EURO2012-Tagebuch (20)

[Vorrunde]

18.06.2012:

Kroatien – Spanien (20:45 Uhr – Donezk – ZDF)

Italien – Irland (20:45 Uhr – Posen – ZDF)

Kroatien gegen Spanien ist für mich eine Wundertüte, da kann einiges passieren. Die rechnerisch schon ausgeschiedenen Iren werden die Italiener ärgern, aber dennoch mit null Punkten nach Hause fahren. Hauptsache, sie haben die Lieder schön.

Der gestrige Spieltag:

Portugal – Niederlande 2:1 (1:1)

Die Niederländer mit 15 Stürmern und Offensivspielern schaffen es nicht, die Portugiesen um den gegelten Schmierlappen zu schlagen. In der Tradition der Franzosen scheitert der Vize-Weltmeister in der Vorrunde mit null Punkten.

Dänemark – Deutschland 1:2 (1:1)

Wie schrieb blogsatz.de gestern so schwach im Glauben:

Damit ist auch der zweite Gruppenfavorit wegen des verlorenen direkten Vergleichs draußen. So langsam wird mir diese EURO unheimlich. Ich hoffe, dass uns nicht auch morgen der Sudden Death gegen Dänemark erwischt…

Nicht mit uns! Obwohl: Bevor ich „Smørrebrød, Smørrebrød røm, pøm, pøm, pøm!“ sang, war es ein hartes Stück Arbeit, dieses „Achtelfinale“. Oder poiniterter: Zitter! Bibber! Weiter!  Immer weiter. Ehrlicherweise muß ich sagen: Ich war in der 75. bis 80. Minute auch schwach im Glauben.

Dabei fing es so gut an. Die Stimmung: Aufgeräumt und siegessicher, ich fußballewiggestrig: Das Foul und das Handspiel von 1992 von mir unvergessen. 11.000 Awaysupporter. Das 100. Spiel für Lukas Podolski. Es war alles angerichtet für ein Fußballfest. Kurz noch gekalauert:

Thünnwardt Tünnenson: „Der Schiedsrichter ist dafür bekannt, dass er schnell zieht!“

Ich entgegnete: „Ist er Revolverheld?“

… und dann konnte es losgehen. Müller in der 4 oder 5. Minute wie Gomez 2008 in Wien. Unser Team drückend überlegen und Lukas Podolski macht sich selbst das größte Geschenk zum 100. Spiel. Eckball. Der zweite. Ich habe kein gutes Gefühl. Das 1:1 mit Ansage. Es sah gut aus, was die Deutschen in der ersten Halbzeit spielten, sie hätten nur ein Tor mehr machen müssen.

In der Pause Anatomiekurs mit Mehmet Scholl: „Rumpf, Arme, Beine.“ Und Gefasele von der 2. und 3. Etage. Dann zooooooooooooooooooooooooooog sich das Spiel wie Kaugummi und meine Kernkompetenz war gefragt: „Geduld“. Ab der 65 Minute wurde ich ganz still. Schwach im Glauben. Die Niederländer schienen sich für ein Weiterkommen nicht zu interessieren und die Portugiesen rund um Schmierlapp C-3PO führten 2:1. Ein Tor der Dänen und es wäre unschön geworden.

Doch dann griff der Held des Abends ein: Vom eigenen Fünfmeterraum loslaufend, netzte er zum 2:1 ein und ich beschallte Kalk mit der Spontaninterpretation eines bekannten Pop-Gassenhauers: „Lars Bender, I gave you my heart, but the very next day, you gave it away!

Per E-Mail kam derweil Fundamentalkritik aus Hessisch-Lichtenau:

wir waren komplett überlegen, und trotzdem kurz vor dem ausscheiden. wann hat der jogi denen denn verboten, aufs tor zu schießen? das war ja heute brasilianoid zum erbrechen. den ball ins tor tragen.

am ende dann das klassische deutsche konterspiel, das die welt fürchtet.

wenn jogi gegen den griechen wieder gomez bringt, ist ihm nicht mehr zu helfen. das war heute arbeitsverweigerung, [er, HS] glaubt mittlerweile [seinen] eigenen hype. und, da bleibe ich bei, unser spiel ist so viel dümmer mit ihm. (…)

so holen wir den titel.

Denn: So ein Spiel musst Du auch erst einmal gewinnnen! Ich kenne etwa 10 Nationen bei diesem Turnier, die keinen Dreier gegen Dänemark geholt hätten. Was mir Sorgen bereitet, ist die Verfassung von Özil und Müller. Özil wurde in Manndeckung genommen, so was habe ich seit den Mittachtzigern nicht mehr gesehen, er war bis auf einen genialischen Diagonalpass in Halbzeit 1 praktisch wirkungslos und das werden die anderen Teams auch gesehen haben. Wie soll das erst gegen die Handballabwehr von Griechenland werden? Die menschliche Wand aus Athen hat sich den gestrigen Kick sicherlich auch angeschaut. Und Müller: Müller denkt zu viel. Die Leichtigkeit von 2010 ist unwiederbringbar verloren. Das, was Lars Bender gestern so unnachahmlich unter Beweis stellte, im jovialen O-Ton „Scholli“: „Er denkt nicht, er läuft„, und „Da denkt man nicht lange nach und haut das Ding rein„, geht Müller derzeit ab.

Ich wiederhole mich: Was für ein hartes Stück Arbeit! Das wird am Freitag in Danzig nicht einfacher. Aber wer in dieser Gruppe 9 (!) Punkte holt, ist keine Kirmestruppe. Und kann weit kommen. Sehr interessant waren die Interviews mit den Spielern und Prof. Dr. Löw. nach dem Spiel. Sehr zurückhaltend, sehr auf den Punkt, konzentriert, ich empfange Signale, dass sie einen klaren Plan haben. Und dieser soll an 01.07.2012 nach Kiew führen.

Mund abputze. Im Viertelfinale geht es also gegen die Griechen.

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Auch so ein 1:0 vom Weltgeist, ausgerechnet Griechenland. Solche Geschichten schreibt wirklich nur der Fußball:

Das Duell Deutschland gegen Griechenland hat auch politische Brisanz: Hunderttausende Griechen sind wegen der monatelangen Euro-Krise und der anhaltenden Kritik an dem südeuropäischen Land sauer auf die deutsche Regierung.

Wir spielen also – so martialisch es klingen mag – gegen ein ganzes Volk. In Danzig. Da könnte sich Frau Dr. Merkel mal wieder auf der Ehrentribüne blicken lassen. Mutti könnte am Freitag, ganz im europäischen Sinne und betont deeskalierend, dem griechischen Premier verstohlen einen Hunderter zustecken und sagen „Tu’s Dir weg, Jong!

Wir haben dreimal gezittert – jetzt müssen wir die Favoritenrolle gegen Griechenland annehmen. Es ist noch ein langer und nervenzehrender Weg nach Kiew. Aber dann ist es halt so.

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Erfolg gegen Dänemark: Drittes Spiel, dritter Sieg – ab ins Viertelfinale!

Löws Wechselglück.

Bumm, Bumm, Bender!

Viertelfinale! Griechenland kann kommen.

Wer so dreckig siegt, kann Europameister werden!

Presseschau I.

Presseschau II.

Presschau III.

Ronaldo schießt Oranje aus dem Turnier.

Oranje trägt Schwarz.

Van Marwijks Zukunft nach EM-Debakel unklar.

Warum nicht mal ein Jan?

Das Martyrium des Gockels.

Zitate des gestrigen Spieltags:

Erkenntnisse:

Ich finde die Grüne Jugend in Fußballzusammenhängen in etwa so gut wie die Girlandenmenschen, die nach ’nem gewonnenen Zweikampf die Straße hupend verstopfen. Egal: Ostköln zeigt Flagge.

Die Sion-Brauerei hat jetzt eine 0,25l-Kölschflasche auf den Markt geworfen. Was ist denn das für ’n Kappes? Oder ist das für die Pubertierendenszene unter den Girlandenmenschen? „In der ersten Halbzeit Deutschland-Dänemark habe ich zehn Flaschen Bier getrunken…“

Falsch!

Leserresonanz:

Folgender Beitrag erreichte mich gestern aus Schottland:

Ich hab es gut. Ich lebe in einem Land ohne Girlandenmenschen. Jedenfalls solange ich vermeide mit zusammengewuerfelten, bildungsbürgerlichen und dementsprechend mehrheitlich fussballignoranten Expat-Communities Spiele zu gucken (….) Im schottischen Durchschnittpub versammeln sich bei den Spielen äusserst fussballsachverständige, englandhassende, überraschend häufig deutschlandwertschätzende, italiener- und spanierverachtende Trinker. Die gucken EM weil sie Fussball mögen und verstehen, obwohl sie nie einen Titel gewinnen werden und selbst bei Aufstockung auf 24 Mannschaften nur eine Aussenseiterchance haben ihr eigenes Land drei Niederlagen lang anzufeuern.

Wir müssen uns den Verfasser dieser Zeilen als glücklichen Menschen vorstellen. Wir wurden gestern aus der Kalker Ernstmeinereckkneipe mit diesen Audiogranaten bestrichen:

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Vielleicht hat die „Grüne Jugend“ ja doch nicht so unrecht?

 

 

EURO2012-Tagebuch (19)

[Vorrunde]

17.06.2012:

Portugal – Niederlande (20:45 Uhr – Charkiw – ARD)

Dänemark – Deutschland (20:45 Uhr – Lemberg – ARD)

Da ist auch nach 20 Jahren noch ’ne Rechnung offen. Zumindest in meiner Welt, als Dänemark unverdient und mit einem Foul- und einem Handspiel das Finale gewann. Die Printausgabe der BILD Köln schreibt am Freitag über Girlandentum in Köln und den Torjubel,  wirres, „wissenschaftliches“ Zeug:

„Dabei wird im Gehirn Dopamin ausgeschüttet, das sorgt für Freude, Genuss und Befriedigung. Spielszenen, wie das erste Gomez-Tor prägen sich durch Noradrenalin und Cortisol im Emotionszentrum ein.“

Das scheint mir zu positiv belegt. Bei mir haben sich Tore von Burruchaga 1986 und andere Unglücksfälle eingeprägt. Und ich nenne es nicht „Noradrenalin und Cortisol“ sondern KINDHEITSTRAUMA. Das gleiche gilt für das Foul und das Handspiel, das den beiden dänischen Treffern vor 20 Jahren vorausging. Auch diese sind ungesühnt. Heute haben wir also die Gelegenheit, mal den niederländischen Nachbarn zu helfen. Mit einem Sieg, wenn sie Ronaldos Racker zeitgleich mit zwei Toren Unterschied schlagen. Das Bizarre an Gruppe B: Wir können auch noch ausscheiden. Aber wie sagte schon ein Kindheitsidol von mir und derzeitiges Präsidiumsmitglied des 1. Fußballclub Köln vor zwei Tagen im sogenannten „Morgenmagazin“:

Deshalb erspare ich euch auch die Optionen und Möglichkeiten, wie wir trotz zweier Siege rausfliegen und die Niederlage Niederlande trotz nur eines Sieges weiterkäme und, und, und. Fakt ist: Alle Mannschaften in der Gruppe können noch weiterkommen, alle können noch ausscheiden. Die beste Voraussetzung hat unsere herrliche, junge Nationalmannschaft, die schon mit einem Unentschieden nicht mehr von Platz 1 zu verdrängen ist. Und dann – vor der EM-Quartier-Haustür – das Viertelfinale im schönen Danzig spielen kann. Genau deshalb interessieren mich alle anderen Optionen einfach nicht. Deutschland ist nicht Russland. Und Portugal ist Griechenland – wenn überhaupt – nur unter finanziellen Aspekten.

So beruhigend es für mich (und viele Millionen andere) gewesen wäre, hätte Mats Hummels seinen Ausflug in den niederländischen Strafraum Mitte der Woche mit dem 3:0 abgeschlossen, so sinnhaft ist es für den weiteren Verlauf des Turniers, dass dies mißlang. Dann wäre er endgültig überzeugt, er könne über Wasser gehen und es wäre ein Mangel an Demut, der sich in unsere Abwehrreihen breit machen könnte…

Doch es gibt Visionäre, die das alles schon voraussahen:

Hermann Gerland, der Talentschmied des FC Bayern, hat schon vor einigen Jahren gesagt, dass seine beiden Schützlinge aus der Jugend, Holger Badstuber und Mats Hummels, irgendwann das Innenverteidiger-Duo der Nationalmannschaft bilden würden. „Damals bin ich ausgelacht worden„, sagte Gerland. Seit Samstag lacht keiner mehr. Vor allem nicht Per Mertesacker.

Einige, die jetzt noch lachen, werden bald… aber lassen wir das. Heute sollte man den dritten Schritt von derer sechs machen. Auf das wir erfreuliche, von mir aus auch von der UEFA gefilterte Bilder am späten Abend des 01.07.2012 sehen.

 Aus „Holland“ wird an diesem Spieltag Hoffland:

„Jetzt muss ich etwas machen, was ich in meinem Leben noch nie gemacht habe: Deutschland die Daumen drücken.“ (Khalid Boulahrouz)

… heute Abend gegen 22.40 Uhr…

Der gestrige Spieltag:

Tschechien – Polen 1:0 (0:0)

Der erste Co-Gastgeber ist rausgeflogen. Durch den Sieg ist Tschechien Gruppenerster – nicht schlecht für ein Team, das mit einer 4:1-Klatsche ins Turnier startet. Nun ist Polen doch verloren. Drama, Baby!

Griechenland – Russland 1:0 (1:0)

Der Geist der Lehre von Otto Rehhagel wabert noch immer durch die griechischen Köpfe. Und sie schlagen die – von mir ohnehin als überschätzt angesehenen – Russen und werfen sie aus dem Turnier. Fußball kann einfach sein. Im Viertelfinale ist für sie aber Schluss. Egal gegen wen – zu 95 Prozent aber gegen uns.  Denn gegen diese Knallerverteidigung werden wir Miro Klose bringen. Dann gilt es: Mutti für die ganzen Schmähungen rächen!

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Drama für Gastgeber Polen – Vorrunden-Aus bei EM.

Polen nach dem EM-Aus: „Es ist einfach so traurig“.

Griechenland beschwört das Euro-Wunder.

Russlands EM-Aus: „Es ist eine Schande“.

Jogi, noch viermal tanzen bis zum Titel!

DFB-Team gegen Dänemark: Bahn frei für die Reserve.

Fragen und Antworten zu Deutschland vs. Dänemark: Die Angst spielt mit.

Mesut Özil: „Deutschland ist jetzt wie Real Madrid„.

Kroos kritisiert Mitspieler und stichelt gegen Löw.

100. Länderspiel für Podolski: Der Abtaucher.

Super deutsch!

Wie Deutsche in Namibia die EM verfolgen.

Die EM im Fernsehen: Die Regie spielt falsch!

Ein Trauerspiel. Das Propaganda-Fernsehen der Uefa.

Ronaldo – Beleidigte Leberwurst statt Superstar.

Niederlande vor EM-Aus: Die Diven sollen Oranje retten.

„Sie können ruhig deutsch mit mir reden, ich bin Österreicher“.

Die schönsten Frisuren dieser EM!

Zitate des gestrigen Spieltags:

[offtopic; Kategorie Metafußball]

Wahnsinn. Du könntest der erste Schmuckeremit mit Twitteraccount werden. Wie schade, dass wir keinen englischen Landschaftsgarten besitzen. Ich würde Dir sofort ein Angebot machen. (Thünnwardt Tünnenson)

Erkenntnisse:

Früher wurde nicht so viel von „Schnittstellen“ in der Abwehr gesprochen. Wie hieß das denn dereinst? „Raum zwischen den beiden Innenverteidigern„?

Leserresonanz:

Fehlanzeige.

Modeverbrechen:

Ein T-Shirt aus Kunstrasen. Das ist Endzeit!

Der Kaufhof in Kalk: Das Ende nach 83 Jahren!

Wie hieß es so unschön im Herbst 2011 in der Stadtrevue:

Mitte 2012 macht auch der Kaufhof dicht. Es gebe zu wenig Platz für deren »Galeria«-Konzept, heißt es offiziell. Tatsächlich aber seien die Köln Arcaden der Grund, sagt Dirk Kranefuss. Er war früher Geschäftsführer der Kaufhof-Filiale und hat schon immer vor der Shopping Mall gewarnt.

Was auch immer der wirkliche Grund gewesen ist, die systematische Ausdünnung des Warenangebotes, das altbackene Siebziger-Jahre-Ambiente, die Arkaden, das Angebot auf der Hauptstraße – es ist vorbei:

Der 1929 auf der Kalker Hauptstrasse geöffnete Kaufhof in Kalk hat am 16.06.2012 um 18.00 Uhr für immer geschlossen.

Chefin & Praktikant waren eine Woche vor der Schließung dort und es war bedrückend:

 

Heute endet die 83jährige Geschichte des Kaufhofs in Kalk...

Der Totalausverkauf zeigte Wirkung. Ich wohne erst seit einigen Jahren in Kalk und finde es dennoch sehr, sehr traurig. Gar nicht auszudenken, wie es den eingeborenenen Kalkerinnen & Kalkern geht, die mit ihm groß wurden. Vermutlich löst dies bei ihnen die gleichen Emotionen aus, wie mein Trauma, als der Puppenkönig auf der Hindenburgstraße in Mönchengladbach für immer schloss: Ein Lebensabschnitt ist unwiederbringbar verloren.

Der feynschliff-Blog wird sehr genau beobachten, wie es mit dem Gebäude und der Um- resp. Neunutzung des Gebäudes auf der Kalker Hauptstraße weitergeht.

Die Chefin & der Praktikant

EURO2012-Tagebuch (18)

[Vorrunde]

16.06.2012:

Tschechien – Polen (20:45 Uhr – Breslau – ZDF)

Griechenland – Russland (20:45 Uhr – Warschau – ZDF)

Im ersten Spiel ist meinerseits KEINE Prognose möglich, da ist einfach alles drin. Vielleicht mit einem kleinen, klitzekleinen Vorteil für den Co-Gastgeber, haben sie doch die Möglichkeit, es besser zu machen als die Gastgeber der letzten EM und das Viertelfinale in Danzig zu erreichen. Tschechien ist für mich nach den ersten beiden Begegnungen nicht auszurechen.

Bei Griechenland gegen Russland kann noch eine Überraschung möglich sein: Wenn sie die ersten fünf Minuten des Spiels nicht verschlafen, können sie die Russen ärgern. Läuft alles wie erwartet, werden die Nichtbefolger der heiligen Lehre von Otto Rehhagel ohne Sieg nach Hause fahren.

Und falls es bei Tschechien versus Polen knapp wird, im Kampf um Platz zwei, hier die Vorgehensweise bei Punkt- und Torgleichheit:

1. Höhere Anzahl Punkte im direkten Vergleich;
2. Bessere Tordifferenz im direkten Vergleich (bei mehr als zwei punktgleichen Mannschaften);
3. Höhere Anzahl der erzielten Tore im direkten Vergleich (bei mehr als zwei punktgleichen Mannschaften);
4. Wenn nur zwei Mannschaften nach der Anwendung der Kriterien 1) bis 3) auf mehr als zwei Mannschaften immer noch denselben Platz belegen, entscheidet das Ergebnis zwischen den beiden Mannschaften.
5. Bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen;
6. Höhere Anzahl der erzielten Tore in allen Gruppenspielen;
7. Höherer UEFA-Koeffizient zur Auslosung der Gruppenphase;
8. Besseres Fairplay-Verhalten während der Endrunde;
9. Losentscheid

Nicht erwähnt wird Punkt 0: Das Wort und die Hand Michel Platinis. 😉

Der gestrige Spieltag:

Ukraine – Frankreich 0:2 (0:0)

Fritz-Walter-Wetter wird im Becken nicht goutiert. Heute nennt man das „1:0 Petrus„, „Wolkenpfostenbruch“ oder „Platzsturmwind“! Egal. Ich danke „Hirngabel“ für den Liveticker, der mich à jour hielt, ansonsten gilt: Wetterkapriolen und ein französischer Doppelschlag – der Geheim-Geheimfavorit hält sich jetzt für einen Geheimfavoriten. Und hat seit 2006 endlich auch mal ein Turnierspiel gewinnen können.

Schweden – England 2:3 (0:1)

Gestern stellte das ZAG die richtigen Fragen zum Spiel:

„Erleben wir heute endlich das englische Waterloo? Und wann wird‘s mal wieder richtig Sommer?“

Das war also die Begegnung „Schwer tätowierte Schweden & der Mann mit den Prinzessin Lillifee-Schuhen“ gegen Superendland. Ähem: -egerland. Quatsch: England. One Prize. Two Countries. Three Lions.

Alles anders als erwartet, alles anders als getippt! Das 2:3 macht ein Engländer (!) mit der Hacke (!).  Ja, sind denn jetzt alle verrückt geworden?!? Ein munterer Kick in Halbzeit zwei. Die Schweden sind ausgeschieden. Und bei einem Spieler der Engländer musste ich die ganze Zeit an meinen alten Kumpel Lieutenant Commander Worf denken. Ferner gilt es über die Farbgebung & den Schnitt der englischen Trikots zu diskutieren. Das schmälert jedoch die englische Leistung nicht für zwei Cent und das hier ist ja nicht die BUNTE. Können sie – laut Tableau – eigentlich schon wieder gegen Portugal im Elfmeterschießen ausscheiden?! 

P.S.: Ich habe mich lange gefragt, warum ich 2006 ausgerechnet diese Zaunfahne photographierte – aber so langsam fällt es mir wieder ein…

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Frankreich gewinnt Regenpartie von Donezk.

EM-Gastgeber Ukraine: Der Fluch von Donezk.

Der EM-Gastgeber trauert und zittert.

Welbecks Hackentor zerstört Schwedens Traum.

Ein Hackenwischer für die Geschichtsbücher.

Ratsherr lobt polnische Hooligans.

Die russischen Hooligans wollen Rache„.

Traum oder Trauma: Polen hat sein Schicksal „selbst in der Hand“.

Bastian Schweinsteiger: Kampf und Schmerzen.

Gomez auf dem Weg zum Euro-König.

Gut ins Turnier gestartet: Löw-Elf auf Kurs.

Außer Form – Magath sorgt sich um Podolski.

Als Klub wäre Deutschland der 1. FC Köln„. Gottseidank können wir nicht im „klassischen Sinne“ absteigen…

Dauergrinsen und lahmes Publikum – ZDF setzt EM-Studio auf Usedom in den Sand.

Bewegtbilder: Oliver Kahns erster Tweet.

Transkription: Oli Kahns erstes Mal

Mario Gomez großer Facebook-Gewinner.

Zitate des gestrigen Spieltags:

„Es geht hier nicht um Mario Gomez oder noch weniger um Mehmet Scholl, es geht um Deutschland.“ (Mario Gomez)

„Bombo und Thünn. 70 Jahre Stadionerfahrung gegen das Girlandentum.“ (Thünnwardt Tünnenson)

Erkenntnisse:

Keine.

Leserresonanz, meinungsstark:

größter witz des turniers mal wieder die iren, mannschaft wie fans. mit dieser „dabeisein ist alles-mentalität“ werden die immer in der vorrunde scheiern. aber hauptsache weinerliche lieder über kartoffelfäule singen und schön voll, und dann ab unter den europäischen rettungsschirm. (ZAG, Hessisch-Lichtenau)

Der Verfasser dieses Blogs macht sich diese Meinung nicht zu eigen, musste aber ob der Meinungsstärke doch schmunzeln.

EURO2012-Tagebuch (17)

[Vorrunde]

15.06.2012:

Ukraine – Frankreich (18:00 Uhr – Donezk – ZDF)

Schweden – England (20:45 Uhr – Kiew – ARD)

Im ersten Spiel muss Frankreich unter Beweis stellen, dass sie zurecht als Geheim-Geheimfavorit gehandelt werden, obwohl (nicht nur) Ribery gegen England total ideenlos war und die Ukraine auf einer Welle der Euphorie schwimmt. Da ist von ’nem 4:0-Sieg für Les Blöds bis zu einer knappen Niederlage: Alles drin.

Die zweite Begegnung wird spannend. Das Ding geht auch nicht unentschieden aus, wie 2006. England wittert mit seiner Benny-Hill-Truppe eine kleine Chance fürs Viertelfinale, die schwer tätowierten Schweden müssen gewinnen. Das könnte für den neutralen Betrachter ein schönes Spiel werden. Könnte.

Der gestrige Spieltag:

Italien – Kroatien 1:1 (1:0)

Italien geht mit einem Freistoß in Führung. Dann der tiefe und verstörende Schock: Matthäus und Beckmann. Zusammen. Vor. Der. Kamera. Dann das 1:1 und erneut Bengalos aus dem kroatischen Block, die „Herren des Weltbildes“ konnten wieder mal den Wind nicht beherrschen. Ein gerechtes Remis. Italien kann zum 6. Mal nicht den Angstgegner besiegen. Deutlich schwächerer Auftritt der Squadra Azzurra als gegen Spanien. Und die Kroaten bleiben ein sehr unangenehmer Gegner.  Für jeden.

Das Spiel in a nutshell: „Warum nimmt er ihm den Ball vom Fuß? Italien übernimmt die Abwehrarbeit für Kroatien.“ (Steffen Simon)

Spanien – Irland 4:0 (1:0)

Spanien in der Erscheingungsform Torres mit einem Blitzstart nach 4 Minuten. Der Rest der ersten Halbzeit hatte was von Trolle und Igel. Mit einem 1:0 wurden die Seiten gewechselt. Die zweite Halbzeit in einem Satz:Das sieht aus, als wären da mindestens fünf Spanier mehr auf dem Platz als Iren.“ (Anja Sauerwald). Die Iren fußballerisch limitiert, aber mit Herz. Was noch auffiel: Fabregas hatte die Haare ganz anders als gegen Italien.

Der steinige Weg nach Polen hat in einer Sackgasse für die grünen Jungs geendet. Aber sie waren wenigstens das amüsante & sangesstarke Momentum dieser Europameisterschaft. Bisher.

Die grünen Jungs begrüßten vor neun Tagen launig ihre Inselfreunde („One Prize, Two Countries, Three Lions!“):

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Sie sorgten ohnehin gestern Abend – positiv besetzt – für Fußballkultur:

You’re only sing when your winning!Das kann man den irischen Anhängern nun wirklich nicht vorwerfen. Es erinnerte mich sehr an die zweite Halbzeit in Nürnberg 2000, als klar war, dass wir nicht mehr aufsteigen, und eine halbe Stunde lang aus 20.000 mönchengladbacher Kehlen „You’ll never walk alone“ durch das Stadionrund hallte.

Die irischen Fans mit einem Dauergesang, der zeigte, dass trotz aller Rückzugsgefechte der Fußballkultur und manipulierter Bilder der UEFA – der ein oder andere Anhänger noch weiß, dass nicht nur die verkleideten Girlandenmenschen allein Stimmung  im Stadion machen…

Oder wie es der Inhaber des EM-Studios Kalk a.a.O. so pathetisch formulierte:

Welch ein Moment, der sich einbrennt in unsere Herzen. Wir sitzen und weinen, leiden, fühlen und lieben mit. Stimmen und Worte, die sich einbrennen in unser Herz. Eine Nation, ein Volk singt und wir schweben mit, gleiten empor, gleichsam als wären wir sie, ein gemeinsamer Körper, gemeinsame Stimme, gemeinsames Leid, getragen von den Worten und dem Gesang, schwanengleich…

Verbeugung vor Tom Bartels, der diesen Moment nicht zerstörte…

Dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen. Außer: Danke, Irland!

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Chiellinis Aussetzer kostet Italien den Sieg.

Spanien triumphiert über chancenlose Iren.

Was für eine verrückte EM bisher! Wie formulierte Christian Heimanns so treffend a.a.O.:

Angreifende Italiener und einfallslose, knochenharte Holländer. Nachdem die anderen mit einigem Staunen die Verwandlung der deutschen Nationalmannschaft betrachtet haben, sind sie jetzt selber dran, wobei die limitierten Engländer die alten Klischees noch stützen.

Fast 25 Jahre lang hatten die Holländer Mannschaften zum fürchten. In fast der ganzen Zeit hätten sie nach Belieben Frikandel aus jeder deutschen Auswahl machen können und was war ich neidisch auf deren Auswahl an Stürmern. Die Produktion ist ja immer noch nicht schlecht. Aber da sind keine Rijkaards, Koemans oder Stams mehr, die ganzen hinteren sechs taugen mehr zum Rugby; Kirmesboxer van Bommel muss mit 35 den Laden dicht halten und kriegt zur Halbzeit seine internationale Laufbahn von Özil beendet.

Was hab ich mir 2 Jahrzehnte lang gewünscht, mit denen auf einer Höhe zu sein. Jetzt sieht es so aus, als ob der europäische Fußball ein paar Jahre lang ohne die holländische Inspiration auskommen muss.

Dem ist überschaubar viel hinzuzufügen.

Danke Jogi, ich bin geheilt!

Schweinsteiger: Die Rückkehr des Führungsspielers.

(…) Deutschland ist nicht nur physische Kraft, Energie, dunkle Symphonie.“ Hat der „Corriere dello Sport“ die WM 2010 ver- oder durchschlafen?!

Wagner: „Lieber Mario Gomez, (…) Was für ein Doppelgänger spielte da?„:

Er ist wie ein Pferd, das glaubt, ein Vogel zu sein. Beim Holland-Spiel haben wir den Vogel Gomez kennengelernt. Ein Pferd, das fliegen kann, einen Stuhl, der tanzen kann.

Die „Herren des Weltbildes (II)“: Die Balljungen-Fälschung!

Zitat des gestrigen Spieltags:

„Warum ist eigentlich der Lahm Kapitän, und nicht der Schweinsteiger?“ (Anja Sauerwald)

Erkenntnisse:

Ich glaube, wenn „Herr Scholl“ den Opdenhövel nochmal „Opdi“ nennt, rufe ich bei der UN an & und lasse ihn abholen! Das ist eine bodenlose Menschenrechtsverletzung.

EURO2012-Tagebuch (16)

[Vorrunde]

14.06.2012:

Italien – Kroatien (18:00 Uhr – Posen – ARD)

Spanien – Irland (20:45 Uhr – Danzig – ARD)

Das erste Spiel wird sehr, sehr spannend: Kann Italien die gute Leistung gegen Spanien wiederholen oder werden sie wieder einmal gegen Kroatien verlieren? In der zweiten Begegnung hoffe ich nur, dass der Rasen schön stumpf trocken ist.

Ein sehr „interessantes“ Bild erreichte mich gestern über einen mir bekannten Alt-Möchengladbacher, der mit seinem Tross unsere herrliche, junge Nationalmannschaft beim Spiel Deutschland vs. Portugal unterstützte und heute Abend der Begegnung Italien vs. Kroatien beiwohnt:

Bildunterschrift:

Thank god our restroom has „All inclusive“ status as well 🙂 #Euro 2012 Wroclaw/Breslau

Ansonsten dreht sich diese Ausgabe natürlich um den 2:1-Sieg unserer herrlichen, jungen Nationalmannschaft gegen die Niederlande!

Der gestrige Spieltag:

Dänemark – Portugal 2:3 (1:2)

Ronaldo kann gar nichts! Und im Gegensatz zur vorherschenden Meinung finde ich: Er hat die Haare nicht schön. Das Vorspiel zum Straßenfeger hatte ich anders getippt.

Niederlande – Deutschland 1:2 (0:2)

Jaaaaaaaaaa!

Auf dem Weg nach Hause verstopften PublicViewing-Wesen & Girlandenmenschen Deutz & verzögerten entscheidend den Weg zum Rundfunkempfänger. Wie ich aus Berlin hörte, teilten dieses Schicksal auch Erwerbstätige (sic!) in Berlin. Nachdem man sich also ins Veedel durchgekämpft hatte, folgte die:

Deutschland-Premiere im EM-Studio Kalk:

Platzreservierung im EM-Studio Kalk – Girlandenmaterialien als Handtuch.

Platzreservierung im EM-Studio Kalk – Girlandenmaterialien als Handtuch.

Eingedenk der großen Begegnungen gegen die LNiederlande konnte ich eine gewisse Grundanspannung nicht leugnen. Hier gilt auch vor dem Spiel mein Fazit, das ich nach dem Portugal-Spiel zog.  Kurz vor dem Spiel wurde mir siedendheiß klar: Nein, wir werden heute nicht in den großartigen, grünen Auswärtstrikots antreten, die Niederländer spielen ja in orange, da können wir durchaus in weiß antreten; ansonsten sähe das ja auf dem Platz aus wie ein Treffen der Fruchtgummischnullerarmeen! Auch war ich sehr überrascht, dass Orange auf den Tribünen so deutlich besser vertreten war, als unsere Anhängerschaft. Dafür haben wir lauter gesungen.

Vorher distribuierte ich via Twitter die Aufstellung des Spiels unter Berücksichtigung der größtmöglichen Quellenkritik:

Thünnwardt Tünnenson & ich paraphrasierten noch kurz vor den Nationalhymnen individuelle Fehler der Turniere 2002 (Kahn) und 2010 (Kroos).

Nervös war ich auch. Wir wurden vom Inhaber des Kalker EM-Studios aufgefordert, uns ruhig zu verhalten und Wortbeiträge, die nichts mit dem Spiel gegen die Niederlande zu tun haben, per Handzeichen zu melden. Eigentlich ein ungeheurer Affront gegenüber zwei Menschen, die zusammen auf 73 Jahre Live-Fußballerfahrung im Stadion verfügen. „Ja, ja, aber Borussia Mönchengladbach“.

Darüber wird nach dem 01.07.2012 auch noch einmal zu sprechen sein!

Robben wirkte bei seiner Hymne sehr angespannt. Ich auch. Bilder der deutschen VIPs auf der Tribüne & die die Frage aufwarfen: Seit wann sieht Matthias Sammer eigentlich aus wie Lex Luthor?!

Und dann folgte die 24. Minute… jaaaaa, ich hab‘ immer an ihn geglaubt: Clark Kent Gomez mit dem wunderschönen 1:0 nach genialischem Schweinsteiger-Pass. Es folgten Zermürbungstacklings im Mittelfeld. Das 2:0 und ich wurde spielerwertschätzungsmäßig wieder recht flexibel:

Na, könnt‘ ihr Euch noch daran erinnern, wie ich vor dem Turnier sagte „Ohne Gomez wird das nichts?!“

Die Niederländer in der zweiten Halbzeit mit „Alles oder nichts.“ Und gefühlten 10 Stürmern, aber Urkel und die Unsrigen blieben – zumeist – souverän, auch der Mann mit dem Jochbein aus Titan: Badstuber. Kurz zeigten noch zwei grüne Europaabgeordnete Plakate in Charkiw, in denen es um „so Menschenrechte“ ging; Mats Hummels verpasste es leider, das sooooo beruhigende 3:0 zu markieren.

Kurz der Gedankenblitz: Der Robben braucht doch ’n Elfer, um zu treffen. Dann zeigte Boateng, als „Selbstopferkommando Urkel!“, das er bereit ist, alles im Spiel zu geben. Das 2:1 der Niederländer durch van Persie schwächte noch einmal kurz meinen Glauben, aber Deutschland brachte das Ding locker nach Hause.

Was bleibt: Die Ballkontakte 6 und 12 von Herrn Gomez waren recht erfreulich. Löw, der Mann, der gerne auch mal ukrainische Balljungen foppt, hatte wieder einmal einen guten Riecher mit seinem Beharren auf Gomez, Müller denkt zu viel und ist form- und kopfschwach, Özil und Podolski, der Profi mit Profil, schlecht. Hier könnte ich mir auf links auch mal den Sportsfreund Schürrle vorstellen. Und – ganz ohne Vereinsbrille – Reus auf rechts. Egal. Im Viertelfinale. Mit einem Unentschieden gegen Dänemark sind wir auf jeden Fall im Gruppenerster. Vielleicht macht Gomez dann den Ball mit Superpuste rein?!

Und dann geht es ins schöne Danzig. Immer weiter. Immer weiter.

Alles in allem: „Ein strukturiertes, hochseriöses Spiel.“ (Bela Rethy)

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Pressestimmen zum DFB-Sieg: „Gomez hat eine saftlose Orange ausgequetscht„.

Danke, Gomez!

Geil, geiler, Gomez!

Das war super, Mario!

Gigant Gomez bezwingt Niederlande.

Was sagen Sie nun zu Gomez, Herr Scholl?

Schweinsteiger macht’s schön, Gomez effektiv.

Ganz große Chance auf den Titel„.

Dial-a-Cliche: „Hoffe, dass keine Schwulen in der Mannschaft sind„.

Der Hass des Hooligan Maciej.

Leitfaden für Fußball-Klugscheißer!

Wir waren live am Fernseher dabei, als Oliver Kahn, mit Hilfe der „ZDF-eigene[n] Internet-Maus, die laut Müller-Hohenstein mal ‚Jeannine‘ und mal ‚Jeanette‘ heißt“, seinen ersten Tweet verfasste:

Zitate des gestrigen Spieltags:

Aber Bela Réthy muss dringend weg. Seine Poschmannisierung schreitet so gnadenlos voran, sie entwickelt sich zu einer ernsthaften Gefahr für den einfachen Fernsehzuschauer. (Thoralf Reise)

Erkenntnisse:

Badstubers Jochbein ist härter als Chuck Norris!

Leserresonanz:

./.

EURO2012-Tagebuch (15)

[Vorrunde]

13.06.2012:

Dänemark – Portugal (18:00 Uhr – Lemberg – ZDF)

Niederlande – Deutschland (20:45 Uhr – Charkiw – ZDF)

Dänemark gegen Portugal, Rehhagel 2.0 gegen die C-3POs. Hatte ich 2:1 für Dänemark getippt. Kann aber auch anders ausgehen.

Niederländer, die nicht aus der Region Holland stammen, hegen meist eine gewisse Abneigung gegenüber der Bezeichnung Holland für die Niederlande und Holländer für den Niederländer.

Niederlande gegen Deutschland. Wir werden zum ersten Mal in den Genuss der großartigen grünen Auswärtstrikots kommen. Weil ich nicht so viel Kleingeld fürs Phrasenschwein dabei habe, sparen ich mir das Gefasel vom „vorweggenommenen Endspiel„, nein, ich hoffe darauf, dass sich Geschichte wiederholt und man sich – analog zu Tschechien 1996 – erneut im Finale begegnet. Ansonsten hat Götz Widmann zu dieser Begegnung alles gesagt!

Kurzer Ausblick auf Mario Gomez:

Ich bin mal sehr gespannt, ob sich Mehmet Scholl wieder Sorgen um Mario Gomez machen muss. Am Samstag war es schon sehr heikel:

„Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wundgelegen hat, dass man ihn wenden muss! Es war zwischenzeitlich wirklich extrem.“

Meinungsstark! Aber mit Meinungsstärke steht Sportsfreund Scholl nicht alleine! Auch in meinem Nahumfeld wurde der Einsatz von Mario Gomez intensiv diskutiert:

„Mittwoch würd ich erstmal den Gomez schön auf die Bank setzen. Wir sind so viel freier und kreativer ohne ihn, dafür mit Supermiro. Ich finde diesen Gomez so entsetzlich, alles an ihm. Siegtor hin oder her. Ohne ihn hätten wir fünfnull gewonnen, machen wir uns doch nichts vor.“

„Aaagggrhh!!!! Da kam so wenig vom Mittelfeld, da hätte Dein Supermiro auch verloren da vorne rumgehangen. Unfassbar deutsch! Der Junge rettet uns den A…. und alle hacken auf ihm rum, sowas kriegt nur dieses Sch….land hin. Da kann man ja glatt zum Italiener werden!“

„Weil sie alle gelähmt waren, gehemmt von der Präsenz dieses hüftsteifen Antifußballers Gomez. Mit Miro hätten sie so viel befreiter aufgespielt und den üblichen deutschen Zauberfußball gespielt, für den die Welt uns so liebt und fürchtet.

Ich gebe allerdings gerne zu daß ich den Gomez noch nach ’nem Hattrick im siegreichen Finale verabscheuen würde.“

„[Heute] Abend ist von der Konstellation her alles bereitet, um Geschichte zu schreiben. Als Anhänger des schönen Fussballs wünsche ich mir ein 4:3, Siegtor durch Gomez (89. Fallrückzieher). Danach wird er nach Hause geschickt.“

Zwei Männer, zwei Meinungen. Hauptsache, wir machen heute Abend ein Tor mehr als die Niederländer.

Zur Einstimmung ein zeitgeschichtliches Dokument in Bewegtbildern:

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Mit einem 2:1 könnte ich am späten Abend des Mittwochs sehr gut leben.

Auch „Knippi“ scheint sich auf die heutige Begegnung zu freuen:

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Der DFB auf Facebook & Twitpic:

Wiederholungen sind meistens langweilig. Aber eine Wiederholung von 2011 wäre nicht schlecht, oder? Deutschland gegen Holland: Das Beste am Anfang.  Splitter zum EM-Vorrundenspiel gegen die Niederlande & hier findet ihr ständig aktuelle Bilder der Deutschen Nationalmannschaft.

…und FJ Wagner scheint vorgeblich auf Linie

Liebe Holländer, verzeiht, dass ich mit einem Witz beginne. Was macht ein Holländer, wenn er gegen Deutschland gewinnt? Er schaltet die Playstation ab.

…um dann fortzufahren:

Mein Herz sagt, dass Holland nicht ausscheiden soll. Holland ist toll. In der Bundesliga spielen so viele Holländer. Robben, Huntelaar. Ich wünsche mir ein Unentschieden, ich will nicht, dass die Holländer rausfliegen.

Ich finde, JETZT ist der Mann endgültig untragbar geworden!

Ansonsten noch der Hinweis für niederländische Modefans:

Nederlanders die op het allerlaatste moment nog de wedstrijd tegen Duitsland willen bijwonen kunnen spotgoedkoop aan kaartjes komen. Dat schrijft het AD vandaag.
Tientallen Oranjefans zien een reis naar Oekraïne niet zitten en dumpen hun entreekaarten op internet. Normaal kosten tickets in de poulefase van het EK tussen de 30 en 120 euro, maar nu gaan ook de duurdere plekken al van de hand voor slechts een paar tientjes.
Door het verlies van het Nederlands elftal tegen Denemarken hoeft de reis voor veel voetbalfans niet meer zo nodig.
Übersetzung: „Durch die Niederlage der holländischen Elf gegen Dänemark ist die Reise für viele Fans nicht mehr so nötig.
Obwohl ich mich vielleicht ein bisschen bedeckt halten sollte, man munkelt, die Anzahl der deutschen Resttickets sei im vierstelligen Bereich… der Schwarzmarktpreis liegt übrigens mittlerweile bei unter 20 € pro Karte. Das liegt sicherlich auch an der famosen Preispolitk der ukrainischen Hoteliers! Erwarte heute eine ausgeglichene Anhängerschaft beim Spiel in Charkiw.
[Schnitt]
Und heute erleben wir dann endlich die Deutschlandpremiere beim PrivateViewing im EM-Studio Kalk. Wer Rudelgucken in Kalk generell spannend findet, der findet [hier] ein paar Möglichkeiten.

Der gestrige Spieltag [komprimiert hier]:

Griechenland – Tschechien 1:2 (0:2)

Das war karge Fußballkost zum Genießen. Zumindest zu Beginn: Frühe Führung der Tschechen nach 2 Minuten, die in der 5. Minute auf 2:0 ausgebaut wurde. Scheinbar hat man in Griechenland die heilige Lehre von Otto Rehhagel vergessen

Nach dem Wiederanpfiff ein Cech-ischer Patzer, der unmittelbar, sofort, zum, hüstel, Anschluss führte. Dies unterstrich, das er einfach zu viele englische Torhüter im Nahumfeld hat. Danach wollen, aber nicht können. Habe nach dem Einstellen des Fußballspielens durch Tschechien Bücher sortiert.

Polen – Russland 1:1 (0:1)

Vor dem Spiel ein Marsch von 5.000 russischen Anhänger zum Nationalfeiertag, Ausschreitungen und Jagdszenen in Warschau. Ein Spiel mit einer gewissen Brisanz. Auf dem Platz, bis auf das Pfeifkonzert der Polen, nichts davon zu merken. Die Russen wieder mit ihren „Akademisches Corps Russia“-Trikots.

Nach einem Standard in der 36. Minute fiel das 1:0 für Russland per Kopf. Mit diesem Ergebnis und dem Wissen „Jeszcze Polska nie zginęła“ ging es zum Pausentee.

Die Russen vertändeln leichtfertig gute Möglichkeiten und dann macht Kuba Herr Blasikowski Blaszczykowski das 1:1. Nette & packende Begegnung in der zwoten Halbzeit, engagierte Polen erden überschätzte Russen. Kurz vor Schluss die Frage des Moderators bei einer polnischen Chance: „Was will er mit dem Fuß da anrichten?„, er meinte wohl, er habe den Ball mit dem Kopf ausrichten müssen.

Was sonst noch passierte / Presseschau:

DFB-Elf vor Oranje-Spiel: Löws heikles Personalpuzzle.

Mark van Bommel kämpft um die Familienehre.

Roel Brouwers: „Hoffen – oder Koffer packen„.

Ausgerechnet heute: Kanzlerin Merkel mit Oranje-Blazer!

104 Zentimeter Topmodel-Beine im Tross des DFB: Aber ohne photographieren! 

„Mario Klose“ & Der Insel-Irrsinn der Mainzelmännchen.

Noch einmal zum enervierenden Logo dieser EM. Die „Blumen des Bösen“ sind schon nicht schön, aber noch schlimmer ist diese Bitburger-Werbung: „Wenn aus einer kleinen Bewegung ein Ruck durch Deutschland geht.“ Und da regen sie sich über Kamingespräche und Stahlhelme auf… (Der Dank für den Hinweis geht ans ZAG).

Zitate des gestrigen Spieltags:

„Man sollte mich nicht zum Tippspiel einladen, wenn ich [wenig, HS] darum gebe.“ (Eicke Frohwein)

„Diese griechische Mannschaft ist ein Mysterium des Fußballs.“ (Reinhold Beckmann)

„Erster Trend dieses Turniers: Wenn es 1:1 steht, kannst du schon 20 Minuten vor Schluss das Ergebnis in die Wandtabelle eintragen.“ (Carl-Albert F. Heller)

Erkenntnisse:

 

EURO2012-Tagebuch (14)

[Vorrunde]

12.06.2012:

Griechenland – Tschechien (18:00 Uhr – Breslau – ARD)

Polen – Russland (20:45 Uhr – Warschau – ARD)

Im ersten Spiel dürfen wir karge Fußballkost erwarten, bei Polen gegen Russland ist m. E. keine Prognose möglich. Man darf jedoch davon ausgehen, dass Polen den Russen nicht so viel Räume lässt wie 1920 Tschechien.

Der gestrige Spieltag:

Frankreich – England 1:1 (1:1)

Die erste Halbzeit konnte ich arbeitsinduziert nicht live am Rundfunkgerät verfolgen, aber das ZAG versorgte mich mit einem meinungsstarken E-Mail-Ticker. Es war eh Ideales PublicViewing-Wetter für Engländer in der Region Köln-Bonn… dann die erste Botschaft aus dem ZAG, Hessisch-Lichtenau:

17:41 Uhr:

schon der erste verletzte bei england, beim warmmachen der torhüter hat sich unser alter freund ray clemence verletzt und wurde soeben vom platz getragen. slapstick-england. die gehen gleich komplett unter.

17:57 Uhr:

die hymnen. wie immer groß, ergreifend, blutrünstig, die marseillaise. für england sollten sie statt „god save the queen“ besser das thema der „benny hill show“ spielen.

18:31 Uhr:

einsnull england durch kopfball lescott, und nichtmal unverdient

Sehr irritierende Botschaften kamen da aus Hessen, hatte ich Frankreich doch als klaren Sieger auf dem Zettel und England nur eine Außenseiterchance eingeräumt, WEIL sie ohne den Mann mit dem Frank-Sinatra-Gedenk-Impantat spielen

18.40 Uhr:

einseins gewaltschuß nasri. mir gewinne des.

Die zweite Halbzeit habe ich mir dann im ZDF angeschaut, E-Mail gefiltert hätte mir auch ausgereicht. England handwerklich stärker als erwartet, und als – verdammt nochmal – von mir getippt! Der englische Torwart verpasste es leider bei der letzten Aktion des Spiels, die Tradition großer englischer Torhüter fortzuführen und hielt den Fernschuss – im Nachfassen – fest.

Wie immer ein imposanter Auswärtsmob der Engländer, aber trotz HD und gefühltem 64-Zoll-Fernseher konnte ich keine Zaunfahne entdecken, die die „Northern Canaries“-Zaunfahne der Morrissey-Fans von 2006 toppte:

Was mir bei diesem Spiel auch klar wurde:

Die Fußballschuhe bei diesem Turnier sehen alle so aus, als ob Dieter Bohlen und Ed Hardy eine Designpartnerschaft eingegangen seien. Die Franzosen traten fast alle mit der Edition „Lady Gaga“ an. Ansonsten ein eher grottoider Kick.

Ukraine – Schweden 2:1 (0:0)

In der Vorberichterstattung gelernt: Zlatan wird vom Team „Zlatan“ genannt. Die Ukraine mit meinem Lieblingsspieler Voronin oder Woronin, ich glaube mit „V“ wie in „Vogel“, den ich liebe, seit er im Februar 2007 sein abgefälschtes Tor für Leverkusen, das den Quasiabstieg von Borussia Mönchengladbach bedeutete, extatisch vor unserem Gästeblock in Leverkusen feierte.

Das Spiel begann mit einer Irritation. Für mich: Musste mich erst daran gewöhnen, dass die Schweden nicht in gelb spielen. Und seit wann überhaupt tragen die Umbro-Leibchen?!

Und die Ukraine? Sie war congenialer Partner beim langweiligsten Fußballspiel aller Zeiten, dem ich beiwohnen musste: WM 2006, dem Achtelfinale gegen die Schweiz, nach 90 Minuten litt ich unter einem akuten Boreout und fuhr nach Hause, da ich mir die Verlängerung nicht antun wollte. Als ich nach halbstündiger Fahrt von Müngersdorf nach Kalk zu Hause den Videotext anstellte, der Schock: Dieses Spiel wollte mich aus seinen Klauen der Langeweile nicht entlassen und ich war mittendrin im Elfmeterschießen, das die Schweizer ohne einen einzigen Treffer verloren. Vergangenheit, die nicht vergehen will.

Zurück zur Begegnung gegen Schweden: Die ukrainischen Fans machten ganz schön Alarm im Stadion. Die Ukraine bei schnell vorgetragenen Kontern scheinüberlegen in der ersten Halbzeit, Schweden steht souverän. Das Spiel dennoch ein wenig wirr und fahrig. Ibrahimovic in Halbzeit eins mit der Beweglichkeit einer Bahnschranke. Dennoch hatte er die größte Chance vor dem Pausenpfiff mit einem Kopfball an den Pfosten.

Nach der Pause dann ein paar Nickligkeiten zu Beginn. Und Satan Ibrahimovic stand dann gomezesk da, wo er stehen muss, um eine Minderleistung mit einem Tor zu krönen. Die Freude des Dreikronenteams währte nur kurz, Schewtschenko mit dem Kopfballausgleich ein paar Minuten später. Flottes Spiel nach dem Wiederanpfiff, der ukrainische Präsident Juschtschenko sah ein wenig einsam & verloren auf der Ehrentribüne aus. Sieben Minuten später war Schewtschenko wieder mit dem Kopf zur Stelle und dreht das Spiel. Das Stadion explodiert in Düsenjägerlautstärke! Der große alte Mann sorgte für den Erfolg des Gastgebers, die Nummer 4 im ukrainischen Tor verhinderte mit einem engagierten Bagger das 2:2.

P.S.: Die „Orange“-Werbung in Kiew entbehrte nicht einer gewissen Pikanterie. 

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Grande Enttäuschung

Schewtschenko schenkt Ukraine Sieg gegen Schweden

Zitate des gestrigen Spieltags:

„Es gibt Schiedsrichter, die sich den Respekt über Karten erkämpfen.“ (Wolf-Dieter „Poschi“ Poschmann)

„Oleg Blochin guckt, dass er das Unentschieden über die Zeit bekommt.“ (Poschi)

„Twittern, vielleicht sollt‘ ich das auch mal machen.“ (Oliver Kahn)

Leserresonanz:

Der Inhaber des EM-Studios Kalk hat sich mal dezidiert zur Bildregie der EM und den „Herren des Weltbilds“ geäußert:

„Ja, das ist ja mal ganz großes Kino hier mit den Beiträgen. Manche Links lassen mich sprachlos werden. Chapeau Beiträge!!!

Eben so wie die Bildregie: Chapeau, Polkraine. Ich sitz‘ auch nicht vor dem Fernseher um das Spiel zu verfolgen, sondern um mir stilsichere Blumengeflechte und die Pickel der jeweiligen Spieler in supersupersupersupsupsupslowslowslowslowmo anzusehen. Das Spiel ist da eher nebensächlich, echt jetzt. Irgendwie wie… Heinz Sielmann und Bernhard Grzimek und ihre supersuperslowslowslowslowslowwwwww Nahaufnahmen der fressenden antilopeneisbärgetigerten Steinläuse… Ich hab ja zur Einstimmung auf diese EM Deutschland-Frankreich 1982 gesehen. Empfehlenswert für die Jüngeren unter uns. Da redet der Reporter nur, wenns angebracht ist und die Zeitlupen sind dann da, wenn man sie wirklich braucht und halten sich an den Spielfluss. Vielleicht hat es was damit zu tun, dass Fußball immer mehr zur Massenware verkommen ist… ach egal, das versteht ja eh niemand, der nix von Fußball versteht.“

Und, obwohl es nie als quid-pro-quo gedacht war, sondern einfach, weil ich die 140-Zeichen-twitter-Spielberichte von blogsatz.de so schätze, hat er dem EURO2012-Tagebuch auch ein paar lobende Zeilen angedeihen lassen.

EURO2012-Tagebuch (13)

[Vorrunde]

11.06.2012:

Frankreich – England (18:00 Uhr – Donezk – ZDF)

Ukraine – Schweden (20:45 Uhr – Kiew – ZDF)

Zur Vorbereitung auf die Spitzenbegegnung Frankreich versus England eine Dystopie aus der Hölle:

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Durch den Verzicht auf Rooney könnte England eine klitzekleine Chance gegen Frankreich besitzen. Um sich auf das zweite Spiel des Tages einzulassen, empfehle ich den Reisebericht der gebürtigen Kiewerin (sagt man so?) und Ex-Piratin Marina Weisband auf faz.net. Und auch Bill Shankly wird in der Begegnung Ukraine gegen Schweden widerlegt werden. Die wichtige Frage bei diesem Spiel wurde von Michael Weckerlin a.a.O. formuliert und sie lautet: „Ob die Orange Bandenwerbung auch bei den Spielen in der Ukraine in den Stadien zu sehen sein wird – ich tippe wohl eher nicht…

Der gestrige Spieltag:

Spanien – Italien 1:1 (0:0)

Der tadellose Sportsmann Buffon wurde vor dem Spiel mit folgenden Worten zitiert:

Der Kick war per se „interessant“: Unsere Νέμεσις der Jahre 2006 bis 2010 gegeneinander. Das Spiel meiner beiden Lieblingsmannschaften begann mit Bildungsfernsehen, in dem KMH erklärte: „Danzig ist eine Hafenstadt.“ Die Spanier begannen engagiert, die Italiener mit ihrem „seek ’n‘ destroy“-Sturm zu Anfang destruktiv.

Das sah in Halbzeit 1 schon sehr überzeugend aus, was Spanien macht. Die Italiener nach zehn Minuten dann auch im Spiel. Ich sag’s ja wirklich ungern, aber nach den Anlaufschwierigkeiten machte das Italien richtig gut gegen amtierenden Europameister. Die Abwehr der Spanier scheint dieses Jahr auch nicht unüberwindbar zu sein. Sehr unterhaltsames 0:0 in der ersten Halbzeit. Und gelernt: Weil Cassano ein Verrückter ist, gibt’s kein Gelb.

Ich lege mich fest: Das bisher beste Spiel der EM! Italien geht in Führung, Spanien gleicht zeitnah aus. Italien saustark, damit hatte ich echt nicht in diesem Maße gerechnet. Ist aber machbar fürs schwarz-rot-goldene Ballett. An ’nem guten Tag. Irgendwann muss diese Albtraumserie ja mal reißen. Und Spanien? Ja, demnächst zahlen wir Ihnen auch noch ihre Blutdopingforschungszentren. 😉

Dialog des Abends:

„Italien ist 1:0 in Führung gegangen.“ „Ich weiß, ich habs von oben gehört.“

Aus der Abteilung Mindermeinung: Mit Bela Rethy auch mal ein starker Moderator des Spiels. Aber nicht durchgängig, ich zitiere: „Hohe Bälle sind bei dieser spanischen Zwergenveranstaltung nicht das probate Mittel.

Irland – Kroatien 1:3 (1:2)

Im Vorfeld der Berichterstattung die Präsentation eines „Riesenliedes“ für Trap: „Er war Italiener und jetzt ist er Ire.“ Der Pub: Die Weisheit der vielen. Auf der anderen Seite Rock’n’Roll-Jurist Slaven Bilic, der Abwehrsympathieträger von 1996.

Die Kroaten mit einem Blitzstart! 1:0 in der dritten Minute. Die Iren in der 18. Minute mit dem 1:1, dem ersten Tor nach einem Standard. Mit Mittelfeldgeplänkel hielt sich keines der beiden Teams auf. Der Trappatonismus sorgte für ein sehr aufgeräumtes und abwehrstarkes Team von der Insel. Dennoch gelang den Kroaten das 2:1 kurz vor dem Halbzeittee. Die „Herren des Weltbildes“ blendeten Bengalos und Böller aus, aber den Wind kann die UEFA nicht kontrollieren, die Rauschschwaden ließen erahnen, dass in der kroatischen Kurve gezündelt wurde.

Die Iren direkt nach dem Wiederanpfiff mit großem Pech! 3:1. Eigentor Given. Und dann wurde ihnen ein kristallklarer Elfmeter verweigert. Einigen Herren bei der UEFA ist der Trappatonismus wohl zu erfolgreich. Die Schachbretter haben dann den Stiefel routiniert gegen limitierte Iren runtergespielt. Ganz munterer Kick, die Kroaten sind und bleiben ein unangenehm zu spielender Gegner. Wie unangenehm diese Wundertüte ist, wird man nach den Spielen gegen Spanien und Italien sehen.

Die hohe Messlatte für die weiteren EM-Spiele bleibt die Begegnung Spanien-Italien.

P.S.: Entgegen anderslautender Gerüchte ist „Gintonic“ kein kroatisches Getränk. Und so wie es aussieht, müssen die Iren bald zurück an die Arbeit. Mutti wird’s freuen.

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Titelverteidiger Spanien stolpert über starke Italiener.

Kroatien feiert klaren Sieg im Außenseiterduell.

FJ Wagner:Fußball ist wie Pizza. Wie Orangensaft.Anmerkung: 1. Er ist irre. Oder: 2. Er sympathisiert mit den Italienern und Niederländern. Manchmal lässt er selbst mich sprachlos zurück.

Diese Bilder werden der UEFA nicht gefallen!

Zitate des gestrigen Spieltags:

11 Freunde:Schon hat die KMH alle erdenklichen Aussprachen des Namens Puyol durch: Pujoll, Puhdschol, Pucholl, Pumuckl.

„Selbstverständlich muss ich mich auch in Sachen Essensgewohnheiten den gesellschaftlichen Realitäten anpassen. Deshalb kann mein Frühstück dieser Tage nur so aussehen.“ (Thorsten Cöhring)

Offensichtlich ist Anja Sauerwald mit Ihrer freitäglichen Einschätzung der EM-Blume nicht alleine:

EURO2012-Tagebuch (12)

[Vorrunde]

10.06.2012:

Spanien – Italien (18:00 Uhr – Danzig – ZDF)

Irland – Kroatien (20:45 Uhr – Posen – ZDF)

Gleich die erste Begegnung des Tages in der Katholikengruppe C  lässt meine beiden derzeitigen Lieblingsmannschaften gegeneinander antreten. Von meiner unversöhnlichen Warte aus, auch eingedenk der Ereignisse von 2006, 2008 & 2010 die Begegnung „Pest versus Cholera„.

Im zweiten Spiel treten treffen Kroatien und Irland aufeinander. Das einzige, was ich aus der hohlen Hand dazu schreiben kann ist, dass die irischen Schlachtenbummler die Vorrundenverweigerin glauben machen, sie seien bei der Arbeit und Gott Giovanni Trapattoni seine lads schon richtig gegen die Treter aus Kroatien einstellen wird. Das wäre es an Vorberichterstattung.

Der gestrige Spieltag:

Niederlande – Dänemark 0:1 (0:1)

Zu diesem Spiel kann ich wenig sagen, da ich es fast nur – und dann auch punktuell – auf kicker.de und twitter verfolgte. Wobei: Die letzten drei Minuten habe ich in der Kulisse gesehen und konnte es kaum glauben, was ich sah und auch die vorherigen Gerüchte auf der Hochzeit, die besagten, Dänemark führe 1:0… Was für ein Paukenschlag! Otto Rehhagel als Morten Olsen verkleidet. Die absolute Essenz der Begegnung findet sich bei blogsatz.de. Oder hier: „Legoland schlägt Egoland„.

Deutschland – Portugal 1:0 (0:0)

Zum gestrigen EM-Auftakt unserer Mannschaft in Lemberg nur soviel: Ich forderte verhement ab der zweiten Halbzeit Klose und war dann sehr froh, dass Clark Kent das einzig gewonnene Kopfballduell zum 1:0 verwandelte. Ansonsten fallen mir zum Spiel nur die Attribute „Anspannung und Angst“ ein.

Ein wenig Sorge bereitete mir schon am Morgen des Spieltags, so omenmäßig, dass ich die Inhaberin dieses Blogs nicht von ihrem teuflischen Unterfangen, in der Bäckerei Hesterbrink ein „Portugieser“ (!) zu erwerben, abbringen konnte. Und auch die mögliche Aufstellung von Boateng und Gomez löste – vor dem Spiel – keine Jubelstürme bei mir aus:

Im Nachhinein, wenn wir dann alle klüger sind, kann man nur sagen: Alles richtig gemacht, Prof. Dr. Löw! Chapeau. Thünnwardt Tünnenson formulierte alle unsere Ängste vor der Begegnung mit Portugal gestern Abend so richtig:

„Mir gefällt das alles nicht. Die Nationalmannschaftskritiker dieser Welt sitzen doch schon in den Startlöchern. Hansi sagt „Stahlhelm“, Olli sagt „Kamingespräch“, Mutti darf nicht fahren und Schweini macht Chipsreklame. Wenn das morgen abend schiefgeht, kommen sie alle aus den Löchern. Wer mir Hoffnung macht: Miro. Absolut tiefenentspanntes Interview in der Zeit. Der weiß, wie es geht. Das muss klappen morgen abend. Ich wünsche kein Todesspiel am Mittwoch.

Das kuriose Momentum an der mittwöchlichen Begegnung gegen die Niederländer: Für sie geht es schon um alles. Und sie können sich so einen Abwehr-/Mittelfeld-Minengürtel wie die Portugiesen nicht erlauben. Abgesehen davon, dass deren Abwehr noch schlechter ist als unsere.

Das Spiel gegen Portugal war nicht gut, aber das musst du auch erst mal gewinnen. Clark Kent Gomez hat direkt zu Beginn dem Treter Pepe den Schneid abgekauft und ausgerechnet Boateng und auch Hummels waren ein Faustpfand in der Abwehr. Wir hatten zweimal Glück, dass der Ball nur die Latte traf, aber egal, 40.000 Euro ins Phrasenschweinderl, Mund abputzen und weiter! Ich bin recht glücklich, dass Hummels so gut ins Turnier fand.

Eine kleine Anmerkung am Rande zu „Cristiano ‚Du hast die Haare schön‘ Ronaldo„: Die selbstverliebte Poserfigur heißt Cristiano Ronaldo und nicht C-3PO oder so… Wer ihn das nächste Mal in meinem Umfeld „CR7“ nennt, zu dem breche ich alle Sozialkontakte ab. Denn:

Und noch ein Wort zu den albernen Durchsagen des Stadionsprechers „That’s not sportsmanlike„: Unser imposanter Auswärtsmob, ich ging von 8.000 aus, andere Quellen sprechen von 10.000 deutschen Supportern vor Ort, haben die Papiere und Kartons ihrer Choreo zusammengeknüddelt und aufs Spielfeld geworfen. Es flogen keine Bengalos, Steine oder Bierbecher: Es flog Papier und die UEFA greift ein. Das ist so erbärmlich & fußballgentrifiziert. Wenn ich da an die Bilder aus den Achtigern denke oder auch die WM 1978 in Argentinien, an die vielen Papierschnipsel und Toilettenpapierbahnen, ja dann müssten diese Mimmies diese Spiele ja sofort abbrechen…

Das Zitat des Tages stammt diesmal von Thorsten Cöhring:

Chuck Norris sagt: „Gomez ist der Einzige, vor dem Pepe und ich Angst haben!“

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Stimmen zum DFB-Sieg: „Ich bin sehr zufrieden“.

Internationale Pressestimmen zum Spiel.

Das roch nach Schweiß, Deutschland siegt schmutzig.

Peng, Peng, Boateng – Ronaldo an die Kette gelegt!

Erlöser Gomez.

Die neue Abwehr steht.

Tipps: Public Viewing in Kalk zur EM 2012

Gefällige Gaffel-Werbung in Kalk