Kalker Tagebuch (22)

17.12.2012:

Machen einen Spaziergang durch das Veedel. Erblicke im Schaufenster der Sünnerbrauerei einen Tannenbaum aus Sünnerbierkästen. Traumschön & auch ergreifend: „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie schön sind Deine Kästen!“

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Kalker Tagebuch (21)

27.11.2012:

Mit Geheimwissen geprahlt, das mir meine Lieblingskassiererin im lokalen Supermarkt um die Ecke steckte. Heute um 20.15 Uhr ist „Betriebsversammlung“. Der Inhaber oder Geschäftsführer, der Countryfan mit dem Schnorres und der guten Laune geht in Rente – und man weiß dort noch noch nicht, wie es weitergeht. Der „Juniorchef“ will weiter LKW-Fahren, da man dabei mehr (!) verdient… mehr erfahre ich von meinem Kontakt am Donnerstag…. aber es sieht momentan übel aus für unseren kleinen Laden um die Ecke, der Mindesthaltbarkeitsdaten für völlig überschätzt hält….

29.11.2012:

Unter einem Vorwand erneut dort gewesen („Ich habe noch Alufolie vergessen“) und bei meiner Informantin das Ergebnis der Versammlung abgesaugt. Man wird im Sommer schließen.

Verdammt! Aber das ist Kalk – man kennt süsch, man hülft süsch.

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Kalker Tagebuch (20)

16.09.2012:

War bei Utopia Kalk. Die Prämisse lautete:

“Sich der mächtigen Stadt entziehen – wer den Berg besteigt, verlässt die Masse.”

Da macht man doch gerne mit. Als Reinold Messner für Arme. Aufgewärmt haben wir uns in so einer Baustelle. Und wer konnte sich die Gelegenheit, Präsident von Utopia Kalk zu werden, natürlich nicht entgehen lassen?

Richtig, liebes Tagebuch.

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Kalker Tagebuch (19)

16.06.2012:

Das Ende nach 83 Jahren! Der Kalker Kaufhof hat für immer geschlossen. Ich wohne erst seit einigen Jahren in Kalk und finde es dennoch sehr, sehr traurig. Gar nicht auszudenken, wie es den eingeborenen Kalkerinnen & Kalkern geht, die mit ihm groß wurden. Vermutlich löst dies bei ihnen die gleichen Emotionen aus, wie mein Trauma, als der Puppenkönig auf der Hindenburgstraße in Mönchengladbach für immer schloss:

Ein Lebensabschnitt ist unwiederbringbar verloren.

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Kalker Tagebuch (18)

27.03.2012:

Heute um 7.23 Uhr verpasste ich meine U-Bahn. Denn es wurden die Worte des Teufels am frühen Morgen gesprochen. Ich wollte schnell etwas am Büdchen kaufen, Filterzigaretten, nachhaltige Kaugummis – und dann sprach das Kind vor mir den abgrundtief diabolischen Satz:

Eine gemischte Tüte für 2 Euro.

Der Rest war: Demut & Entschleunigung. Und: Auf sich selbst und seine Geduld zurückgeworfen sein. Es war sehr schlimm! ☑

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Kalker Tagebuch (16)

16.07.2011:

Ich bin immer noch  baff! Ich werde wohl einen Schelmenroman schreiben: „Mirko und die Exorzistin“. Eben wollte ich das Leergut im Supermarkt um die Ecke wegbringen und sah, dass es Mirko schlecht geht. Ich bin  Rheinländer, also dumm genug zu fragen, ob alles gut sei.

„Alles in Ordnung mit Dir?“

Er antwortet: „Nein, mir geht es nicht gut. So Liebesdinge. Ich bin ja homosexuell, und mein Partner, den ich heiraten wollte, hat mich verlassen. Er kommt aus so einer sehr gläubigen Familie. Und sie waren immer gegen diese Partnerschaft. Er war völlig zerrissen zwischen seinem Glauben und unserer Liebe. Und jetzt hat er mich verlassen. Die Familie hat extra eine Exorzistin aus Costa Rica (!) einfliegen lassen.“

Ich murmelte Durchhalteparolen. Dramen an der Leergutrückgabe. Ich habe darauf hin vergessen, den Pfandbon einzulösen. Bin sehr aufgewühlt.

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Hallen-Fußball: Was tun mit Jugendlichen, Frauen und Schwerbeschädigten?

Eine interessante Unterteilung: Diese beiden Eintrittskarten dokumentieren zwei verschiedene Spielklassen der gleichen Endrunde eines Hallen-Fußball-Turniers in Duisburg: eine Version für Erwachsene (!) und eine für Jugendliche, Frauen und Schwerbeschädigte… Um die Diskriminierung perfekt zu machen, kostet der Eintritt für das Turnier der Übriggebliebenen auch noch zwei Euro weniger.

Entdeckt von: Meinolf Schubert

Kalker Tagebuch (15)

28.03.2011:

Wir waren heute mit dem Kalker Kaffee bei center.tv. Ich wurde u.a. zu Borussia Mönchengladbach befragt und habe Angst, dass nun alle 200 Zuschauer mein teuflisches Geheimnis kennen. Die Moderatorin war semi-gut vorbereitet und meinte „Euer Motto lautet ja: ‚Für jedes Problem gibt es eine Lösung‘“. Wir waren so irritiert, dass wir vergaßen, Frau Knobloch eine Kalker-Kaffee-Tasse zu schenken.

Liebes Tagebuch – ich glaube, wir sind einfach zu intellektuell für das Privatfernsehen.

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Kalker Tagebuch (14)

21.03.2011:

Bei einem Sonntagsspaziergang durch das Veedel erblickte ich… erst einmal gar nichts. Nichts. Eine Brache. Der Abriß war mir völlig entgangen. Wo früher die Schnapsfabrik war, und der großartige Kaugummiautomatenmann, da war: Nichts! Nur dieses Schild:

“Kalk kommt!!!”

Das ist ja völlig unstrittig. Aber so schnell? Und  so gewaltig. Liebes Tagebuch, ich schlage jetzt mal im Brockhaus (Print) schnell das Stichwort “Gentrifizierung” nach!

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Kalker Tagebuch (13)

28.08.2010:

Heute fand die Feier „20 Jahre Bürgerhaus Kalk“ statt. Liebes Tagebuch, es war sehr schön und das Kölsch frischgezapft. Auf der Bühne stand eine Kinderband, die „Pillemann“ oder „Pusemuckel“ oder so hieß. Die rothaarige Moderatorin der Veranstaltung hat mich wegen des Verhörers arg getadelt. Ich muss wohl mal zum Ohrenarzt.

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