Kalker Tagebuch (31)

25.12.2013

Liebes Tagesbuch,

so ein Weihnachtsspaziergang bei 16 Grad ist eine kuriose unschöne Sache irritierende Angelegenheit. Erst sah ich im Schaufenster einer aufgegebenen Bäckerei am Markt die verstörensten Puppen seit langem…

… und nachdem ich mir immer noch Gedanken über diese „interessante“ Dekoration machte (der Weihnachtsmann senkte und hob den Bauch elektrisch – er „atmete“!), trafen wir auf eine Dame, die, wenn sie kein Freisprechtelefon benutzte oder es sich um Straßen-Improvisationstheater handelte, kristallkar die Anführerin der Kalker Touretteszene war. Die Worte kann man hier nicht wiedergeben, sonst bekomme ich schon wieder rote Ohren.

Wenigstens der Abschluß des Weihnachtsspaziergangs war sehr versöhnlich fürs Auge.

Der Sünner-Weihnachtsbaum 2013

Auch in diesem Jahr gab es einen Sünner-Weihnachtsbaum. Zweimal bedeutet in Köln ja schon fast Tradition.

„Die Hoffnung und Beständigkeit gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit. O Tannenbaum, o Tannenbaum, dein Kleid will mich was lehren.“

Wer war auch in diesem Jahr entzückt und gleichermaßen von Besinnlichkeit und weihnachtlichem Geist im Veedel beseelt?

Der Praktikant

 

 

 

U-Bahn-Station Heumarkt

Ein gutes Jahr nach der finnischen Sauna („Rathaus“) wurde die dritte große U-Bahn-Station der Nord-Süd Stadtbahn Köln eröffnet. Gestern war der Praktikant bei der allgemeinen Eröffnung der U-Bahn-Station Heumarkt. 90 Millionen gut investierte Euros. Sogar das KVB-Orchester spielte zum Tanze auf.

Erst dadurch erfuhr der Praktikant von der Existenz eines KVB-Orchesters! Ich zitiere: „Die Freude an der Musik, die vor mehr als 100 Jahren die ersten Straßenbahner zum gemeinsamen Spiel zusammengebracht hat, hält das leistungsfähige Orchester auch heute zusammen. Mittlerweile zählen neben KVB-Beschäftigten und Pensionären auch Gastmusiker und Studenten der Musikhochschule zur festen Besetzung.“ Fantastisch!

Und dennoch gilt das Wort des Mitkalkers Arne Arps:

“Das Schönste an der neuen Heumarkt-Station ist aber immer noch die Abfahrt Richtung Kalk.”

Ein paar Bilder und Eindrücke findet Ihr [hier].

lit.COLOGNE 2014 – die Kartenbestellung!

Das war wieder sehr, sehr nervenaufreibend! Der Haupt-Arbeitgeber des feynschliff-Praktikanten ist auch in diesem Jahr wieder Sponsor der lit.COLOGNE 2014. Ein Privileg: Man kann einen Tag früher die Karten bestellen. Na, wenn das mal kein gutes Personalmarketing-Instrument ist!

Und wie schon letztes Jahr war der Bestellvorgang eine Mischung aus „Charlie in der Schokoladenfabrik“ und nervenzerreißendem Thriller!

Alles war meinerseits vorbereitet, die Veranstaltungen herausgesucht, ich ertrug stoisch die Warteschleifenmusik und hatte mir im Vorfeld sogar Gedanken über die Platzkategorien gemacht, alle Bestellungen – wie gewünscht – waren aufgegeben und dann ein „Oh, oh!“ am anderen Ende der Leitung:

Das Bestellsystem hatte sich aufgehangen. Und ein Rückruf in fünf Minuten wurde avisiert. Fünf Minuten können seeeeehr laaaaang sein. Bei einem Elfmeterschießen – mit deutscher Beteiligung in einem WM-Halbfinale – würde ich mich entspannter fühlen.

Aber wo gilt, wenn nicht bei einem Literaturfestival in Köln, schon der Paragraph 7 des „kölschen Grundgesetzes„:

Wat wellste maache?

Dank des großartigen + engagierten Mitarbeiters von koelnticket, meinem Held des Tages, galt am Ende des Bestellvorgangs dann doch der Paragraph 3. Und zwar in der zukunftsgerichteten Übersetzung. Uff!

Rigoletto in der „Oper am Dom“ (Kirmessingspiel)

Der Praktikant war im blauen Musicalzelt. Und mit ihm sein Sendungsbewusstsein. Eine wahrlich unheilige Allianz. Vielleicht ist der Praktikant auch mehr so der Operettentyp? Doch es war eigentlich ganz nett. Seht selbst:

 

Rosinenbomber über Kalk V – REWEs Rückkehr!

Uff! Gott. Sei. Dank. Das hätte ich in Köln, einer Stadt, in der ein Termin zur Eröffnung (oder Wiedereröffnung) einer U-Bahn / Einkaufsmöglichkeit / Brücke / Ampel / Schule / Museums häufig nur einer vagen Absichtserklärung gleicht, nicht erwartet:

Heute, am 14.11.2013 um 08.00 Uhr,  findet die Wiedereröffnung des REWE in den Köln Arcaden statt.

Warum beschäftigt sich der Praktikant mit einer solchen Banalität, die den Linksrheinern doch nur ein mitleidiges Lächeln entlockt? Weil die sehr, sehr heikle Nahversorgungssituation im Veedel damit endlich wieder etwas entschärft wird. Auch wenn das für die „Rollatoren-Szene Kalk immer noch keine optimale Lösung darstellt.  Und vielleicht kommt ja bald (2017, 2018, 2019ff) eine Lösung für das Kaufhofgebäude in Kalk. Für den heutigen Tag jedoch lautet das Motto, das der Kalker Künstler Hartmut „Ernesto“ Ernst unlängst formulierte:

Edeka war so nah – doch Rewe ist auch nu‘ wieder da!

Das ist zwar etwas sperrig zu skandieren – doch diesmal gilt: Inhalt vor Sprechgesang-Versmaß!

Findet:

Der Praktikant

Mehr Spass ohne Glas. Becher ist das!

Im vierten dritten Jahr hintereinander bricht sich zu Karneval die Wortspielhölle Bahn!

Wie viel vom Quellgetränk hat der Urheber/die Urheberin wohl eingenommen, um derlei fipsasmusseneske Slogans zu verfassen?

„Mehr Spaß ohne Glas. Becher ist das! Wahre Liebe bleibt unzerbrechlich.”

Auch diese Session geht es also nicht ohne Sprach“witz“kriminalität, die es vor dem Humorgerichtshof in Den Haag zu ahnden gilt! Oder wie es  a. a. O. hieß:

Und jedes Jahr stirbt ein Germanist. So wahr! So richtig. Auch dieses Jahr wieder kaum zu glauben, dass SIE es sich im öffentlichen Raum trauen. Kaum zu fassen. Wer erwartet zu Beginn des Straßenkarnevals am kommenden Montag wieder einmal die Kosaken und den Heiligen Geist?

Der Praktikant

GROSSSTADT IN DER GROSSSTADT – 100 Jahre GAG

Inspiriert von der morgendlichen Lektüre des Stadtanzeigers zum Thema Kaufhof und der Aussage von Barbara Moritz, “Kalk hat Potenzial. Ich glaube, der Stadtteil liegt demnächst im Trend.”, machte sich der feynschliff-Praktikant, der Hauptberuf ließ es diesmal zu, auf den Weg zur Eröffnung der Ausstellung „100 Jahre GAG“ im Bürgeramt Kalk.

Obwohl die Uhrzeit nach meinem Dafürhalten nicht so arbeitsnehmerkompatibel war, hatten sich doch etwa 20 Menschen im Bürgeramt eingefunden. Nach ein paar Grußworten von Bezirksbürgermeister Markus Thiele hatte Sybille Wegerich, Vorständin der GAG, das Wort. Im Rahmen ihrer sehr charmanten – sowie Geschichte und Zukunft der GAG-Projekte verknüpfenden – Rede, ist mir vor allem eine Formulierung in Erinnerung geblieben, Kalk sei ein…

Mit diesem Attribut kann ich gut leben. Es gilt weiterhin: Schäl Sick is‘ schick! Die lokale Politprominenz war im „charmanten Underdogstadtteil“ ebenfalls gut vertreten und betrachtete nach der Ausstellungseröffnung die wirklich großartigen Bilder. Schöne Werke, es spricht von viel Weitblick, dass die GAG frühzeitig die Siedlungen und Bauten fotographierte.  Großformatige Aufnahmen, die einen auf eine Zeitreise – vor allem – in die Zwanziger und Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts nahmen.

Ich hatte – neben anderen erquicklichen Gesprächen zu kalkzentrischen Themen – auch die Gelegenheit, endlich mal mit Bezirkbürgermeister Thiele zu plaudern; das war sehr angenehm, wir tauschten uns informell zur Rollatordemo im Juli aus. Doch einen Kommentar konnte ich mir dann irgendwie nicht verkneifen:

Wobei ich es wirklich nur modisch – und nicht politisch meinte, Herr Thiele! Wer kann den Besuch dieser Ausstellung bis zum 21.11.2013 nur mit Nachdruck empfehlen?

Der Praktikant

KIPPENBERGER!

Der Praktikant war im Theater. Und ist begeistert! Wie immer, sieht er die Welt sehr subjektiv:

Ein Exzess des Moments von Angela Richter.

„Kippenberger!“ war echt überwältigend! Großartige Darsteller, runde Dramaturgie, wunderbare Kulissen! Tolles Stück: BRAVO!

Allein der Beginn mit der Unterhaltung über die Entlassung von Branko Zebec aus Alkoholismusgründen und SAT1, RTL und ZDF als „großes Fernsehen“… Man war direkt im Stück. Kippi als „Freiheitsstatue“ und die großartigen Bühnenbilder, „die nachher ins Museum Ludwig kommen“. Chapeau!

Wobei: „So ein Arschloch, dieser blöde König!“ (will ihn, den mit neun Jahren erweckten Kippenberger, nicht im Museum haben). Obwohl auch die Frauen als Weggefährtinnen zu Wort kamen, hatte das Ganze etwas sehr Männnerbündlerisches. Womit ich sehr gut leben kann. 😉 Aber es ging ja auch eher um das Leben von K. und nicht – oder nur am Rande – um die Kunst. Aber seit der Ausstellung im Hamburger Bahnhof – sehr gut | very good – wissen wir ja, dass man dies nicht trennen kann…

Gute Videoeinspielungen, stimmige Aufteilung der (Lebens-)Abschnitte. Er war kein „Patriarch“, aber „Wenn es nicht weitergeht, gibt es eine patriarchale Intervention“ (Melissa Logan). Und obwohl ich mich so intensiv mit dem Leben Kippenbergers auseinandergesetzt habe, weiß ich immer noch nicht, wer der „Kanarienvogel“ ist. Ben Becker? Man musste viel lachen!

Später hat er dann mit ’ner Knarre in ’nen Eimer geschossen. Das war Performance.

Stark auch das Kulissenschieben, dramaturgisch gefiel mir das sehr, sehr gut, was sich vor allem am Ende bemerkbar machte. Intensive BILDER wurden erzeugt. Und viel geraucht wurde. 😉 Schöne Bonmots für die Ewigkeit, die Kippi gefallen hätten:

„Wenn er da war, war der da.“

„Wenn er ins ‚Central‘ gewankt kam, dann war da Show. Und er der Master“.

Als Spätgeborener bekam man eine Vorstellung vom Möglichkeitssinn und wie es wohl war, als Köln Mitte der Achtziger kurzzeitig die WELTHAUPTSTADT der Kunst war.

Interessant: Kein Wort darüber, wie Kippi Joachim Lottmann aus der Stadt gemobbt hat.

Insbesondere bei „Holiday in Cambodia“ bekam man eine Idee davon, dass Judith Rosmair nicht nur gut spielen, sondern auch tanzen kann. Das wurde bei der etwas slapstickartigen Michael-Jackson-Performance überdeutlich: „Stillos ist auch ein Stil“ – Griff ans Phantomgemächt (mit einem Malerpinsel in der Hand). Ich wiederhole mich: Starke Bilder. Oder anders: „Du bist aus, aus-, ausgewählt!“

Fünf sehr, sehr gute Darsteller!

Man bekam auch immer wieder einen Eindruck vom „mystischen“ Momentum, von der (Selbst-)Darstellung Kippis als SCHMERZENSMANN. Auch – und gerade – als auf offener Bühne mit Gaffelkölsch (keine Schleichwerbung) herumgespritzt wurde.

Und dann – und so war es wirklich, er hatte Zeit seines Lebens alle Level – ALLE – des Fips-Asmussen-Badges entlockt: Der SCHILDKRÖTENWITZ. Die letzen Grenzen überschreiten, schmerzhaft für alle Beteiligten, auch den „Puppekopf“, eine achtfach verrissene Vrumm! Vrumm! Vrumm!-Pointe. Nach dem, was man aus den Büchern kennt (das Schicksal des Spätgeborenen II), ist man geneigt zu sagen:

So war es wirklich!

Und wir lernten: „Kinder sind debil, bis sie acht Jahre alt sind. Rehe können schon nach einer halben Stunde laufen.“

Bei nur einem großformatigen Bild, bei der Sevilla-Fehlgeburt-Sequenz, „Kunst muss dingfest sein!„, als die FIGUR KIPPENBERGER beinahe von den eigenen Bildern zerquetscht wurde, war ich unschlüssig, ob es jetzt die MOMAS-Phase auf Griechenland war… Aber hochspannend zu erfahren, dass Kippi auch eine ganze Stadt, Köln als Dorf, gegen einen instrumentalisieren konnte und sich dann „ganz Kunstköln“ gegen einen wendete. Knokke, Köln, Kippenberger… Ein Schicksal, das Lottmann ja auch kannte… Und dann die Entschuldigung beim gesetzten Essen… Das muss ich in der etwas distanzlosen Susanne-Kippenberger-Biographie nochmal nacharbeiten…

Ganz fantastisch: Der IMPROTHEATERTEIL auf Zuruf:

Schüchtern | Notgeil | Grönemeyer (!) | Nachrichtensprecher | Weinen.

Und stimmig der schlimme, lange „Witz“ bei „Weinen“… er endet mit:  „Das Kind hat IST nur ein Auge“, „Ich werde es trotzdem lieben“, „Es ist blind“. Über die Brücke gehen…

Wien, der letzte Aussteller, nähert sich Kippenberger: „Er hatte so eine rotzige Art.“ Denn: „Wir kennen nur Grandezza – sind aber auch hinterhältig dabei!“

Das Kernlernwissen: „Künstler steht im Ansehen der Bevölkerung noch hinter Taxifahrer„. Es sei denn, man macht FDP-Kunst wie Neo Rauch. Und es war ganz toll, dass noch im Stück das „2. Sein“ erwähnt wurde… Meine Befürchtung bleibt: Kippenberger (der Künstler, nicht der Mensch) wurde vor seinem Tod unterschätzt – und nach seinem Ableben etwas über-. Doch wenn man „The Happy End of Franz Kafka’s ‚Amerika‘“ einmal mit eigenen Augen gesehen hat, sind derlei Überlegungen nur dunkle Momente des Zweifels…

Der Schluss war fulminant: Die LIVEPROJEKTION, nachdem alle „Lebenskulissen“ weggeschoben waren und er schon „aus dem Mund nach Aceton roch“ – und man seine Gefühle zum Tod Kippis im Guido-Knopp-Liveschnipsel-O-Ton-Duktus zum Besten gab. Wunderbare Idee von Laue und Richter! Mir ist am stärksten in Erinnerung geblieben:

Walther König hatte schon das [Schau-]Fenster gemacht: Kippenberger von dann bis dann.“

Das Fazit:

Fantastische Darsteller, gute und stimmige Unterteilung der Abschnitte, eine mir nicht ersichtliche Buchstabensuppe am Ende (Kritik an der Schaufenstergestaltung? Spiel mit Worten und Buchstaben? Oder bezieht es sich auf Robert Indianas „Love“ – als Ikone der pop-art und Inkunabel der Sammlung Ludwig?), also ganz am Ende, aber ein wunderbares Theatererlebnis… bei dem sich niemand des fantastischens Ensembles voller Spiel- und Improvisationskunst an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielt…

Immer noch ganz überwältigt:

Der Praktikant

Ein paar weiterführende Links:

Schnipsel vom Youtube-Kanal des  Schauspiel Kölns:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

 

 

Denglisch in der Karikatur

Über den Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache lässt sich trefflich streiten, aber warum sich dem Thema nicht mal humoristisch annähern, wie es die Wanderausstellung „Gezielte Streifschüsse“ tut. Beteiligte Karikaturisten sind u. a.: Harm Bengen, Heinz Birg, Peter Gaymann, Philipp Hubbe, Friedrich Retkowski, Rainer Schade, Horst Haitzinger und Greser & Lenz.

Die Ausstellung mit 60 Exponaten hat schon einige Stationen hinter sich und ist zurzeit in der Bibliothek der Universität Duisburg-Essen zu sehen.