EURO2012-Tagebuch (5)

[Vor der Vorrunde]

03.06.2012:

Diverse Zeitungen gesichtet und am Nachmittag die Frankurter Allgemeine Sonntagszeitung (Print!) intensiv auf- und durchgearbeitet:

„Das große Versprechen“. Es muss einfach hinhauen. Doch seit dem Champions-League-Finale habe ich die Befürchtung, dass wir gerade die „verlorene Generation“ sehen, sehr gute Fußballer, die leider keinen großen Titel holen. Werde diesen Gedanken einfach nicht mehr los.

*

Im ZAG zu Hessisch-Lichtenau bleibt die Küche heute kalt. Dort ist man in der Hochphase der EM-Vorbereitung:

„erstmal das kicker-sonderheft zerlegt, der tv-fahrplan hängt am rechner, spielplan & tabellen am schrank, am wochenende wird das heft durchgearbeitet ([…], damit ich zum auftakt nexten samstag renne, brenne, durstig bin).“

*

Gestern, am frühen Abend, an der Käsetheke im EDEKA unserer Köpfe, ein Dialog über das großartige grüne Auswärtstrikot, der meiner Meinung nach beste Merchandisingartikel seit Menschengedenken:

„Das einzige Fußballbekleidungsstück, das ich zum diesjährigen Turnier erworben habe, ist dieses hervorragende Produkt, das sie leider nur noch in der Größe meines weiblichen Patenkindes hatten.“

„Aber das ist ja ein Jungenschlafanzug!“

„Das ist so´n Sommerschlafanzug, und dass der im Jungssortiment steht, ist mir scheißegal, wir wollen hier ja keine geschlechtsspezifischen Rollenklischees zementieren. Wenn die Lütte größer wird, kann sie noch so viel rosa tragen wie sie will, jetzt jedenfalls ist Europameisterschaft und da wird schwarz-und-weiß mit Deutschlandfahne getragen, und damit basta.“

Klare Männer, klare Gedanken.

Es gibt sie noch, die guten Paten. Am Ende kommt noch jemand auf die Idee, bei der EM so etwas zu verschenken… und was wünscht man sich sonst noch für die Zeit des Turniers, das in 5 Tagen endlich, endlich, ENDLICH beginnt? Na… 

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menschen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier‘.

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Was passierte sonst noch so? Sie wollen den Fußball gentrifizieren. Den Artikel „Bei Abendspielen haben Fans Zeit, sich zu betrinken„, fasste das ZAG wie immer treffend UND pointiert zusammen, O-Ton:

[…] es geht ums große ganze. darum, daß sie das wesen des fußballs, das wesen des fußballfanseins, verändern wollen, verspießern wollen, gentrifizieren wollen. auf daß sehr bald schon eine generation von fußballfans aufwachse, der stehplätze, rauchen im stadion und alk im zug so fremd sind wie telefone mit wählscheiben oder gladbach als deutcher fußballmeister.

Nach dem Turnier geht die Hoffenheimisierung Gentrifizierung und Versitzplatzung der Profil-Ligen in Deutschland also ungehindert weiter…

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One Comment

  1. […] werden sehen, wie die Versitzplatzung nach dem Turnier […]

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