Zwiebelturm in Köln!

Gestern gelang dem Praktikanten ein Schnappschuss, der die Existenz eines Zwiebelturms in Köln dokumentiert!

Zwar heißt es bei wikipedia,

Zwiebeltürme sind in Deutschland hauptsächlich in den südlichen Bundesländern, in Österreich und im italienischen Südtirol verbreitet, in denen der Katholizismus vorherrschte. Sie sind typische Merkmale barocker Kirchen. Weltweit bekannt sind Zwiebeltürme bei orthodoxen Kirchengebäuden in Ländern der ehemaligen UdSSR und Bulgarien.

… aber mir gelang es, fotographisch den Gegenbeweis anzutreten:

zwiebelturm_in_koeln

Wer wünscht einen schönen ersten Advent?

Der Praktikant.

Support your local Veedel (II): Adventsmarkt in Kalk!

Wie der Praktikant eben dem “Kalk Blog” entnahm, beginnt heute wieder der – im letzten Jahr nach langer, hüstel, “Durststrecke” wieder durchgeführte – Weihnacht Adventsmarkt in Kalk! Direkt an der Kalk Post: Wenn es mal wieder länger bei eben dieser dauert, kann man sich hier zu einem revitalisierenden Glühwein oder heißen Kakao zurückziehen.

Graphik: Köln-Kalk-Blog

Graphik: Köln-Kalk-Blog

In diesem Artikel wird schlüssig und überzeugend dargelegt, warum dieser Weihnachtsmarkt – entschuldigung – warum dieser Adventsmarkt, der Besuch und die Unterstützung nicht nur aus Veedelpatriotismus ein gesellschaftliches Must ist!

Und wer wird sich dort sicherlich auch mal auf ein Getränk und zur Begutachtung der Fahrgeschäfte blicken lassen?

Der Praktikant

Grüneberg-Schule Kalk: Die gute alte Zeit?!

Bei der Kommunalwahl in Köln am 30.08.2009 fiel es uns zum ersten Male auf. Denn in der Grüneberg-Schule Kalk (Gemeinschaftgrundschule der Stadt Köln – Primarstufe)  war unser Wahllokal untergebracht. Und bei der Bundestagswahl einen Monat später konnten wir diese visuelle Zeitreise wieder begutachten. Etwas, das an die “murals” in den nördlichen Provinzen Irlands erinnert und doch viel weniger martial ist und mehr Siebziger und Harmonie. Entzückend. Diese “Gesetzestafel“…

grundschule_kalk_30082009

Sätze, zum Weinen schön:

1. Auf dem Schulhof schlage und spucke ich nicht.
2. Mit Bällen spiele ich nur auf dem Ballhof.
3. Wenn sich jemand verletzt, helfe ich.
4. Ich nehme kein Essen und Trinken mit in die Pause.
5. Zur Toilette gehe ich nur, wenn ich muss.
6. Bei einem heftigen Streit gehe ich zur Aufsicht.

Das ist einfach sehr wohltuend und entkräftet die vielen billigen Klischees, die über Kalk – ein prosperierendes Veedel – im Umlauf sind! Das hatte man so nicht erwartet. Und nur Punkt 4 zeigt, dass es sich um moderne Regeln handeln muss: Uns war das Essen und Trinken im  Klassenraum damals verboten…

Eine Recherche vom 17.11.2009 förderte zutage, dass diese Gemeinschaftsgrundschule nicht nur über großartige Wandmalereien verfügt, nein, es gibt seit 2008 sogar ein Schullied.

Wer ist über all dies höchst erfreut?

Der Praktikant

E kölsch Leed (Karneval in Kölle 2009/2010)

Kölle Alaaf!!!!

… jajaja, und “Halt Pohl” und “Helau!”, um die größten NRW-Karnevalshochburgen jenseits von Kölle am Rhing abzudecken… Es ist also wieder so weit: Die Session 2010 hat begonnen. Und da möchte der feynschliff-Blog auch auf das Lied von befreundeten Künstlern hinweisen und es empfehlend befördern. Werbung machen für…

“E kölsch Leed”

fabamaxinet

Denn…

Franzuse, Römer, Brunge
Mit Füer un mit Stahl
Üch hammer jet jesunge
Ihr wohrt uns drissejal

To make a long story short: So viele Karnevalslieder mit wirklich anspruchsvollen Texten gibt es nun ja nicht! Deshalb hier der Solitär, der Musik-Tipp für den heutigen 11.11. und den Rest der Session:

Guido Krutwig & Fatal Banal: “E kölsch Leed”. Eine Hörprobe finden Sie [hier].

Alaaf, Halt Pohl & Helau!” wünscht

Der Praktikant

Die 500. Folge von „Zimmer frei!“

„Ich hatte immer vor Rock-Musik gewarnt!“ (Dr. Götz Alsmann)

Nach anderthalb Jahren gelang es dem Praktikanten also endlich einmal, Zuschauerkarten für „Zimmer frei!“ zu erhalten. Nach 1992, als ich damals der Sendung „Schmidteinander“ beiwohnte, das zweite Mal, dass ich bei der Aufzeichnung einer Fernsehsendung dabei sein durfte… die 2000er-Sendung „Risiko“ zählt nicht, denn da war ich ja irgendwie auch Akteur.

Die Anreise zum WDR gestaltete sich erfreulich, bis kurz vor Bocklemünd konnte ich die Überraschung für Frau Feynschliff aufrecht erhalten und dann gab ich direkt alles zu… Und die Karten für „Zimmer frei!“ erfreuten auch meine Begleitung…. Sie hatte irgendwie eine Ahnung und wir großes, großes Glück, an die Karten gekommen zu sein, denn, wie es auf der Homepage so treffend heißt:

Auch mir ist klar: Mit diesem Verfahren schaffen wir keinen einzigen zusätzlichen Zuschauerplatz, und die Wahrscheinlichkeit, ZIMMER FREI vor Ort mitzuerleben, liegt nach wie vor auf Lotterie-Niveau.

Wir hatten also im Lotto gewonnen. wdr_bocklemuend_2_kleinUm 18.36 Uhr versammelten sich alle am WDR-Empfang. Ich hatte den Eindruck, dass die anderen Zuschauer mich meiner Frisur wegen intensiv musterten, aber das mag auch Einbildung gewesen sein. Ich kann ja nicht die ganze Zeit ein Schild um den Hals tragen: „Liebe Leute, diese Frisur habe ich seit 23 Jahren, ich kann nichts dafür, dass sie der  von Götz Alsmann so ähnelt“. Das „Carl muss Kommissar werden“ Din-A-4-Plakat für die Abstimmung dagegen hatte ich dabei.

Die Sanitäranlagen im Eingangsbereich des WDR stammen offensichtlich aus den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Es ist verdammt warm, mittlerweile harren etwa 100 Personen der Abholung ihrer Karten. Und auch die GEZ ist mit einem „Büro für Teilnehmerberatung“ prominent vertreten. Schade, dass damit ein Schatten auf den Ausflug fällt. Aber wenigstens kenne ich jetzt endlich das Leitbild des Senders WDR:

„Wir machen Programme für alle – unabhängig, unverwechselbar und wertvoll“.

Justameng, als ich das Leitbild im Bild festhalten möchte, spricht mich eine Dame an, „Susanne“, die geistig scheinbar etwas „gehandicapt“ ist und schon alle Menschen im Wartebereich ansprach („Warum sind Sie hier? Wo kommen Sie her? Was wollen Sie hier?“). Sie spricht also auch mich an und da sie entwaffnend ehrlich ist, kommt sie sehr schnell auf meine Frisur zu sprechen. Ich erkläre ihr bezüglich meiner Frisur, dass ich die tragen müsse, weil ich der Neffe von Götz Alsmann sei. Dies will sie nicht glauben, zeigt mir ihr Bild von „Götzimausi“ (das sie einem Marienbildchen vergleichbar im Portemonnaie trägt), zückt ein ausgeschaltetes Funktelefon und simuliert ein Telefonat mit Herrn Dr. Alsmann, in welchem sie meine Angaben überprüft.

Nachdem sie mir erklärt, Götz Alsmann habe meine Angaben bestätigt, erkläre ich mich und gebe die Dehnung der Wahrheit zu: Als guter Katholik könne ich eben mit dieser Lüge nicht leben. Madame ist irritiert und wendet sich rasch der investigativen Befragung weiterer Zuschauer zu. Frau Feynschliff ging zu Beginn davon aus, dass “Susanne” womöglich zum WDR-Personal gehöre, ich verordnete es eher in der Liga „bedingungsloser Fan“ plus, hüstel, „betreutes Wohnen“.

Feynschliff und der Praktikant stehen also vor der Schleuse ins WDR-Studioland…

alles_unterschrieben_partUm 19.04 Uhr – nachdem wir unsere Eintrittkarten direkt unterschrieben & die Bildrechte abgetreten haben,  stehen wir in der Schleuse, um das Studio-Gelände zu betreten. Erste Gerüchte machen die Runde, Hubertus Meyer-Burckhardt solle der Gast sein – das wäre sehr erquicklich. Feynschliff stellt die richtige und wichtige Frage:

„Hoffentlich ist es kein schlimmer Gast – Witta Pohl oder so“.

Dann geht’s endlich los. Wir gehen im Entenmarsch, einer blondierten Dame vom Sicherheitsdienst folgend, ins Studio BS 4. Dort angekommen geben wir unsere Jacken und Taschen ab – einige zusammen mit der Eintrittskarte, was ein erneutes Anstellen bedeutet ;-) – und wir schaffen es noch, eines der dort ausgeschenkten „Anheizerkölsch“ (Gaffel) zu erhaschen. Dann gehen wir hinein und nehmen unsere Plätze auf grauen, unbequemen Klappstühlen der Marke „sander seating“ ein.

Das Studio ist deutlich größer als erwartet, und auf einer Tafel prangt mit Kreide eine „500“. Anscheinend – ohne es zu wissen und beeinflusst zu haben – werden wir Zeuge der 500. Sendung von „Zimmer frei!“ – ein recht erfreulicher Zufall.

Die Stühle sind alles andere als bequem, aber das muss man in Kauf nehmen, wenn man einem solch historischen Moment beiwohnen darf. “Susanne” vom Eingang macht mit einem lauten und stadionesken „Christine – ohoh, Christine, ohohoho!“ auf sich aufmerksam. Sie schiebt ein kryptisches „Fangt an, das geht alles auf die Sendezeit!“ hinterher.

Die Dekoration im ersten Stock erinnert ein wenig an „Schwarzwaldmädel und Lodenjunge“, es könnte aber auch eine Schwälmer Tracht sein. Zwar haben wir immer noch keine Ahnung, WER der Gast sein wird, aber diese Deko passt nicht zu Witta Pohl und dies beruhigt uns. Wer jedoch ist so volkstümlich? Von der Konserve wird Alsmann-Musik gespielt. Kommen heute etwa wieder die Wildecker Herzbuben? Marianne & Michael? Nee, meines Wissens waren die schon Gast bei Zimmer frei. Es ist warm im Studio, doch nicht so warm wie befürchtet. Ein weiteres Indiz, das Hinweise auf den Gast geben könnte: Es steht Whisky und Wurst auf dem Tisch. Diese Vorliebe haben aber einige Menschen, die aus Funk & Fernsehen bekannt sind und so kommen wir mit unserer Spekulation nicht kriegsentscheidend weiter.

Wer ist wohl heute der Gast der Sendung?

Wir zählen kurz die Reihen – sechs Zuschauerreihen á 25 Zuschauer bedeuten 150 Menschen, die im Studio versammelt sind und sich sehr freuen, als Christine „Oh-ho“ Westermann zum Einheizen die Bühne betritt: Applaus! Sie bestätigt unsere Vermutung:

„Sie werden heute Zeuge eines historischen Ereignisses – die 500. Sendung!“

Dann fragt sie, wer die Sendung noch nicht kenne; eine Person von 150 meldet sich und teilt mit, er sei wegen seiner Frau mitgekommen, die die Sendung regelmäßig verfolge. Und da man 27 Jahre verheiratet sei (Applaus!!), folge er seiner Frau natürlich ohne weitere Erklärungen. Christine ist davon sehr angetan. Danach gibt sie den Zuschauern noch einen Tipp für das „Bilderrätsel“ und führt aus, dass für die Gäste beim Bilderrätsel immer das „behütete Blamieren“ gelte und daher schadenfrohes Gelächter aus dem Publikum angebracht sei. Frau Westermann bestätigt auch live den sehr, sehr sympathischen Eindruck aus dem Fernsehen.

Endlich: Auftritt von “Götzimausi”!

Dann kommt Herr Alsmann und – nach meinem Dafürhalten – brandet infernalischer Applaus auf. Rampensau Alsmann ist mit diesem jedoch alles andere als zufrieden und erklärt die drei Stufen des „Zimmer frei!“-Applauses (klatschen, trampeln, johlen). Kurz skizziert er noch die Strafen, die Menschen zu erwarten haben, die ihr Mobiltelefon nicht ausschalten und kommt dann auf die Notausgänge zu sprechen, die man im Falle einer Katastrophe benutzen soll…. Seine Aufzählung von Katastrophen endet mit „3. Massenbeschneidungen und 4. BAP-Konzerten“… Kurz erwähnt er noch, dass die Bilder der Sendung am Sonntag ausgestrahlt werden und sich alle vergewissern sollten, dass sie neben der Person sitzen, neben der sie auch im Fernsehen gesehen werden möchten. Oder man solle jetzt noch die Chance nutzen, sich umzusetzen, falls man zu Hause erzählt habe, man gestalte den Abend anders. Bei der letzten Sendung habe es bei dieser Ankündigung so viele Rochaden und Umplatzierungen gegeben, dass sich Götz Alsmann an den „Sauerlandstern“ erinnert fühlte. Ich lache etwas zu laut und Alsmann spricht mich direkt an:

„So wie Sie lachen, sind Sie bestimmt Stammgast im Sauerlandstern, Sie kamen mir gleich so bekannt vor!“

Touché. Ich glaube, ich werde sogar rot. ;-)

screenshot_zimmerfrei

Dr. Alsmann ließ übrigens beim Warm-Up nie den Respekt vor dem GEZ-Zahler vermissen, auch wenn andere dies behaupten!

Das Gerücht verfestigt sich: Der heutige Gast ist Hubertus Meyer-Burckhardt. Begründung dafür: Götz Alsmann wollte mal wieder richtig viel „Ahle Worschtd“ essen. Götz liebt sie und isst sie auch während der Sendung fast ununterbrochen, während Frau Feynschliff immer mehr Hunger und Heimweh bekommt.

Häme – Hämerich – Hämeneutiker!

Noch einmal lache ich zu auffällig, als es um das Substantiv von „Häme“ geht resp. denjenigen geht, der Häme ausübt. Meyer-Burckhardt und die charmante Frau Westermann denken laut & spekulieren über „Hämerich“ (!). Götz Alsmann sagt genau das, was ich mir als Humorverbrecher in dem Moment natürlich auch denke: „Hämeneutiker!“. Ich lache laut auf, Götz zeigt in meine Richtung und stellt fest: „Ah, ein Intellektueller!“ Nach diesem Ritterschlag kann einfach nichts mehr schief gehen.

Es ist spannend, Dinge zu sehen, die man im TV nicht sieht…

Während des Interviews von Christine zieht sich Götz in eine Ecke rechts von der Zuschauertribüne zurück und isst mit großer Freude weiterhin „Ahle Worschtd“. Am Ende der Sendung halte ich noch das „Wir fordern Kommissar Carl!“-Schild mit der grünen Karte hoch, aber es ist nicht wirklich zu erkennen.

Alles in allem eine sehr, sehr gelungene Veranstaltung, und ich hoffe, bald wieder Zuschauerkarten für „Zimmer frei!“ ergattern zu können.

Dann werde ich aber eine Kopfbedeckung tragen.

Wer?

Der Praktikant

Die schönste Werbung der Welt…

Auch mit analogen Datenträgern kann man viel bewegen & aussagen:

Aushang in der Kölner Bank e.G.

Aushang in der Kölner Bank e.G.

Die schönste Stadt der Welt verdient eine Bank, die die Menschen vor Ort kennt und versteht.

Die schönste Werbung der Welt für Köln, die bescheidenste Stadt der Welt!

Endergebnis der Umfrage: Ist Köln so häßlich?

Am 28. Juli 2009 startete der Praktikant die Umfrage “Ist Köln so häßlich?” bei twttpoll. Diese lief bis gestern und hier sind diebei n=44 natürlich nicht repräsentativenErgebnisse:

koelnendergebnis_04102009

14%:  Ja, völlig unstrittig: Hässlich wie die Nacht!

18%: Schöne Menschen, aber leider total verbaut.

23%: Nein! Keine Schönheit aber dafür mit Hätz & Siel.

23%: Soooo hässlich nicht, aber viele Wiederaufbauverbrechen

23%: Köln ist eine wunderschöne Stadt!

Das bedeutet unterm Strich, dass 64 Prozent – bei allen Wiederaufbauverbrechen & Verbauungen – der Meinung sind, dass Köln eine lebenswerte Stadt ist.

Überraschenderweise sind 23 Prozent, also 10 Teilnehmer (m/w) der Meinung, Köln sei “eine wunderschöne Stadt“, 6 Menschen entschieden sich meinungsstark für “Häßlich wie die Nacht”.

Wie immer gilt: Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

Kronkorken 2.0 – die freche Moderne

Am Freitag fiel es dem Praktikanten, am ganzen Körper vor Abscheu und Wut zitternd, auf: Die Mühlenkölsch-Brauerei hat neue Kronkorken für Ihre 0,5l-Flasche Format “Alte Bundesrepublik”. Wutentbrannt twitterte ich:

Ja ist denn die ganze Welt verrückt geworden? MÜHLENKÖLSCH in Flaschen hat jetzt normale Kronkorken! Wo ist die Schönheit geblieben?!

 muehlen_koelsch_ist_oettinger

Normale, effe, wie man im Rheinland sagt, Kronkorken, die an ein Bier aus dem Preiseinstiegssegment wie zum Beispiel Oettinger erinnern. Das ist die Moderne, das ist die Kostenersparnis, das ist die Zeit, in der das Wahre, Schöne, Gute nicht mehr zählt. Auch hier kommt es ja zu allererst auf den Inhalt an – aber das Auge trinkt mit. Verkauft wird das ganze als “Relaunch“. Erschütternd.

Wer ist empört über die neuen Kronkorken und entblödet sich auch nicht darüber einen – mit feynschliff unabgestimmten – Blogbeitrag zu verfassen? Richtig:

Der Praktikant

Der Praktikant fuhr an einem Montag im Juli Regional”express”

Mein Plan: Nach jüngsten Erfahrungen der skurrilen Art (verfahrene resp. fehlgeleitete S-Bahnen), wollte ich doch einfach nur mit dem RE 9 von Deutz nach Mönchengladbach. Den letzten Urlaubstag am Niederrhein verbringen, eine Stippvisite in die alte Heimat, in die Alte Bundesrepublik, nach meinem Dafürhalten ein nicht allzu kühnes Unterfangen, wie ich fand.

Der Zug fährt ein, er rumpelt in den schönen Kölner Hauptbahnhof hinein, irgendwie klingen die Geräusche heute etwas befremdlich. Befremdlicher als sonst. Mit nicht nachvollziehbaren 10 Minuten Verspätung verlassen wir den Hauptbahnhof, alles wirkt heute so langsam… Entschleunigung durch den Urlaub? Fern der operativen Hektik kommt mir vielleicht alles langsamer vor… ich ärgere mich kurz, daß ich nicht den ICE Eugen Egner nach Düsseldorf nahm und dann die S 8… aber Dinge geschehen. Der Zug wird langsam und langsamer. Komme mir vor wie der Protagonist in einer Schelmengeschichte von Franz Kafka, Fips Asmussen oder Wiglaf Droste. Langsamer… und langsamer. Zwischen dem Knotenbahnhof und noch vor dem Backsteinbau des Saturns überholen uns am Bahnsteig locker ein paar gehbehinderte I-Dötzchen. Und dann hatte ich es nach einer halben Stunde (!) immerhin von Deutz bis Köln-Hansaring (!!) geschafft… und jetzt stehen wir wieder, der Zugführer zerstört mein Passagierdasein mit den teuflischen Worten “Störung am Triebfahrzeug”… Stop & Go im Regionalexpress. Wenn das so weitergeht, rechne ich kurz hoch, dauert die Fahrt nach Mönchengladbach circa acht bis neun Stunden. Aber es ging ja nicht weiter. Ich rechne damit, dass wir zum Hauptbahnhof zurückfahren oder am Hansaring oder in Ehrenfeld auf andere ÖPNV oder regionale Verkehrsmittel verteilt werden… hach, ich wusste so wenig

Mit letzter Kraft Ehrenfeld erreicht… BEINAHE! Uns fehlen noch circa 900 Meter bis zum Bahnsteig. So, jetzt gerade die Stunde vollgemacht: Stehen immer noch vor Köln-Ehrenfeld. Langsam nervt es WIRKLICH! Werde den Ausflug abbrechen. Wenn ich raus komme, schreibe ich einen Thriller: Trapped in ze Regionalexpress. Ein packender & schonungsloser Tatsachenbericht aus der Welt des Nahreiseverkehrs. Ich will jetzt hier raus! Eben hat ein freundlicher Bahnmitarbeiter die Fenster geöffnet, das ist gut, denn die Klimaanlage ist ausgefallen. Ich will jetzt hier raus und zeige mich gleich mal MEINUNGSSTARK gegenüber dem Herrn mit dem orangefarbenen “Notfallmanager”-Lätzchen, der neben den Zug herumturnt und das Lokalkolorit meiner Wahlheimat befördert – der Jean-Pütz-Schnauzer bedeckt gefühlte 50 Prozent seines Gesichtes. Es ist unfassbar heiß im Zug, kurioserweise gibt es kaum ein Murren, niemand ist panisch, offensiv-genervt, kein Galgenhumor, niemand beginnt – gottseidank – das obligatorische Deutsche-Bahn-Bashing, nur ein Osteuropäer, der im Zug raucht, zieht kurz den Unmut auf sich. Die Durchsagen aus dem Führerstand werden jedoch nicht erquicklicher:

Szenen einer Evakuierung aus einem Regionalexpress I
 Szenen einer Evakuierung aus einem Regionalexpress I

[Knack, knister, hust, brizzl] “So. [Längere Kunstpause] Das Fahrzeug kann nicht mehr bewegt werden. In Kürze erfolgt eine Evakuierung des Fahrzeugs über die erste Tür in Fahrtrichtung”. Schöne Menschen, schöne Gedanken. Immerhin opfere ich meine Zeit hier für eine Premiere, die ich als Vielfahrer bis dato auch noch nicht im Koffer hatte.

Doch auch nach der Ankündigung der Evakuierung vergehen noch einmal 40 Minuten, das ist wirklich die oberste Metaebene, die Bahn hat Verspätung bei der Evakuierung, ich twittere Hilfeschreie in die Welt, denen ich den Hashtag #gefangener-der-db hinzufüge, der Mann mit dem orangenen Leibchen “Notfallmanager” mutiert weiterhin überfordert auf den Gleisen rum. So. Ich würde jetzt gerne mal evakuiert werden! HALLOOOO? Machen die erst ‘ne EvakuierungsSCHULUNG? Hier tut sich NICHTS! Werde gleich in Deutz am Schalter Bambule machen. Avanti, Dilettanti! Erhalte eine e-mail von einem Freund:

Ich kenn’ ‘nen astreinen Italiener in der Nähe. Den Gleiskörper entlang (Vorsicht, da kommt der Thalys immer langgeknallt) bis Technologiepark Müngersdorf, am Schrottplatz links abbiegen, oben bei der Schufa rechts rum. Ristorante Angelo. Und Mama Concetta schön grüssen. Danke. Bitte.

Abenteuer Deutsche Bahn!Soeben wurde ich evakuiert und bin – samt Hilfestellung vom Notfallmanager – wie damals im Turnunterricht – aufs Gleisbrett gesprungen!“, ist meine Antwortmail, der Appetit durch das Abenteuer wie weggeblasen. Neben uns steht der Evakuierungszug. Mit diesem geht es hoffentlich weiter. Er hält auf dem Paralellgleis und die Menschen springen auf’s Gleisbrett – samt Auffangstellung & empfangsbereiter Arme von freundlichen DBlern und dem Notfallmanager… man klettert in den anderen Zug. Ein älterer Herr wird von zwei Mitarbeitern der Bahn auf Höhe seiner Oberschenkel angehoben und zum anderen Zug transferiert… Szenen, die ich noch nie sah. Mit dem Evakuierungszug geht es endlich weiter. Schreckliche Einzelschicksale: Neben mir eine Touristin, die in Ehrenfeld aussteigen wollte und der nur 900 m zu einem rundum gelungenen Urlaub fehlten. Auch sie schicksalsergeben. Endlich. Im Kopf ein Klopfen… Zwei Stunden. Zwei Stunden. Ehrenfeld. 2 Stunden für Kalk-Ehrenfeld. Grandezza! Auf dem Rückweg trieb ich den Teufel mit dem Beelzebub aus und wagte mich via KVB zurück nach Deutz.

In Deutz dann loveparadeeske Menschenmassen am “Infopoint. Und direkt eine Atmosphäre, wie bei einer Monsterjagd – dennoch trug keiner eine Fackel oder Mistgabel. Volkszorn & Schreiereien zwischen Wartenden & überforderten DB-Mitarbeitern (m/w). Ich stehe und warte auf meine Verspätungsbescheinigung. Einer der Unmutsrädelsführer, der mehrfach den Mitarbeitern zuruft: „So vergraulen Sie Kunden! Und was ist mit den beiden da – kriegen die ne Eheberatung?“, trägt nicht gerade zur Deeskalation bei…

Szenen einer Evakuierung aus einem Regionalexpress II
Szenen einer Evakuierung aus einem Regionalexpress II

Der Antiblauhelm spricht mich direkt an: “Sagen Sie doch auch mal was – das ist doch alles hier falsch organisiert. Beschweren Sie sich doch auch, bitte!” Mit einer Deadmetaltodesstimme antworte ich: “Ich war gerade zweieinhalb Stunden in einem Zug eingesperrt, es ist warm und hier drückt die Hitze wegen der Menschenmassen. Ich möchte mich NICHT äußern – dafür haben sie sicher Verständnis!”

Und dann das unerwartete Krönchen des Tages: Erst schrie der Schalterbeamte Servicemitarbeiter Herr J. (Name dem Autor bekannt) an der Information wartende Kunden an, sie sollen sich “verp***en” und “verschwinden” und dann sagte er, er sei für meine Verspätungsbescheinigung nicht zuständig, dies mache der mobile Servicemitarbeiter mit der roten Kappe. Auf mein Insistieren, dass ich jetzt nicht den ganzen Bahnhof absuche, und er solle ihn ausrufen lassen, gab er barsche Widerworte. Aus Gründen der Zivilisiertheit, bin ich dann abgehauen, weil sonst hätte ich ihn, hüstel, geboxt. So ein Zugausfall kann immer mal passieren. Aber ein solch indiskutables Verhalten am Schalter… den lasse ich nachher bei der Hotline über die Klinge springen. Unter 20 Euro Mitropagutscheinen mache ich es diesmal nicht. Runterkommen: Ich aber schrieb ostentativ seinen Namen Buchstabe für Buchstabe auf und ließ ihn mir noch mal buchstabieren. Zur Sicherheit. Meine Gesichtsfarbe dürfte zu diesem Zeitpunkt schon ein dunkles Purpur angenommen habe und mein Blutdruck und das Adrenalin war auf dem Niveau “Erstes Mal Bungeejumping – garantiert ohne Seil”, aber ich wünsche, alles an Kinderstube und Zivilisation zusammenkratzend, ihm einen schönen Tag und verlasse den Ort der Impertinenz, ich….

Der Praktikant

Ist Köln so hässlich?

Im Rahmen des Amphi Festivals am Tanzbrunnen fiel mir bei einem Spaziergang vorvergangene Woche dieses Graffito am Rheinufer auf:

koln_ist_so_haesslich

Waren das die Amphi-Besucher? Ist es der enttäuschte Aufschrei einer unerlösten “Liebe-Deine-Stadt!“-Seele? Waren es junge Menschen, denen gar nicht klar ist, wie sie das kölsche Lebensgefühl in Mark & Bein erschüttern?

Lokalkolorit hin oder her – teilen Sie diese Meinung?

Über eine Teilnahme am twtpoll und meinungsstarke Kommentare hier freut sich…

Der Praktikant