Utopia Kalk

„Sich der mächtigen Stadt entziehen – wer den Berg besteigt, verlässt die Masse.“

Nachdem die Chefin von dieser Veranstaltung erfuhr, nahmen Chefin und Praktikant am 16.09.2012 an der Führung, an der Reise durch das Reich „Utopia Kalk“ teil. Die Einreiseformalitäten verliefen ohne Problem und die sehr freundliche „Zöllnerin“ verpasste uns den leuchtend roten „Utopia Kalk“-Stempel.


Wir hielten das akademische Viertel  ein und mit einer kleinen Verspätung  ging es dann los. Wir starteten zu acht, zwei Teilnehmer entpuppten sich nach kurzer Zeit als Teil des Ensembles.

Und um was ging es überhaupt? Laut Schauspiel Köln um die „Rheinischen Rebellen„:

Diesmal suchen wir die Zukunft und zwar in Kalk. Was versteckt sich in den engen Wohnstraßen, den Imbissen, Industriedenkmälern, auf Brachen und in den Werkshallen? Nach Kalk kommen manche gar nicht, manche gehen niemals raus und manche wollen nie wieder weg. Das Viertel innerhalb des rechtsrheinischen Eisenbahngürtels bildet eine Stadt für sich. Mittendrin liegt ein kleiner Berg, der Kalkberg. Eine Deponie aus den Abfällen einer Chemischen Fabrik, die lange das verbotene Herz des Viertels darstellte und den einige für den spektakulärsten Aussichtspunkt Kölns halten.

Hier errichten wir unseren Staat Utopia Kalk. Ein Labor auf der Suche nach der Gemeinschaft von morgen. Wir haben nur ein paar Tage den neuen Staat zu bewohnen, um gemeinsam zu suchen, zu feiern, zu schreiben, zu grillen, Theater zu spielen und uns zu beraten – über Freiräume, Utopien, Sehnsüchte und das Scheitern. Aber die Zeit wird reichen und wenn wir untergegangen sind, werden wir fehlen. Von Mai bis Mitte Juni spazieren wir durch Kalk, erkunden das Gelände abseits des geplanten, geordneten und vorgegebenen Lebens. Hinterhöfe, Baustellen, Industriebrachen, Privatgelände sowie Baumärkte, Motorradläden und der Musikstore sind die Orte, die wir brauchen, um unseren Plan zu verwirklichen.

Wir wurden tiefeninformiert über die Brache im Süden von „Utopia Kalk“ und erhielten neben Anweisungen mit dem Megaphon einen historischen Abriss zur Aufschüttung des Kalkbergs mit gepresstem Müll.

Insbesondere das Flanieren über die Kalker Hauptstraße war bemerkenswert, die Darsteller verstanden es immer wieder, uns zu überraschen und zu verblüffen. Von der Choreographie her ein fantastisches Stück. Wir bewegen uns. Hinter uns wird abgebaut, vor uns – unbemerkt – wieder auf. Die Szenen waren für die „normalen“ Passanten eher irritierend und zum Teil belustigend. Dieser szenische Spaziergang durch das Veedel, durch das „Totaltheater Kalk“ war wirklich inspirierend. Das Stück in Bewegung war so fesselnd, dass ich mich kaum auf meinen Liveticker konzentrieren konnte… Auch die Fragen, die bei der szenischen Kurzlesung am AZ in Kalk aufgeworfen wurden, waren für mich spannend:

Ist „Plena“ die Mehrzahl von „Plenum„?

Nach einem kurzen Picknick an der Kalk Post und der spannenden Frage der Schauspieler an die Teilnehmer („Was ist Ihr Lieblingsplatz in Kalk?“ „Der Klostergarten… ähem, die Sünner-Brauerei… tja…„) erfuhren wir in der U-Bahn Dinge aus dem Leben von „Willi, dem Polizisten“.

Es folgte ein Halt im Museum von Utopia Kalk (auch bekannt als Baustelle Kalk), danach ging es durch die Hinterhöfe und über Spielplätze, bei denen einige selbst geschriebene Miniaturen aufgeführt wurden – Chapeau! Es ging darum, wie ein Schauspieler es formulierte:

„Die Aktivität im Raum festhalten. Wie die Azteken.“

Leider konnte der Rundgang durch Utopia Kalk nicht, wie geplant, auf dem Kalkberg enden („Sich der mächtigen Stadt entziehen – wer den Berg besteigt, verlässt die Masse.„), dies wurde dem Schauspiel Kalk Köln anwaltlich untersagt, aber am Ende sangen die bemerkenswert guten Schauspieler noch die Hymne von Utopia Kalk und es gab die Möglichkeit, sich zum Präsidenten ernennen zu lassen. Ein Drittel unserer Gruppe machte davon Gebrauch – und nach der Vereidigung und dem Inaugurationsfoto war das Stück zu Ende.

Ein paar Bilder von der Veranstaltung (mehr finden sich hier):

#Einreiseformalitaeten erledigt! #UtopiaKalk on Twitpic"Sie befinden sich in #UtopiaKalk" on Twitpic#Lesung vor dem #AZ in #UtopiaKalk on Twitpic
Kunst ist #Anstrengung! #UtopiaKalk on TwitpicDie Kalker Hauptstrasse herunter flanieren... #UtopiaKalk on TwitpicPropagandamaterial vom @Kalker_Kaffee bei #UtopiaKalk on Twitpic
#Formationstanz am #Bauhaus. #UtopiaKalk on TwitpicDer #Kalkberg #UtopiaKalk on TwitpicDie #Nationalhymne von #UtopiaKalk zum Abschluss! on Twitpic

Videos der Rheinischen Rebellen [hier].

1. Ich glaube, nach der Führung werden einige gut gepflegte Vorurteile gegenüber dem Veedel nicht mehr vorhanden sein.

2. Wer konnte sich die Gelegenheit, Präsident von Utopia Kalk zu werden, natürlich nicht entgehen lassen?

Der Praktikant.

6 Comments

  1. schomb@ sagt:

    Wie ich nach einer kurzen Tiefenrecherche in diesem „Internet“ herausfand, ist meine Con-Präsidentin des 16.09.2012 eine Dame namens „Cynthia Cosima“. Und sie kann eine gewisse Lindenstraßendarstellerin-Vergangenheit nicht leugnen…

    Und wer hat’s bemerkt: Die Chefin!

    schomb@, 18.09.2012

  2. feynschliff sagt:

    Die aber eigentlich natürlich GAR KEINE Lindenstraße guckt… 😉

  3. schomb@ sagt:

    … und den wichtigen Nachtrag vergessen hat: Was wünschte sich der Präsident bei der feyerlichen Inthronisierung…

  4. schomb@ sagt:

    Eine sehr gute Rezension findet sich hier: http://www.choices.de/sonderzug-nach-kalk

  5. […] sind mittendrin, der Praktikant gleichermaßen als Paparazzo der Modifikation des Veedels. Es tut sich viel in letzter Zeit in […]

  6. […] bei Utopia Kalk. Die Prämisse […]

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