Kalker Tagebuch (5)

24.01.2008:

„Allahu akbah!“-Rufe auf der Kalker Hauptstraße um 19.00 Uhr. Vor Schreck fällt mir die Fünfminutenterrine aus der Hand und vom Bürgerkopf der spitze Hut. Es ist eine der Trauerdemonstrationen nach den tödlichen Messerstichen auf Salih L. Lese verstört in einem Buch von Joachim Lottmann. Er fragte schon 1987…

Lege das Buch kopfschüttelnd weg.

Wenn Ihr wissen wollt, wie’s weitergeht, lest in den kommenden Wochen [hier] weiter…

Kalker Tagebuch (4)

17.12.2007:

Ich ging in den Keller, nach einem recht anstrengenden Arbeitstag und Weltkriegsteilnehmer Willi Hartkopf roch streng nach Stuhl. Er wollte sich aber dennoch mit mir unterhalten, danach suchte ich im Keller den Christbaumständer. Bisher war das Jahr eher ereignisarm.

31.12.2007:

Die Pächter des „Blauen König“, der Singularität in Kalk, haben nach 10 Jahren genug und geben ihn in neue Hände.

Wenn Ihr wissen wollt, wie’s weitergeht, lest in den kommenden Wochen [hier] weiter…

Kalker Tagebuch (3)

03.05.2007:

Ein Arbeitskollege reagiert verschreckt, als ich mitteile, dass ich in Kalk  wohne. “Jaja, da gibt es auch immer ein ‚Kalker Gedeck!‘“ Ich habe keine Ahnung was er meint. Er klärt mich  auf. Für jemanden der aus Mülheim kommt, bedient er aber viele Vorurteile.

04.05.2007:

Liebes Tagebuch, heute wendete ich mein neues Lernwissen an. Rein in die „Kulisse“, an den Tresen, und ich sagte:

„Ich hätte gerne ein Kalker Gedeck!“

„Wattissen‘ ’n Kalker Gedeck, Jong?“

„Na’n Kölsch und einen in die Fresse!“

Dann haben wir sehr gelacht. Ich über meinen Witz. Er über mich.

Wenn Ihr wissen wollt, wie’s weitergeht, lest in den kommenden Wochen [hier] weiter…

Kalker Tagebuch (2)

20.11.2006:

Ich kaufe Zigaretten am Büdchen. Vor mir geht eine Dame ungeklärter südosteuropäischer Herkunft und hockt sich hinter meinen, vor der Haustür geparkten, roten Twingo. Ich gucke interessiert, was sie hinter dem Automobil so tut. Sie hockt dort mit heruntergelassener Hose und macht Groß. Ich bin irritiert und gucke schockiert. Sie beschimpft mich sofort als „Schwein, das sich verpissen solle.“ „Rustikales Veedel“, denke ich mir.

Wenn Ihr wissen wollt, wie’s weitergeht, lest in den kommenden Wochen [hier] weiter…

Kalker Tagebuch (1)

21.02.2006:

Liebes Tagebuch, ich habe mich heute in der Meldehalle Kalk im Bezirksrathaus Kalk als Kölner angemeldet. Nummer gezogen, gewartet, an der Reihe gewesen, Bundespersonalausweis gezückt, Aufkleber und Stempel darauf, offiziell Köln-Kalker geworden. Auch unter fußballerischen Aspekten ein heikler Schritt. Also Köln, nicht Kalk.

09.07.2006:

Laufe mit einem Frankreich-Trikot durch Kalk und halte mich für einen lebenden Akt des Widerstandes. Am späten Abend habe ich starke Einschlafprobleme, da auf den Straßen sehr viele Hup-Wanderfahrten stattfinden.

Wenn Ihr wissen wollt, wie’s weitergeht, kommt morgen ins Bürgerhaus Kalk zum 20. Kalker Kaffee! Oder lest in den kommenden Wochen [hier] weiter…

 

Der Sünner-Weihnachtsbaum in Kalk!

O Tannenbaum, O Tannenbaum, wie grün weiß sind Deine Kästen!

„O Tannenbaum, O Tannenbaum, Du kannst mir sehr gefallen! Wie oft hat schon zur Winterszeit, ein Baum von dir mich hoch erfreut!“

Wer war über diese Entdeckung am 3. Advent entzückt und gleichermaßen von Besinnlichkeit und adventlichem Geist im Veedel beseelt?

Der Praktikant

 

 

 

Fenster im GENAU e.V.

Was machen ein Franzose, ein Grieche, ein Berliner und eine New Yorkerin in Kalk?

Genau: Musik.

Und zwar mit anderthalbstündiger Verspätung, da sie von Hamburg kommend auf der Autobahn in einer Vollsperrung standen. Die vierköpfige Kombo „Fenster“.

Dank des Instinktes von Kunstrasen-Moderator Hartmut „Ernesto“ Ernst, der uns auf dieses Konzert im Veedels-Club GENAU e.V.  hinwies, machten wir alten Menschen uns auf den Weg und beschwerlichen Fußmarsch zum Auftritt. Das GENAU in der Vietorstraße 59a gibt es seit etwa einem Jahr, aber irgendwie ist uns diese Perle in Kalk bisher entgangen. Ein großer Fehler. Dieser Club muss unterstützt werden!  Vor allem wenn man die großartige Dekoration der Herrentoilette betrachtet…

Wir drückten den Altersdurchschnitt im GENAU natürlich sehr nach oben, aber besser in einen CLUB gehen als kriminell zu werden. Wie ich beobachtete, trinken die jungen Menschen „interessante“ Sachen wie zum Beispiel Club Mate“  mit Wodka. Brrrr, da war ich froh, dass ich dort auch Sünner bekam, was aus Lokalpatrotismus diesem Zeug vorzuziehen ist.

Zu der Musik kann ich nichts bis wenig schreiben, da diese Musik einfach nicht meine Tasse Tee war. Die jungen Leute haben sich das alles sehr schön ausgedacht und sehr oft untereinander die Instrumente getauscht. Veedelsgentrifizierung – und wir sind mittendrin, der Praktikant gleichermaßen als Paparazzo der Modifikation des Veedels. Es tut sich viel in letzter Zeit in Kalk.

„Endlich Zeit fürs Wesentliche. Die Sommerdiktatur der gedankenlosen guten Laune ist zum Glück vorbei. Jetzt wird alles besser.“ (Nils Minkmar, FAZ vom Samstag, den 22.09.2012)

Ein paar Bilder von gestern:

... das haben sich die jungen Leute selbst ausgedacht... #Fen... on TwitpicMit anderthalb Stunden Verspaetung beginnt #Fenster aus Berli... on TwitpicGrossartige Dekoration der #Herrentoilette im #Genau ;-) on Twitpic

Das aktuelle Video von Fenster [hier]

Ein runder & gelungener Abend. Ich kann nur allen Kalkerinnen & Kalkern, und auch den Clubgängern jenseits des großes Flusses, einen Besuch im GENAU mit Nachdruck empfehlen.

Begeistert:

Der Praktikant

Utopia Kalk

„Sich der mächtigen Stadt entziehen – wer den Berg besteigt, verlässt die Masse.“

Nachdem die Chefin von dieser Veranstaltung erfuhr, nahmen Chefin und Praktikant am 16.09.2012 an der Führung, an der Reise durch das Reich „Utopia Kalk“ teil. Die Einreiseformalitäten verliefen ohne Problem und die sehr freundliche „Zöllnerin“ verpasste uns den leuchtend roten „Utopia Kalk“-Stempel.


Wir hielten das akademische Viertel  ein und mit einer kleinen Verspätung  ging es dann los. Wir starteten zu acht, zwei Teilnehmer entpuppten sich nach kurzer Zeit als Teil des Ensembles.

Und um was ging es überhaupt? Laut Schauspiel Köln um die „Rheinischen Rebellen„:

Diesmal suchen wir die Zukunft und zwar in Kalk. Was versteckt sich in den engen Wohnstraßen, den Imbissen, Industriedenkmälern, auf Brachen und in den Werkshallen? Nach Kalk kommen manche gar nicht, manche gehen niemals raus und manche wollen nie wieder weg. Das Viertel innerhalb des rechtsrheinischen Eisenbahngürtels bildet eine Stadt für sich. Mittendrin liegt ein kleiner Berg, der Kalkberg. Eine Deponie aus den Abfällen einer Chemischen Fabrik, die lange das verbotene Herz des Viertels darstellte und den einige für den spektakulärsten Aussichtspunkt Kölns halten.

Hier errichten wir unseren Staat Utopia Kalk. Ein Labor auf der Suche nach der Gemeinschaft von morgen. Wir haben nur ein paar Tage den neuen Staat zu bewohnen, um gemeinsam zu suchen, zu feiern, zu schreiben, zu grillen, Theater zu spielen und uns zu beraten – über Freiräume, Utopien, Sehnsüchte und das Scheitern. Aber die Zeit wird reichen und wenn wir untergegangen sind, werden wir fehlen. Von Mai bis Mitte Juni spazieren wir durch Kalk, erkunden das Gelände abseits des geplanten, geordneten und vorgegebenen Lebens. Hinterhöfe, Baustellen, Industriebrachen, Privatgelände sowie Baumärkte, Motorradläden und der Musikstore sind die Orte, die wir brauchen, um unseren Plan zu verwirklichen.

Wir wurden tiefeninformiert über die Brache im Süden von „Utopia Kalk“ und erhielten neben Anweisungen mit dem Megaphon einen historischen Abriss zur Aufschüttung des Kalkbergs mit gepresstem Müll.

Insbesondere das Flanieren über die Kalker Hauptstraße war bemerkenswert, die Darsteller verstanden es immer wieder, uns zu überraschen und zu verblüffen. Von der Choreographie her ein fantastisches Stück. Wir bewegen uns. Hinter uns wird abgebaut, vor uns – unbemerkt – wieder auf. Die Szenen waren für die „normalen“ Passanten eher irritierend und zum Teil belustigend. Dieser szenische Spaziergang durch das Veedel, durch das „Totaltheater Kalk“ war wirklich inspirierend. Das Stück in Bewegung war so fesselnd, dass ich mich kaum auf meinen Liveticker konzentrieren konnte… Auch die Fragen, die bei der szenischen Kurzlesung am AZ in Kalk aufgeworfen wurden, waren für mich spannend:

Ist „Plena“ die Mehrzahl von „Plenum„?

Nach einem kurzen Picknick an der Kalk Post und der spannenden Frage der Schauspieler an die Teilnehmer („Was ist Ihr Lieblingsplatz in Kalk?“ „Der Klostergarten… ähem, die Sünner-Brauerei… tja…„) erfuhren wir in der U-Bahn Dinge aus dem Leben von „Willi, dem Polizisten“.

Es folgte ein Halt im Museum von Utopia Kalk (auch bekannt als Baustelle Kalk), danach ging es durch die Hinterhöfe und über Spielplätze, bei denen einige selbst geschriebene Miniaturen aufgeführt wurden – Chapeau! Es ging darum, wie ein Schauspieler es formulierte:

„Die Aktivität im Raum festhalten. Wie die Azteken.“

Leider konnte der Rundgang durch Utopia Kalk nicht, wie geplant, auf dem Kalkberg enden („Sich der mächtigen Stadt entziehen – wer den Berg besteigt, verlässt die Masse.„), dies wurde dem Schauspiel Kalk Köln anwaltlich untersagt, aber am Ende sangen die bemerkenswert guten Schauspieler noch die Hymne von Utopia Kalk und es gab die Möglichkeit, sich zum Präsidenten ernennen zu lassen. Ein Drittel unserer Gruppe machte davon Gebrauch – und nach der Vereidigung und dem Inaugurationsfoto war das Stück zu Ende.

Ein paar Bilder von der Veranstaltung (mehr finden sich hier):

#Einreiseformalitaeten erledigt! #UtopiaKalk on Twitpic"Sie befinden sich in #UtopiaKalk" on Twitpic#Lesung vor dem #AZ in #UtopiaKalk on Twitpic
Kunst ist #Anstrengung! #UtopiaKalk on TwitpicDie Kalker Hauptstrasse herunter flanieren... #UtopiaKalk on TwitpicPropagandamaterial vom @Kalker_Kaffee bei #UtopiaKalk on Twitpic
#Formationstanz am #Bauhaus. #UtopiaKalk on TwitpicDer #Kalkberg #UtopiaKalk on TwitpicDie #Nationalhymne von #UtopiaKalk zum Abschluss! on Twitpic

Videos der Rheinischen Rebellen [hier].

1. Ich glaube, nach der Führung werden einige gut gepflegte Vorurteile gegenüber dem Veedel nicht mehr vorhanden sein.

2. Wer konnte sich die Gelegenheit, Präsident von Utopia Kalk zu werden, natürlich nicht entgehen lassen?

Der Praktikant.

Landleben Kalk – die Feuerkäfer

Dieses Kalk wird von Tag zu Tag ländlicher. Nach Vögeln und Schnecken vermehren sich jetzt leuchtend rote Käfer. Und diese Käfer taten mit unserer Lilie das, was Balotelli mit der Deutschen Hintermannschaft im Halbfinale der Europameisterschaft 2012 tat. Die Fressfolgen gaben der Lilie etwas vom Häuserkampf – alles voller Löcher.

Also bemühte der Praktikant mal die berühmte „Followerpower“ bei twitter und wurde schnell informiert, worum es sich bei diesen Käfern handelt. Der Praktikant frug fragte:


… und zur Unterstützung sachdienlicher Hinweise spendierte er noch dieses Bild:

Während ein Tweet zwar amüsant, jedoch nicht sachdienlich war

das sind hermetische feuergrapfen. sehr gefährlich. sie fressen sich durch Blattwerk in den Boden, von da in Menschen-Zehen

… kam der entscheidende Tipp am gleichen Abend:

(…) sieht nach Feuerkäfern aus, oder? […] Nicht als Menschenfresser bekannt.

Und wieder einmal hatten die Stadtkinder dazugelernt. Darüber ist höchst erfreut:

Der Praktikant

Oh Gott, ich seh‘ schon doppelt!

In Kalk gibt es einige Menschen, denen es auch schon morgens schmeckt. Aber dass man total nüchtern, um 06.53 Uhr, an der Kalk-Kapelle, auf dem Weg zur Arbeit den Eindruck hat, doppelt zu sion sehen, irritiert sehr:

Den Praktikanten