusst in Szene, „nur so baut man Schwellen ab und bekommt Menschen in die Kirche“, weiß Manz, der seine Schäfchen auch gerne im National-Trikot begrüßt.

Nicht, dass dabei nachher UEFA-Auflagen zum PublicScreening verletzt werden!

*

Gestern hat mir Franz Josef Wagner (ich verstehe Fußball nicht, schreibe aber dennoch darüber) die Absolution erteilt. Ich habe gelernt, dass ich ein guter Fußballfan bin und kein Bengaloist. Ich konnte alle 5 Fragen mit einem zackigen „Ja!“ beantworten und das hat zur Folge, wie der Meister es ausdrückt,

(…) dann sind Sie kein Hooligan und kein Bengalos-Anzünder, sondern ein guter, lieber Fußball-Fan.

*

Manchmal wissen Wiederholungen durchaus zu gefallen, deshalb könnte ich mit einer Fortführung der Spielergebnisse gegen Portugal bei großen Turnieren leben: 2006 gewannen wir – im undankbaren Girlandenmenschen-Finale –  3:0, 2008 konnten wir uns 3:2 durchsetzen. Ein Auftaktdreier wäre ein durchaus erquicklicher Start in die EM. Mam nadzieję, że ja mam rację.

Der STERN wagt im EM-Favoritencheck „Deutschland: Schland! Oh, Schland? Gewinnt die deutsche Nationalelf den ersten Titel seit 16 Jahren?“ die Prognose:  „Der Titel ist – anders als 2008 oder 2010 – definitiv möglich.“ Das ist auch dringend nötig, damit das ZAG, Thünnwardt Tünnenson & ich wieder schlafen können! Der 1. Titel seit 16 Jahren könnte zum Durchschlafmittel werden, ich gebe überarbeitet wieder:

„ich will endlich wieder nen titel holen. ich  brauche nen titel. sechszehn jahre ist das jetzt her, das muß man sich mal vorstellen. in dieser zeit haben kirmestruppen wie griechenland (dank unserm otto) und italien titel geholt. zu schweigen von [Fuentes]-spanien. der fußball  ist doch eine farce.

Als frankophiler Fußballfan kann er den Titelträger von 2000 natürlich nicht als „Kirmestruppe“ bezeichnen… 😉 Ich glaube, ich war nur einmal im meinem Fußballer-Leben für Frankreich, das dürfte in einem Spiel gegen Italien 2006 gewesen sein. Die interessanteste Forderung zum heutigen Spiel kam jedoch gestern von Hansi Flick, der mit Hinblick auf die portugiesischen Freistöße äußerte:

Stahlhelm aufsetzen und groß machen!

„Groß machen“ auf dem Platz??! Sehr irritierend. Gibt es denn in Lemberg keine ordentliche Toiletten im Stadion? 

Alles egal, denn

bei einer Europameisterschaft geht es gleich von Beginn an zur Sache. Im Gegensatz zum aufgeblähten globalen Turnier geht es per Kaltstart von Null auf Hundert. Das macht den Reiz der EM aus und schon das erste Spiel kann richtungsweisend sein.“ (Marc Basten)

Dann drücken wir alle mal die Daumen, dass es ein guter Kaltstart wird und der Abwehrmotor nicht stottert.  Leider wird Mutti Angela Merkel die Vorrunde verweigernEin schlechtes Omen. Mein Rat als Politikberater im Kanzleramt wäre: „Hinfliegen, Logenplatz sausen lassen, in die deutsche Kurve gehen, mit Schal und Trikot.“

Denn: Wir sind bereit! Commentgemäßes Naschwerk ist eingekauft und das Deutschlandtrikot wird dann eben zum Anzug getragen. Und auch andere fiebern dem Moment entgegen,

„mein deutschlandtrikot hängt schon am schrank und wartet aufs rituelle übergestreiftwerden [… ]. ich krieg jetzt schon gänsehaut. dieser moment vor großen turnieren, wenn ich zum erstenmal das trikot anziehe, und die hoffnung noch groß ist… kerlekerlekerle..“ (ZAG, Hessisch-Lichtenau)

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Langsam sinkt meine Laune, was die Hochzeit angeht. Eben erfahren, dass Clark Kent und Steve Urkel von Anfang an spielen. Urkel gegen Ronaldo, Clark Kent gegen den Allestreter Pepe von Real Madrid. Gott steh uns bei

Unser Mann vor Ort – damt Kalk würdig vertreten ist – Hirngabel twittert gerade über seine Anreise zum Spiel:

Verfolgenswert.

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Der gestrige Spieltag:

Polen – Griechenland 1:1 (1:0)

Der Knallerauftakt! Polska Dortmund gegen Griechenland, das Exotischste, was eine EM zu bieten hat. Dem griechischen Team hätte man in Halbzeit 1 etwas mehr Feuer & Engagement gewünscht. Thünnwardt Tünnenson scheint jedoch froh zu sein, dass sich Geschichte in diesem Fall nicht wiederholt:

Griechenland hat 2004 zum Auftakt gegen Gastgeber Portugal gewonnen und dann im Finale nochmal. Ein absoluter Tiefpunkt in der Geschichte des schönen Fussballs.

Billige EURO-Witzchen im Kontext Griechenland spare ich mir auch an dieser Stelle. Ein Eröffnungsspiel, das nicht in die Geschichtsbücher eingehen wird: „Die Geschichte der Langeweile von 1960 bis 2012“. Nee, Spaß beiseite. Ich bin mir nicht sicher, ob die Polen in der ersten Halbzeit so stark waren oder die Griechen so schwach. Auf jeden Fall wird dieser Schiedsrichter mit seinem Kirmesplatzverweis schon mal nicht das Finale pfeifen. Ein munteres Eröffnungsspiel,  das seine Dramaturgie aus dem atemberaubenden Witzrot gegen Griechenland und dem Rot für den polnischen Torhüter bezog. „Wir werden bessere Spiele sehen, bei dieser Europameisterschaft.“ (Tom Bartels mit dem einzig überzeugenden Satz seiner Moderation). Nach dem Ausgleich war Polen offenbar tief geschockt und ließ die Griechen immer besser ins Spiel kommen. Redlich, schädliches Unentschieden. Oder wie man so sagt.

Und: Was macht Tom Bartels eigentlich hauptberuflich?

Russland – Tschechien 4:1 (2:0)

Dass ich mal so auf einer Linie mit Dick Advocaat, dem Rehhagel 2.0, liege, hätte ich auch nie gedacht! Nachdem er gestern so traumhaft schön formulierteEs geht nur um das Ergebnis, alles andere darf bei so einem wichtigen Turnier nicht interessieren„, bin ich sehr froh, daß auch berufenere Männer als ich auf schönen Fußball schei pfeifen.

Das Trikot der russischen Rentnerband hatte was von StudentenverbindungHaile Gebre Selassie, als erster farbiger Nationalspieler Cech-iens (2 Euro in die Humorverbrechenkasse), ist im Spiel sicherlich mehr als 10.000 Meter gelaufen und Kadlec hat in dem Match weniger aufs Maul bekommen als sonst auf den Ringen in Köln. Zu Beginn – in der ersten Viertelstunde – ein ziemlicher Graupenkick, die Tschechen stellten sehr gut zu. Doch dann konnte Russland seine starke Technik ausspielen. Sogar ein kleines Bengalo fand den Weg – aus dem russischen Block – auf den Rasen! Das wird den „Herren des Weltbildes“ nicht gefallen haben.

Nach dem 1:0 für Russland lange Zeit ein sehr einseitges Spiel. Folgerichtig fiel das 2:0, als der Mann mit dem Fahrradhelm sehr spät rauskam. Die Russen spielen ’n ganz attraktiven Fußball. Ich kann mir das gar nicht erklären… bei dem Trainer. Nach dem Anschlusstreffer der TschechenAnschluss wäre wohl politisch schwierig, so sensibel, wie alle im Moment unterwegs sind – wurde es noch eine sehr, sehr ansehnliche Begegnung für den neutralen Zuschauer. Die Alten Herren aus der Russischen Föderation machten dann aber souverän den Sack zu.

Die Erkenntnisse des Spiels: „Alte Männer können hinreißend Fußball spielen.“ (Reinhold Beckmann) Steffen Simon passte sich dem Niveau seines Moderatorkollegens Tom Bartels an. Wie Polen kann auch Tschechien keine Abwehr. Also sind wir mit diesem Defizit nicht so alleine.

Zitat des Abends: „Ich kann schon jetzt diese dusselige Blume nicht mehr sehen.“ (Anja Sauerwald)

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Ein Interview mit Trainerlegende Hans Meyer: „Bundespräsident hätte mich schon gereizt.“

Die EM startet – Warum Gladbach ein Vorbild sein sollte: Endlich geht’s los!

Jerome Boateng war ungezogen, soll aber dennoch gegen Portugal beginnen.

Clark Kent Mario Gomez: „Ich bin weder Roboter noch Ratte.“ 

Tiere als EM-Orakel: Der Prognose-Zoo.

Fall Timoschenko: Empörungsmeister Deutschland

Irische EM-Fans: „Angela Merkel thinks we’re at work

Leserfeedback:

Mein Ex-Chef schickte mir als Reaktion auf das EM-Tagebuch folgendes Bild:

„Dattis mein Schöört… Jeder Hippie war Jünter-Fan…

Lesung mit Hanns Zischler am 06. Juni 2012

Am 06.06.2012 las Hanns Zischler in der Buchhandlung Klaus Bittner aus seinem aktuellen Roman „Lady Earl Grey„.

 Nach der grandiosen, etwa 50minütigen Lesung, wurde es dann etwas gezwungen, da dem Autor „Fragen zum Werk“ gestellt werden mußten sollten.

Neben der absoluten Killerphrase „Was haben sie sich beim Verfassen des Werkes gedacht?“ und einem Hinweis auf Kafkas Josefine, dilettierte vor allem preschte eine Pressevertreterin nach vorne, die wirklich & ernsthaft die Frage stellte:

Ist denn die Maus ein unterschätztes Wesen?

„Kraweel, Kraweel! Taubtrüber Ginst am Musenhain! Trübtauber Hain am Musenginst! Kraweel, Kraweel!“ Man kam sich ein bisschen vor wie bei Loriot, also dem Praktikanten ging’s zumindest so:

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Nach endlosen, zähen 15 Minuten Fragerunde (die mir länger vorkamen), in denen u. a. auch E.T.A. Hoffmann ins Felde geführt wurde (!), und das bei einem Buch, das einfach auf hohem Niveau unterhalten möchte & durch Illustrationen liebevoll gestaltet wurde, also im allerbesten Sinne ein Unterhaltungsroman ist, war selbst Hanns Zischler bass erstaunt und kippte diese Verwunderung in die letzte Aussage des Abends:

„Ich habe noch nie so ernsthaft über das Buch diskutiert.“

Worauf der Praktikant feststellte:

„So ist halt das ernste Köln, wir lachen selten.“

Nicht das „heilige Köln“, sondern das „ernste Köln“.

Köln: Eine Stadt sucht ihren Paradigmenwechsel.

Glaubt:

Der Praktikant

 

 

Der Artikel ist der Spiegel eines Beitrags bei rheinkilometer688.

EURO2012-Tagebuch (10)

[Vorrunde]

08.06.2012:

Polen – Griechenland (18:00 Uhr – Warschau – ARD)

Russland – Tschechien (20:45 Uhr – Breslau – ARD)

Endlich! Heute geht es los! Mit dem Alltime-Klassiker Polen gegen Griechenland. Das flirrende Warten hat ein Ende. Und morgen greifen wir in das sportlich stärkste und dichteste Turnier des Weltfußballs ein. Um es auf polnisch zu sagen:

Dzisiaj rozpoczyna się turniej Euro 2012, Mistrzostwa Europy w piłce nożnej, którego Mistrzem będą po raz kolejny Niemcy i 16-letni okres bólu i cierpienia wreszcie zostanie zakończony.

So sieht es doch mal aus!

Was ist eigentich mit den ganzen Girlandies & „Ich-interessiere-mich-nicht-so-für-Fußball-EM-und-WM-guck-ich-aber!„-Menschen los? In Kalk ist es immer noch erstaunlich unbeflaggt. Vereinzelte Fahnen, ein paar Autoflaggen, aber – bisher – keinesfalls so bunt wie 2008 und 2010. Hat sich das überlebt? Hier im Veedel hätte ich, durch die Nichtteilnahme der Türkei, neben bundesdeutschen Fahnen doch die ein oder andere italienische Flagge erwartet. Pennt das Eventfantum?

Nur diese Fahne hat seit der WM 2010 tapfer durchgehalten. Smilie.

Auf der null konnte man gestern Fragen zum „Facebook-Interview“ mit Toni Kroos stellen. Ich schrieb:

Verfolgt es Dich immer noch, das Du die Riesenchance, den Dropkick im Halbfinale 2010, nicht eingenetzt hast?“ Mich verfolgt es immer noch.

Fußball: Gestern – heute – morgen. Immer weiter, immer weiter. Dem ZAG hängt ja dieser Hoeness-Elfer immer noch schwer im Gemüt. Vielleicht sollte ich mir zum heutigen Eröffnungsspiel & um die schrecklichen Ereignisse von 1976 und 2010 zu vergessen, einfach ein paar leckere polnische Spezialitäten zubereiten? Apropos Spezialitäten:

Hier geht es zum „EURO 2012 in Polen und der Ukraine“-Spezial von Stadionwelt.de

Zur Liste der relevanten Twitter-Kanäle von Spielern & Verbänden.

Die acht EM-Stadien im virtuellen Erkundungsgang.

Das EM-Tippspiel auf dem Personalmarketing-Blog & den Artikel zum Team-Tippspiel gibt es [hier].

Die Nationalmannschaft auf null und twitter.

*

Ein befreundeter Punkbassist & Onlinemensch analysierte den Abwehraspekt und unsere -schwäche wie folgt:

nachdem ich jetzt mal diverse vorbereitungskicks der anderen – auch unserer gruppengegner – untersucht habe: wir brauchen trotz kirmesabwehr keine angst zu haben. das zieht sich wie ein roter faden durch alle nationen, diese kirmesgeschichte. wir werden gruppensieger vor holland. punkt. ronaldo wird letzter und weinen. schade um die tapferen und gut mitspielenden dänen, aber der [die] holländer ist inzwischen zu deutsch, um sich von underdogs schlagen zu lassen.

Das ist eine Prognose, der ich mich mit Verve anschließe. Wenn da nur nicht die Vorrunden 2000 und 2004 gewesen wären… Aber das war noch vor der „Neuen Spielfreude“.

Auch Sportsfreund Podolski scheint entschlossen und wurde gestern in der BILD mit folgenden Worten – mit Blick auf den Samstag – zitiert:

BILD: Macht Ihnen Ronaldo keine Angst?

Podolski: „Er gehört zu den Besten der Welt, ihn müssen wir ausschalten. Aber das haben wir in den letzten Spielen gegen Portugal geschafft. Und das klappt auch am Samstag wieder.“

Na also, das ist doch die Sprache, die ich hören möchte & verstehe. Wenn das Auftaktspiel klappt, kann das ein höchst erfreuliches Turnier werden. Franz Josef Wagner teilt meine Bedenken, was „schönen Fußball angeht„, er stellt wie immer die richtige Frage: „Können nette Jungs Europameister werden?

Meine Meinung: Ja, können sie, sie dürfen nur nicht die Hose vollhaben wie im Halbfinale 2010 und Finale 2008. Und sie müssen auch nicht den schönsten Fußball spielen, denn „Leicht, tänzerisch, freudvoll wurden wir Dritter. Sie sollen erfolgreich sein! Und immer ein Tor mehr als die anderen schießen. Das reicht völlig aus.

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Was sonst noch passierte / Presseschau:

Wayne Rooney, der Mann mit dem Frank-Sinatra-Gedenk-Toupet wird mit den Worten „We’re good enough to reach the Final“ in Verbindung gebracht. Hier zeigt sich ein eklatanter gap zwischen Fremd- und Selbstwahnehmung.

Steve Urkel Jérôme Boateng hat vom Bundestrainer dolle Schimpfe bekommen.

Die Niederländer wurden beim ersten öffentlichen Training von einem Teil der Zuschauer nicht so freundlich empfangen wie das deutschen Team. Bondscoach Bert van Marwijk: „Nun wissen wir immerhin, was uns erwartet. Tolle Stimmung.

EURO2012-Tagebuch (9)

[Vor der Vorrunde]

07.06.2012:

Noch einmal schlafenund dann geht es endlich los.

Hmmmh, ob sich Jogi schon ärgert, Jantschke nicht ausprobiert zu haben? Die Wahl zwischen Boateng und Schmelzer ist nicht wirklich angenehm, vor allem weil der Dortmunder bei der Nationalmannschaft noch stärker schwächelt als seine Kollegen. Bei den Innenverteidigern könnte ich mir auch Mertesacker/Hummels vorstellen. Auch wenn Löw eben treu ist, und das meist zu Recht, weiß ich nicht, wo Badstuber sich dermaßen bei ihm verdient gemacht hat. Gutes Paßspiel und Eröffnung, ja, aber das hat Hummels alles dreifach. Nur bisher weniger Fortune als bei Dortmund. Aber das mag auch am diametral entgegengesetzten Spielsystem Klopp-Löw liegen.

Vorne macht das Spielen natürlich mehr Spaß. Ich würde gerne sehen, wenn man „Ötzi und Götzi“ kombinieren könnte. Ziemlich genial müsste die Kombi „Reus-Özil-Götze / Klose sein, noch lieber würde ich mal „Müller-Özil-Götze / Reus“ sehen.

Und dann die Lobhudeleien der internationalen Presse einheimsen.

Es bleibt dabei: Mit unserer „Abwehr“ – im abwehrfreien Raum – müssen wir es wahrscheinlich wie Borussia Mönchengladbach in den frühen Siebzigern versuchen: Ein 6:4 statt eines 1:0 – also alles völlig „undeutsch“. Aber dann ist es halt so.

Und bei Klose kann man nur ausrufen: „Machet, Alter!“ Oder wie er gestern in der Printausgabe des KStA [mittlerweile nicht mehr online] zitiert wurde:

„Noch tragen mich meine Beine, deswegen schleppe ich meinen Kadaver noch ein bisschen durch.“ (Miroslav Klose)

Ich hoffe sehr, der alte Mann schleppt sich bis nach Kiew am 01.07.2012… obwohl am Samstag – laut sueddeutsche.de – erst einmal die lange Hand Michel Platinis zugreift: „Franzose Lannoy pfeift deutsches Auftaktspiel„.

*

HIER geht es zum EM-Spezial von Spiegel online.

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Auch im wunderschönen Köln hat sich die Werbewirtschaft auf die EM eingegroovt. Und wenn es dann noch eine so gelungene Wort-Bild-Botschaft ist – ja, dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Oder?

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Was sonst noch passierte / Presseschau:

Die „Generation Star Wars“ hält inne:

„Ein kleiner Kulturschock ereilt uns auch, wenn wir uns klarmachen, was in den letzten Jahrzehnten alles verschwunden ist, das uns früher ganz selbstverständlich im Alltag umgeben hat: Videokassetten, Disketten, das Surren des Wählscheibentelefons, wenn sich der behäbige Lochkreis nach jeder Zahl gemächlich an seinen Ausgangspunkt zurückbegab.“ (Quelle)

So wird es also dereinst sein, wenn wir in zehn Jahren über „Sitzplätze“, „südländische Atmosphäre im Fußballstadion“, und „Vollbier“ hinter der Kurve sprechen….

*

Das Thema „Menschrechte in der Ukraine“ und die politischen Implikationen scheint immer noch brennend heiß zu sein, auch Franz Josef Wagner nimmt sich des Themas an. Er gießt Sätze aus Granit, es manifestiert sich in einem Wort. Nicht: „Wie heißt denn Dein Ball?“, wie in „Das Leben der Anderen“, sondern die Parole lautet:

FREIHEITSBALL!!!!

Aber lassen wir den Meister  doch einfach selbst zu Wort kommen:

[…] wie laut dürfen wir über Tore in der Ukraine jubeln angesichts Ihrer Situation? Die Fenster Ihres Krankenzimmers sind mit Folien zugeklebt, das Tageslicht wird Ihnen verweigert.

Wie soll man sich als Fan im Stadion verhalten? Oder als Fan vor dem TV? Wie kann man Fußball spielen in einem Land ohne Menschenrechte?

Ich denke, man kann es, man muss es. Denn Fußball ist toll.

Fußball ist Freiheit. Kein Diktator kann Tore befehlen. Keine Polizei kann Jubel verhindern.

Es ist dieser Ball, der Brennpunkt unserer Augen, der Freiheitsball.

Verhaftet nicht den Freiheitsball!

*

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Gestern hat Mutti Frau Dr. Angela Merkel der Nationalmannschaft einen Besuch abgestattet. Sie meint es eben auch erst. Denn sie möchte in die Bredouille kommen, überlegen zu müssen, ob sie am 01.07.2012 nach Kiew reist. Und ein paar aufmunternde Worte gab es für Jogis Löwen:

Ich habe bei meinem Besuch einen wunderbaren Mannschaftsgeist und viel Zusammenhalt unter den Spielern gespürt“, sagt sie. „Jetzt wünsche ich dem Team – wie viele Millionen Menschen in Deutschland – Erfolg und das notwendige Quäntchen Glück.

Mutti bei der Mannschaft – das muß sie doch motivieren. Es geht immer um alles!

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EURO2012-Tagebuch (8)

[Vor der Vorrunde]

06.06.2012:

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Auch der Inhaber des EM-Studios Kalk ist schon ganz elektrisiert:

„(…) nur noch zwei mal schlafen, unfassbar… mein Sonderkicker ist jetzt schon total verlesen, also durchgelesen, also speckig oder so. Bin sehr gespannt, wie Polen ins Turnier kommt und ob es nach Rehakles immer noch Griechen gibt, die nicht auf das gegnerische Tor schießen wollen.“

Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt!

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In 2 Tagen geht’s also los, mit dem Fußballklassiker Polen – Griechenland. Aber man kann wohl jedes Spiel hochjazzen, wenn ich so sehe, wie die Chinesen die Europameisterschaft bewerben. Mit baldigem Turnierbeginn kommen auch die Einschläge der Defaitisten näher & näher, ich zitiere:

EM-Prognosen: Schon wieder Spanien. Mit wissenschaftlichen Modellen sagen Forscher den Ausgang der Fußball-EM voraus: Spanien wird wieder Europameister. Deutschland bleibt nur Platz zwei. „Spanien wird Europameister. Im Finale von Kiew geht es wie bereits 2008 gegen Deutschland, womit Jogi Löws Elf wieder nur der zweite Platz bleibt.“

Meine Antwort: Wissenschaftliche Modelle & Spielsysteme, mein Gesäß! Der amtierende Europameister muß auch erst mal seine Vorrunde überstehen. Denn wie schon der große, alte Mann des Deutschen Fußballs sagte:

„Modern spielt, wer gewinnt.“

Hier also mein Blick auf die Vorrundengruppen, meinungsstark und nicht immer todernst gemeint:

Gruppe A: Polen, Griechenland, Rußland, Tschechien

Polen und Russland kommen weiter, Griechenland trampt nach Hause. Das scheint mir die wirkliche Killergruppe der EM zu sein. Für den Zuschauer. Spiele mit einer Wirkung wie der Stich einer Tsetse-Fliege. Chrzzzzzzzzz, chrzzzzzzzzz!

Gruppe B: Deutschland, Niederlande, Dänemark, Portugal

Eine nicht ganz so leichte Gruppe, jedoch eine exzellente Vorbereitung auf die K.O.-Runde. Meine Haltung als Filmzitat, ZAG-induziert: Das muss das Boot abkönnen.

Gruppe C: Spanien, Italien, Irland, Kroatien

Die mir mit Abstand unsympathischste Gruppe. Nur „Fußballverbrecher“ und Irland. Schade für Spanien und Irland, aber für beide ist nach der Vorrunde Schluß. Italien & Kroatien weiter. Und ich bleibe ein verbitterter alter Mann, was einige Fußballverbände angeht. Aber dann ist es halt so: Vergeben vielleicht – vergessen niemals!

Gruppe D: Frankreich, England, Ukraine, Schweden

Frankreich (mein Geheimfavorit – diesmal mit kleinem Supportertross) und Schweden weiter, Drittweltfußballengland weint wieder rum. Da können auch die bizarrsten Dystopien nicht helfen. Die Ukraine verkauft ihr Letzter werden als Akt des politischen Widerstandes. Die Ukraine hat aber immer noch einen bei mir gut: Sie waren 2006 beim langweiligsten Live-Fußballspiel beteiligt, das ich je mit eigenen Augen sah. Der nächste bitte.

Ich habe das Turnier mal mit dem Tabellenrechner von kicker online  durchgespielt und komme zu folgendem – obige Ausführungen unterstreichendem – Ergebnis… wobei in Gruppe C einiges anders laufen kann… man weiß ja noch nicht, wie sehr Michel Platini Einfluß nimmt:

Hmmmh. Ich muß heute Abend noch mal einen Waldspaziergang antreten. Zum Freejazz-Pfeifen vor Fronleichnam.

Ich bin ja mal sehr gespannt, wie unser Auswärtsmob vor Ort aussieht: Eher Neckermänner oder Ernstmeiner? Ab Samstag wissen wir alle mehr. Wobei: Nach meinem persönlichen Eindruck sind die Neckermänner  auch nicht in der Lage, die vom DFB und DFL zugewiesene Rolle

als Stimmungsmacher im Stadion, als lautstarke Gesangskulisse, als Produzenten des Background-Sounds.

zu erfüllen. Denn:

All das Schmutzige, was damit zusammenhängt, soll aber möglichst verschwinden. Das Eine ist ohne das Andere aber nicht zu bekommen.

Wir werden sehen, wie die Versitzplatzung nach dem Turnier weitergeht….

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Auf dem Weg ins Büro nahm ich im Vorbeigehen am Boulevardzeitungsautomat Jogis neue EM-Regeln zur Kenntnis. Meine Interpretation dieser Regeln: 1. Verboten! 2. Verboten! 3. Verboten! 4. Sieg! Wobei die Punkte 1 bis 3 ausdrücklich nur für die Nationalspieler gelten. Hoffe ich.

Gestern kam das Päckchen an.

Wir „können“ vielleicht nicht Hauptstadtflughafen – aber dafür Trikotversand (schnell). Es war wie Weihnachten. Oder Westpakete mit Bohnenkaffee. Ich packte es mit zitternden Händen aus & das Trikot Gottes war darin:

012: EIN NEUES KAPITEL WARTET DARAUF GESCHRIEBEN ZU WERDEN!

 „2012: EIN NEUES KAPITEL WARTET DARAUF GESCHRIEBEN ZU WERDEN!“

Ich glaube, seit dem hellblauen Datsun-Trikot – 1980? – hat kein anderes Auswärts-Trikot mehr solche Gefühle in mir ausgelöst…

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EURO2012-Tagebuch (7)

[Vor der Vorrunde]

05.06.2012:

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Gestern Nachmittag ist unsere herrliche Nationalmannschaft also in der wunderschönen Hansestadt Danzig gelandet und hatte etwa 10.000 Zuschauer beim ersten öffentlichen Training. Poldi feierte seinen 27. Geburtstag und auch Schweinsteiger konnte mittrainieren. Gottseidank. Er darf keinesfalls zum Ballack 2.0 werden!

Hoffentlich ist dem Inhaber des EM-Studios Kalk bewusst, dass die UFEA klare Vorgaben für ein „Public Screening“ hat. Wobei ich als Personaler unter „Public Screening“ wohl so etwas wie die „öffentliche Sichtung von Bewerbungsunterlagen“ verstehe. Egal. Die UEFA jedoch verkauft mal wieder Selbstverständlichkeiten als Entgegenkommen, laut FAZ ist es „überhaupt eine beliebte Methode der Uefa, […] mit großzügiger Geste Rechte einzuräumen, die sich von selbst verstehen […]“:

So hat die Uefa sogar ein eigenes Reglement herausgegeben, in dem die Bedingungen für Public-Viewing-Veranstaltungen festgelegt werden, als wären ihre eigenen Statuten die Grundlage und nicht das jeweilige nationale Recht. „Alle Vorführungen von Spielen der UEFA EURO 2012 außerhalb von häuslichen Umgebungen (Ihrem Zuhause) werden als Public Screening eingestuft“, heißt es darin. „Sie sind verpflichtet, eine Public Screening Lizenz zu erwerben, um ein Public Screening zu veranstalten.“ Weil dieser Anspruch, zumindest in Deutschland, von keinem Recht gedeckt ist, verzichtet der Verband in der Praxis großzügig auf diese Lizenzpflicht – solange die Leinwanddiagonale kleiner als drei Meter ist, weniger als 150 Leute zuschauen und die Veranstaltung weder von Sponsoren noch von Eintrittsgeldern finanziert wird. [Quelle: „Die Herren des Weltbildes]

Memo to myself: Den Aufführer lückenlos infomieren, damit er von Michel Platini nicht nach Den Haag überstellt wird.

*

Im bemerkenswerten Blogbeitrag „Blockwurst“ wird die richtige Frage aufgeworfen, ob die „DFB-Elf möglichst viele Spieler aus demselben Verein [benötigt], um geschlossen aufzutreten“. Dort findet sich eine gute Aufstellung über die Blockwurst Blockbildung der letzten vier Turniere. Mein Surrogat des Artikels ist: „Der Kaiser und die Blockwurst“ – ab sofort kenne ich nur noch Deu Nationalspieler!

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*

Bald ist es so weit. Das Ballfieber steigt. Ich werde nachher mal  den Europameistertitel von Deutschland vorberechnen. Der Tabellenrechner von kicker online macht’s möglich… Jeder Glaube benötigt ein Fundament. Oder? Oder!

Das wird ein wegweisendes Turnier. Nur weiß ich noch nicht genau, welcher Weg eingeschlagen wird.

Wichtig ist auch, dass nach dem Totalversagen des 2010er-Orakels „Paul“ (hmmmh, lecker, nur mit einem Hauch Zitrone und etwas Aioli) und dem Wegfall Heimgang von „Weini und Republik Balkonflucht von Reini einen neues Orakel gefunden wurde. Der Weltgeist war mal wieder in Höchstform: „Jetzt muss ein Schwanzlurch Jogi aufrichten!“

Ich zitiere:

Doch jetzt erhält der Bundestrainer einen neuen EM-Glücksbringer, der vielleicht bald in aller Munde ist: einen Axolotl. Dieser Schwanzlurch muss jetzt Jogi aufrichten! Er hat gleich vier Füße – eigentlich perfekt!

Glaube, Hoffnung, Wille. Und ein klarer 4:0-Sieg für den Weltgeist und den Boulevardschlagzeilendichter.

*

Ich persönlich glaubte bisher, dass das Turnier aus politischen Gründen nicht ganz einfach wird. Wobei mir da eher das Gastgeberland Ukraine vorschwebte. Dass aber Polen und Bierhoff und ein etwas unüberlegtes Wort von ihm einen solchen „Skandal“ auslösen, hätte ich mir nicht vorstellen können. Das mag aber auch an meiner manchmal – nur manchmal – etwas limitierten Vorstellungskraft liegen, vgl. auch „Italien als Europameister 2012„…

*

Zur Zeit ist noch erstaunlich wenig geflaggt in Kalk. Wenn ich da an die letzte EM denke, war das ein wenig anders. Aber man hat ja noch vier Tage Zeit, sich mit Girlandenmenschenmaterial einzudecken. Und – wenn es sein muss – auch mit Flaggen der USA. Ich glaube, da frage ich mal investigativ nach, warum das so ist. Naja, Kalk ist da ein wenig eigen, ich glaube, bei der letzten EM irgendwo auch eine Fahne Australiens entdeckt zu haben. Es mag aber auch daran liegen, dass der Erdkunde Geographieunterricht nicht besser wird.

Ich bin mal sehr gespannt, ob es rund um die Stadien friedlich bleiben wird. Ich hoffe es sehr. Derzeit wird man ja mit Spam-E-Mails zugeschüttet, in denen immer noch Tickets wie Sauerbier angeboten werden freundlicherweise auf noch verfügbare Restkarten hingewiesen.

Lieber Fußballfan,

Wir möchten Sie darüber informieren, dass das offizielle Ticketportal der UEFA EURO 2012™ wieder geöffnet ist. Die Adresse lautet: https://ticketing.uefa.com/euro2012/

Sie werden über das Portal auch noch Eintrittskarten für die UEFA EURO 2012™ kaufen können. Momentan sind noch für einige Spiele Eintrittskarten verfügbar. Diese werden auf dem Portal nach dem Prinzip „wer zuerst kommt mahlt zuerst“ verkauft. Bitte beachten Sie, dass diese Eintrittskarten nicht merh versandt werden. Alle Eintrittskarten müssen am Ticket Collection Point in der Nähe des Stadions vom Käufer abgeholt werden.

Wir freuen uns darauf, Sie bei der UEFA EURO 2012™ begrüßen zu dürfen!

Ihr Ticketing-Team der UEFA EURO 2012™

Ich bin ja mal sehr gespannt, ob man den Südafrika-Effekt in der Ukraine zu wiederholen vermag. Ansonsten gilt auch für mich: Wir sind entspannt, verdammt! Denn so eine Europameisterschaft ist eben das leistungsdichteste Fußballturnier der Welt:

Es gibt kein Einspielen bei dieser EM.

In dieser Vorrundengruppe mit dem Weltranglistenfünften Portugal, dem Weltranglistenvierten Niederlande und dem Weltranglistenzehnten Dänemark muss die Löw-Elf sofort alles abrufen. […]

Dann ist es halt so.

Und dann sind da wieder die Momente des tiefen Zweifels, die aus Hessisch-Lichtenau via E-Mail redlich genährt werden & ich denke mir, eigentlich können wir auch gleich zuhause bleiben. Wir haben keine Chance:

„Michel Platini sieht die erstaunten Blicke. Er grinst. „Ich hatte gerade Besuch aus Spanien“, sagt er.“

Ich darf abschließend das ZAG zitieren:

„Gegen ‚Besuch aus Spanien‘ kann man fußballerisch natürlich nicht anstinken.“

Wir werden sehen, welcher Zauber mächtiger ist. Denn vielleicht kann „das Trikot„, das gestern Abend auf den Weg gebracht wurde, ja die Platini-Hexerei bannen:

EURO2012-Tagebuch (6)

[Vor der Vorrunde]

04.06.2012: [Ruhetag*]

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*Wie man das als guter Friseur & Testspielmemme eben so tut.

EURO2012-Tagebuch (5)

[Vor der Vorrunde]

03.06.2012:

Diverse Zeitungen gesichtet und am Nachmittag die Frankurter Allgemeine Sonntagszeitung (Print!) intensiv auf- und durchgearbeitet:

„Das große Versprechen“. Es muss einfach hinhauen. Doch seit dem Champions-League-Finale habe ich die Befürchtung, dass wir gerade die „verlorene Generation“ sehen, sehr gute Fußballer, die leider keinen großen Titel holen. Werde diesen Gedanken einfach nicht mehr los.

*

Im ZAG zu Hessisch-Lichtenau bleibt die Küche heute kalt. Dort ist man in der Hochphase der EM-Vorbereitung:

„erstmal das kicker-sonderheft zerlegt, der tv-fahrplan hängt am rechner, spielplan & tabellen am schrank, am wochenende wird das heft durchgearbeitet ([…], damit ich zum auftakt nexten samstag renne, brenne, durstig bin).“

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Gestern, am frühen Abend, an der Käsetheke im EDEKA unserer Köpfe, ein Dialog über das großartige grüne Auswärtstrikot, der meiner Meinung nach beste Merchandisingartikel seit Menschengedenken:

„Das einzige Fußballbekleidungsstück, das ich zum diesjährigen Turnier erworben habe, ist dieses hervorragende Produkt, das sie leider nur noch in der Größe meines weiblichen Patenkindes hatten.“

„Aber das ist ja ein Jungenschlafanzug!“

„Das ist so´n Sommerschlafanzug, und dass der im Jungssortiment steht, ist mir scheißegal, wir wollen hier ja keine geschlechtsspezifischen Rollenklischees zementieren. Wenn die Lütte größer wird, kann sie noch so viel rosa tragen wie sie will, jetzt jedenfalls ist Europameisterschaft und da wird schwarz-und-weiß mit Deutschlandfahne getragen, und damit basta.“

Klare Männer, klare Gedanken.

Es gibt sie noch, die guten Paten. Am Ende kommt noch jemand auf die Idee, bei der EM so etwas zu verschenken… und was wünscht man sich sonst noch für die Zeit des Turniers, das in 5 Tagen endlich, endlich, ENDLICH beginnt? Na… 

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menschen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier‘.

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Was passierte sonst noch so? Sie wollen den Fußball gentrifizieren. Den Artikel „Bei Abendspielen haben Fans Zeit, sich zu betrinken„, fasste das ZAG wie immer treffend UND pointiert zusammen, O-Ton:

[…] es geht ums große ganze. darum, daß sie das wesen des fußballs, das wesen des fußballfanseins, verändern wollen, verspießern wollen, gentrifizieren wollen. auf daß sehr bald schon eine generation von fußballfans aufwachse, der stehplätze, rauchen im stadion und alk im zug so fremd sind wie telefone mit wählscheiben oder gladbach als deutcher fußballmeister.

Nach dem Turnier geht die Hoffenheimisierung Gentrifizierung und Versitzplatzung der Profil-Ligen in Deutschland also ungehindert weiter…

EURO2012-Tagebuch (4)

[Vor der Vorrunde]

02.06.2012:

Kalk bereitet sich aufs Turnier vor und bietet auf der Hauptstraße Artikel für Girlandenmenschen & Eventies feil. Warum man bei den Artikeln für die Europameisterschaft 2012 auch eine US-amerikanische Fahne erwerben kann, erschließt sich mir nicht so recht. Aber dann ist es halt so.

Materialien für Girlandenmenschen auf der Kalker Hauptstraße...

Materialien für Girlandenmenschen auf der Kalker Hauptstraße...

Und was machen die anderen? Laut kicker.de sieht es so aus:

Folgt der verpatzten Generalprobe ein gelungenes Debüt, dürfen sich Tschechien, die Ukraine und Italien auf ihre Auftaktspiele bei der EM freuen. Alle drei Teams unterlagen am Freitagabend in Testspielen und suchen noch nach der richtigen Form für die Kontinentalwettkämpfe. Einzig Russland zeigte sich in guter Verfassung.

Bei den Italienern wurde aufgrund der derzeitigen „Verstimmungen“ ja sogar eine Nichtteilnahme am Turnier erwogen. Dann wäre Michel Platini aber sicherlich erzürnt und es gäbe in Rom „Popoklatsch mit Anlauf“. Und am Ende sogar Stehplätze und personifizierte Eintrittkarten für alle. 😉

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Ich habe mich dazu entschlossen, nach einer kurzen Diskussion mit der fußballaversen Inhaberin dieses Blogs (in der formidablen Gentrifizierungskantine zu Kalk), dass die Erscheinungsweise dieses Tagesbuches eben – einem Logbuch angemessen, quelle surprise – täglich sein wird. So müssen die Leser sich nicht durch Byte-Lindwürmer (das Wort gibt es nicht!), durch digitale Bleiwüsten kämpfen, sondern können immer die einzelnen Beiträge des Tages ansteuern. Hier sieht man übrigens die Skizze zur Erscheinungsweise, wie sie mir gestern Abend im „Blauen König“ vorschwebte:

sehr vernünftig. impulsposten kannste ja hier im briefykreise, aber im blog sollte es sinn&form haben, wille zum stil, und eine gewisse faustisch-deutsche reflektiertheit.

[Harter Schnitt]

Wann kommt eigentlich mein DFB-Paket an? Auf jeden Fall geht es in 6 Tagen also endlich, endlich los. Gottseisaufkniengedankt!

Das letzte 16er-Turnier auf diesem Kontinent. Und wir sollten es gewinnen.

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Wir sollten es gewinnen. Was Thünnwardt Tünneson gestern noch von der „Ernstmeiner-Front“ nachtrug:

Aber so langsam kehrt hier die Gesinnung zurück. R. meinte gerade am Büdchen, wir verlieren zum Auftakt 0-2 gegen Portugal, werden aber trotzdem Europameister. Interessante Theorie. Immerhin von jemandem, der sich bei den Jubelfeiern anno 2010 gegen England den Knöchel gebrochen hat, weil er von Wolf Vostells Plastik „Ruhender Verkehr“, dem Betonauto auf dem Hohenzollernring, gesprungen ist.

Wunderbar! Das ist Köln, meine Damen & Herren: Kunst, Kultur & Fußball. Das pralle Leben.

EURO2012-Tagebuch (3)

[Vor der Vorrunde]

01.06.2012:

Mein derzeitiger Grad der Zerrüttung: Ich würde während des gesamten Turnieres auch in einem Barcelona-Trikot mit Hoffenheim-Hose und Alemannia Aachen-Stutzen rumlaufen, stünde am Ende der Titel.

Dies erkennend, kam aus der Abteilung Strohhalm heute eine E-Mail aus dem „Zentrum Alternativer Geisteswelt“ (ZAG) zu Hessisch-Lichtenau (nahezu im Original-Wortlaut):

ach, langsam werd ich auch wieder optimistischer. mit neuer, boateng, badstubi, gottesacker, lahmi, schweini, khedira, müller, özil, poldi , klose als alternativen auf der bank schürrle für poldi, kroos für schweini und gomez für klose, dazu noch die zecken [Dortmunder, HS] hummels, götze und reus sollte der titel eigentlich zu holen sein.

Danke, ZAG!

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Ich habe es getan. Denn „Grün ist die Hoffnung“. Und es war wahrlich kein Jersey aus dem Preiseinstiegssegment.

Also nicht das „Ö“ unter den Trikots. Egal. Kann man Titel durch Aberglauben & Mojo erzwingen? Denn nachdem die 2010er-WM-Schnecken entweder tot oder weggelaufen sind (damit ist auch die a.a.O. gestellte Frage „Lebt Weini eigentlich noch?“ beantwortet), leider, und der dritte Wurf noch nicht soweit ist, müssen anorganische Dinge als Nervenberuhiger herhalten. Und eine Hoffnung, die ich sonst nie habe:

Wiederholt sich Geschichte? Das EM-Auswärtstrikot erinnert an das Jersey der deutschen Sieger-Elf von 1972. Mit dem Blick zurück hofft auch Hersteller Adidas auf ein Sommermärchen.

Es wäre ja nicht so schlimm, könnte das Endergebnis mit den Oberteilen korrespondieren:

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Hmmh, diesen Teil des Artikels hatte ich wohl überlesen 😉

Mit dem Retro-Trikot in Grün spricht Adidas besonders eine Jugend an, die darin aussieht wie ihre eigenen Eltern damals und die sich die kleine Kommode von Oma ins erste WG-Zimmer stellt. Auch weil junge Menschen ihren Eltern heute näherstehen, als diese es mit ihren eigenen Eltern taten, steckt Adidas die jüngere Generation in Papas Trikot.

DANN IST ES HALT SO! Ich denke beim Fußball ja auch immer das gestern-heute-morgen mit. Dann kann ich auch aussehen wie Günter Netzer mit Alsmann-Frisur. Wenn’s den Titel bringt. Die einzig wichtige + richtige Frage zum Trikot stellte wie immer Thünnwardt Tünnenson:

Trägt das Awayleibchen auch nicht zu sehr auf?

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Man klammert sich als solide Testspielmemme derzeit an jeden Strohhalm, so auch an diese Meldung von gestern: Deutschland gewinnt Videospiel-Simulation der Fußball-EM. Dort heißt es unter anderem:

EA sieht sein Videospiel-Orakel als gutes Omen, immerhin habe der Hersteller bereits bei der jüngsten Weltmeisterschaft Spanien als Titelträger prognostiziert. Allerdings lag die Software auch schon öfters daneben und rechnete beispielsweise im jüngsten Meisterschaftskrimi den Bayern einen Sieg in Dortmund aus.

Ich fahre dieses Jahr alles auf, was notwendig ist: Tintenfische, Trikots, Schnecken, Videospiele – Hauptsache, am Ende steht nach 16 Jahren mal wieder der Titel. Damit ich mal wieder richtig schlafen kann.

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Hol‘Besorg’ Erwerbe ich das grüne Auswärtsleibchen meiner herrlichen, jungen Nationalmannschaft? In der Hoffnung, dass das Turnier so erinnerungswert wird wie jenes vor 40 Jahren? Diese U-BahnWerbung in der Station Kalk-Kapelle löste einen gewissen Konsumreiz bei mir aus…

Kann man Titel durch Aberglauben & Mojo erzwingen?

Hier geht es zu dem grossartigen Sportschau-EM-Spielplan.

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In 7 Tagen geht’s also los.

Der Boulevardzeitungsautomat auf dem Weg zur Erwerbsarbeit bestätigt meine Befürchtung des gestrigen Abends:

„Aber Jogis Löwen noch nicht in EM-Form.“

Auch Spon schlug in die gleiche Kerbe: Glanzloser Sieg in der EM-Generalprobe. Jedoch Erfreuliches gibt es von Bernd Schuster 2.0 zu berichten, auch wenn ich die Gedanken an die EM 1980 nicht loswerde:

Eine gute Nachricht gab es von Bastian Schweinsteiger. „Bastian ist seit Mittwoch schmerzfrei. Er muss jetzt anfangen zu laufen und wird spätestens Dienstag wieder mit dem Team trainieren“, sagte Löw und machte dem angeschlagenen Mittelfeldspieler Hoffnungen auf einen Einsatz gegen Portugal. (ebd.)