Kronkorken 2.0 – die freche Moderne

Am Freitag fiel es dem Praktikanten, am ganzen Körper vor Abscheu und Wut zitternd, auf: Die Mühlenkölsch-Brauerei hat neue Kronkorken für Ihre 0,5l-Flasche Format „Alte Bundesrepublik“. Wutentbrannt twitterte ich:

Ja ist denn die ganze Welt verrückt geworden? MÜHLENKÖLSCH in Flaschen hat jetzt normale Kronkorken! Wo ist die Schönheit geblieben?!

 muehlen_koelsch_ist_oettinger

Normale, effe, wie man im Rheinland sagt, Kronkorken, die an ein Bier aus dem Preiseinstiegssegment wie zum Beispiel Oettinger erinnern. Das ist die Moderne, das ist die Kostenersparnis, das ist die Zeit, in der das Wahre, Schöne, Gute nicht mehr zählt. Auch hier kommt es ja zu allererst auf den Inhalt an – aber das Auge trinkt mit. Verkauft wird das ganze als „Relaunch„. Erschütternd.

Wer ist empört über die neuen Kronkorken und entblödet sich auch nicht darüber einen – mit feynschliff unabgestimmten – Blogbeitrag zu verfassen? Richtig:

Der Praktikant

Der Praktikant fuhr an einem Montag im Juli Regional“express“

Mein Plan: Nach jüngsten Erfahrungen der skurrilen Art (verfahrene resp. fehlgeleitete S-Bahnen), wollte ich doch einfach nur mit dem RE 9 von Deutz nach Mönchengladbach. Den letzten Urlaubstag am Niederrhein verbringen, eine Stippvisite in die alte Heimat, in die Alte Bundesrepublik, nach meinem Dafürhalten ein nicht allzu kühnes Unterfangen, wie ich fand.

Der Zug fährt ein, er rumpelt in den schönen Kölner Hauptbahnhof hinein, irgendwie klingen die Geräusche heute etwas befremdlich. Befremdlicher als sonst. Mit nicht nachvollziehbaren 10 Minuten Verspätung verlassen wir den Hauptbahnhof, alles wirkt heute so langsam… Entschleunigung durch den Urlaub? Fern der operativen Hektik kommt mir vielleicht alles langsamer vor… ich ärgere mich kurz, daß ich nicht den ICE Eugen Egner nach Düsseldorf nahm und dann die S 8… aber Dinge geschehen. Der Zug wird langsam und langsamer. Komme mir vor wie der Protagonist in einer Schelmengeschichte von Franz Kafka, Fips Asmussen oder Wiglaf Droste. Langsamer… und langsamer. Zwischen dem Knotenbahnhof und noch vor dem Backsteinbau des Saturns überholen uns am Bahnsteig locker ein paar gehbehinderte I-Dötzchen. Und dann hatte ich es nach einer halben Stunde (!) immerhin von Deutz bis Köln-Hansaring (!!) geschafft… und jetzt stehen wir wieder, der Zugführer zerstört mein Passagierdasein mit den teuflischen Worten „Störung am Triebfahrzeug“… Stop & Go im Regionalexpress. Wenn das so weitergeht, rechne ich kurz hoch, dauert die Fahrt nach Mönchengladbach circa acht bis neun Stunden. Aber es ging ja nicht weiter. Ich rechne damit, dass wir zum Hauptbahnhof zurückfahren oder am Hansaring oder in Ehrenfeld auf andere ÖPNV oder regionale Verkehrsmittel verteilt werden… hach, ich wusste so wenig

Mit letzter Kraft Ehrenfeld erreicht… BEINAHE! Uns fehlen noch circa 900 Meter bis zum Bahnsteig. So, jetzt gerade die Stunde vollgemacht: Stehen immer noch vor Köln-Ehrenfeld. Langsam nervt es WIRKLICH! Werde den Ausflug abbrechen. Wenn ich raus komme, schreibe ich einen Thriller: Trapped in ze Regionalexpress. Ein packender & schonungsloser Tatsachenbericht aus der Welt des Nahreiseverkehrs. Ich will jetzt hier raus! Eben hat ein freundlicher Bahnmitarbeiter die Fenster geöffnet, das ist gut, denn die Klimaanlage ist ausgefallen. Ich will jetzt hier raus und zeige mich gleich mal MEINUNGSSTARK gegenüber dem Herrn mit dem orangefarbenen „Notfallmanager“-Lätzchen, der neben den Zug herumturnt und das Lokalkolorit meiner Wahlheimat befördert – der Jean-Pütz-Schnauzer bedeckt gefühlte 50 Prozent seines Gesichtes. Es ist unfassbar heiß im Zug, kurioserweise gibt es kaum ein Murren, niemand ist panisch, offensiv-genervt, kein Galgenhumor, niemand beginnt – gottseidank – das obligatorische Deutsche-Bahn-Bashing, nur ein Osteuropäer, der im Zug raucht, zieht kurz den Unmut auf sich. Die Durchsagen aus dem Führerstand werden jedoch nicht erquicklicher:

 Szenen einer Evakuierung aus einem Regionalexpress I

[Knack, knister, hust, brizzl] „So. [Längere Kunstpause] Das Fahrzeug kann nicht mehr bewegt werden. In Kürze erfolgt eine Evakuierung des Fahrzeugs über die erste Tür in Fahrtrichtung“. Schöne Menschen, schöne Gedanken. Immerhin opfere ich meine Zeit hier für eine Premiere, die ich als Vielfahrer bis dato auch noch nicht im Koffer hatte.

Doch auch nach der Ankündigung der Evakuierung vergehen noch einmal 40 Minuten, das ist wirklich die oberste Metaebene, die Bahn hat Verspätung bei der Evakuierung, ich twittere Hilfeschreie in die Welt, denen ich den Hashtag #gefangener-der-db hinzufüge, der Mann mit dem orangenen Leibchen „Notfallmanager“ mutiert weiterhin überfordert auf den Gleisen rum. So. Ich würde jetzt gerne mal evakuiert werden! HALLOOOO? Machen die erst ’ne EvakuierungsSCHULUNG? Hier tut sich NICHTS! Werde gleich in Deutz am Schalter Bambule machen. Avanti, Dilettanti! Erhalte eine e-mail von einem Freund:

Ich kenn‘ ’nen astreinen Italiener in der Nähe. Den Gleiskörper entlang (Vorsicht, da kommt der Thalys immer langgeknallt) bis Technologiepark Müngersdorf, am Schrottplatz links abbiegen, oben bei der Schufa rechts rum. Ristorante Angelo. Und Mama Concetta schön grüssen. Danke. Bitte.

Abenteuer Deutsche Bahn!Soeben wurde ich evakuiert und bin – samt Hilfestellung vom Notfallmanager – wie damals im Turnunterricht – aufs Gleisbrett gesprungen!„, ist meine Antwortmail, der Appetit durch das Abenteuer wie weggeblasen. Neben uns steht der Evakuierungszug. Mit diesem geht es hoffentlich weiter. Er hält auf dem Paralellgleis und die Menschen springen auf’s Gleisbrett – samt Auffangstellung & empfangsbereiter Arme von freundlichen DBlern und dem Notfallmanager… man klettert in den anderen Zug. Ein älterer Herr wird von zwei Mitarbeitern der Bahn auf Höhe seiner Oberschenkel angehoben und zum anderen Zug transferiert… Szenen, die ich noch nie sah. Mit dem Evakuierungszug geht es endlich weiter. Schreckliche Einzelschicksale: Neben mir eine Touristin, die in Ehrenfeld aussteigen wollte und der nur 900 m zu einem rundum gelungenen Urlaub fehlten. Auch sie schicksalsergeben. Endlich. Im Kopf ein Klopfen… Zwei Stunden. Zwei Stunden. Ehrenfeld. 2 Stunden für Kalk-Ehrenfeld. Grandezza! Auf dem Rückweg trieb ich den Teufel mit dem Beelzebub aus und wagte mich via KVB zurück nach Deutz.

In Deutz dann loveparadeeske Menschenmassen am „Infopoint“. Und direkt eine Atmosphäre, wie bei einer Monsterjagd – dennoch trug keiner eine Fackel oder Mistgabel. Volkszorn & Schreiereien zwischen Wartenden & überforderten DB-Mitarbeitern (m/w). Ich stehe und warte auf meine Verspätungsbescheinigung. Einer der Unmutsrädelsführer, der mehrfach den Mitarbeitern zuruft: „So vergraulen Sie Kunden! Und was ist mit den beiden da – kriegen die ne Eheberatung?“, trägt nicht gerade zur Deeskalation bei…

Szenen einer Evakuierung aus einem Regionalexpress II

Der Antiblauhelm spricht mich direkt an: „Sagen Sie doch auch mal was – das ist doch alles hier falsch organisiert. Beschweren Sie sich doch auch, bitte!“ Mit einer Deadmetaltodesstimme antworte ich: „Ich war gerade zweieinhalb Stunden in einem Zug eingesperrt, es ist warm und hier drückt die Hitze wegen der Menschenmassen. Ich möchte mich NICHT äußern – dafür haben sie sicher Verständnis!“

Und dann das unerwartete Krönchen des Tages: Erst schrie der Schalterbeamte Servicemitarbeiter Herr J. (Name dem Autor bekannt) an der Information wartende Kunden an, sie sollen sich „verp***en“ und „verschwinden“ und dann sagte er, er sei für meine Verspätungsbescheinigung nicht zuständig, dies mache der mobile Servicemitarbeiter mit der roten Kappe. Auf mein Insistieren, dass ich jetzt nicht den ganzen Bahnhof absuche, und er solle ihn ausrufen lassen, gab er barsche Widerworte. Aus Gründen der Zivilisiertheit, bin ich dann abgehauen, weil sonst hätte ich ihn, hüstel, geboxt. So ein Zugausfall kann immer mal passieren. Aber ein solch indiskutables Verhalten am Schalter… den lasse ich nachher bei der Hotline über die Klinge springen. Unter 20 Euro Mitropagutscheinen mache ich es diesmal nicht. Runterkommen: Ich aber schrieb ostentativ seinen Namen Buchstabe für Buchstabe auf und ließ ihn mir noch mal buchstabieren. Zur Sicherheit. Meine Gesichtsfarbe dürfte zu diesem Zeitpunkt schon ein dunkles Purpur angenommen habe und mein Blutdruck und das Adrenalin war auf dem Niveau „Erstes Mal Bungeejumping – garantiert ohne Seil“, aber ich wünsche, alles an Kinderstube und Zivilisation zusammenkratzend, ihm einen schönen Tag und verlasse den Ort der Impertinenz, ich….

Der Praktikant

Ist Köln so hässlich?

Im Rahmen des Amphi Festivals am Tanzbrunnen fiel mir bei einem Spaziergang vorvergangene Woche dieses Graffito am Rheinufer auf:

koln_ist_so_haesslich

Waren das die Amphi-Besucher? Ist es der enttäuschte Aufschrei einer unerlösten „Liebe-Deine-Stadt!„-Seele? Waren es junge Menschen, denen gar nicht klar ist, wie sie das kölsche Lebensgefühl in Mark & Bein erschüttern?

Lokalkolorit hin oder her – teilen Sie diese Meinung?

Über eine Teilnahme am twtpoll und meinungsstarke Kommentare hier freut sich…

Der Praktikant

Der Rhein – Grenze oder Teil der Stadt Köln?

Der Praktikant hat vor vielen, vielen Monaten mal recht unmotiviert zwei kurze Videos für YouTube gedreht. Und im Gegensatz zu Ernesto, dem Kenner, Könner, Connaisseur, vertritt er die Meinung, dass Kunst vom Denken kommt und nicht unbedingt vom (filmischen) Können abzuleiten ist… seht einfach selbst:

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Der Begleittext zum Video bringt es pointiert auf den Punkt:

Köln = Deutschland in a nutshell.

Köln, dieser deutsche Mikrokosmos mit seinem Rhein-Trennungs-Seperatismus! Die Linksrheiner sagen: Der Rhein ist die Grenze der Stadt. Das Prekariat und ich sagen: Der Rhein ist ein Teil der Stadt. Und Kalk und Mülheim haben durch die Industrie erst das Geld verdient, damit junge Kreative sich im Belgischen Viertel rumlümmeln können.

Die tiefe Ernsthaftigkeit, mit der Köln in links- und rechtsrheinisch – in GUT und BÖSE geteilt wird, ist nur mit dem Köln-Düsseldorf-Gegensatz zu vergleichen oder mit dem aktuellen Glaubenskrieg um die „Generation Upload„-Werbung. Hüben wir drüben kann man eigentlich nur zu mehr Gelassenheit aufrufen. Oder eben selbstbewusst feststellen: „Schäl Sick is schick!“ Und das erkennen auch mehr und mehr die jungen & hippen Menschen, die Generation Umzug: Rechts des Rheins ist auch noch Mainz ’s auch sehr schön. Findet jedensfalls…

Der Praktikant

[KiK] Der König ist tot – lang lebe der König!

Im letzten Artikel über Kalk, verlieh ich meiner Hoffnung Ausdruck, dass der gastronomische Solitär in Kalk, der Blaue[r] König hoffentlich bald wiedereröffnet wird. („Und wenn erst noch der Blaue König wieder aufmacht – ja dann wird ohnehin alles gut!„)

Tja –  manchmal gewinnt man den Eindruck, dass man mit Blogs doch etwas bewegen kann. Just eine gute Woche nach der Absonderung wurde der Blaue König wiedereröffnet. Auch wenn feynschliff und der Praktikant bist dato noch keinen Platz draußen im Freien bekamen, so ist das ein gutes Zeichen fürs Veedel. Ach, nicht nur für Kalk, was soll die Bescheidenheit: Das ist für ganz Köln sehr erfreulich.

Laut der ersten Bewertungen auf Qype lohnt es sich, recht rasch mal wieder um einen Platz anzustehen. Vor allem das reichhaltige Frühstück, das bis 17.00 Uhr gereicht wird, scheint auf die neue Zielgruppe des Veedels, „[…]  Menschen […] auf der Hauptstraße, die man als Studenten (m/w) oder Leute identifiziert, die ‚irgendwas mit Medien | Internet | Werbung‘ machen, zugeschnitten zu sein.

Und wer wird mit einem Zelt vor dem Blauen König eine ganze Nacht ausharren, um die besten Plätze im Bereich der Außengastronomie zu sichern?

Der Praktikant

Die Kölner Kulturinitiative „Kölner Komment“

Es muss sich ja nicht immer um Kalk drehen, manchmal geht es um das ganze Köln, das Köln in unseren Köpfen und Herzen, es geht um Kultur in Köln, um diesen Aufruf:

toilettentuer

Es geht auch nicht um das unterstützende Poster aus der StadtRevue, das jetzt an einer Toilettentür in Köln-Kalk hängt, es geht um diesen Aufruf des Kölner Komment!

Was ist der Kölner Komment?

Prominente werben für kulturelles Engagement der Domstadtpolitiker
Auch wenn rund 85 Prozent der Archivalien inzwischen geborgen worden – drei Monate nach dem Einsturz des historischen Stadtarchivs in Köln sind bei vielen die Wunden des Ereignisses noch lange nicht verheilt. Kulturschaffende der Domstadt wollen nun mit der Initiative „Kölner Komment“ ein Zeichen setzen. [Einen Audio-Beitrag von Birgitt Schippers „Die Kölner Kulturinitiative ‚Kölner Komment'“ vom 29.5.2009 finden Sie [hier]]

Gründungserklärung der Initiative „Kölner Komment“
„Bereits vor Einsturz des Kölner Stadtarchivs war erkennbar, dass es große Defizite im Umgang der Stadt mit ihrer Kultur gibt, die eine lebendige Entwicklung kultureller Projekte behindern und das kulturelle Erbe der Stadt gefährden. Viele Kölner Bürger fordern nun nachdrücklich von den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung Transparenz der Entscheidungsprozesse ein, mehr Verantwortungsbewusstsein und konkrete Schritte für einen Neubeginn.

Die Initiative „Kölner Komment“ möchte in dieser Situation ein Zeichen setzen. Der offene Aufruf von Kölner Bürgern wendet sich an alle Kölner und Exilkölner über Parteigrenzen hinweg und wirbt für ein nachhaltiges kulturelles Engagement in dieser Stadt. In der Juni-Ausgabe des unabhängigen Kölner Monatsmagazins StadtRevue erscheint ein offener Brief mit einem Künstlerposter, gestaltet von den Künstlern Kira Bunse und Johannes Wohnseifer. Es ist Auftakt einer Serie, die in den kommenden Monaten mit weiteren Statements und Künstlerplakaten fortgesetzt wird (unter anderem mit den Künstlern Albrecht Fuchs, Gert und Uwe Tobias, Astrid Klein).

Das Unternehmen in Kooperation mit der StadtRevue steht unter der Schirmherrschaft des Kölnischen Kunstvereins. Hundert Unterzeichner haben sich dem Aufruf bereits angeschlossen. Zu den Erstunterzeichnern des offenen Briefes gehören unter anderen: Marie-Luise Angerer, Kunsthochschule für Medien / Gerhart Baum, Bundesminister a.D. / Bettina Böttinger, Journalistin und Produzentin / Uta Brandes, Köln International School of Design / Albrecht Fuchs, Fotograf / Guy Helminger, Schriftsteller / Kasper König, Ausstellungsmacher / Helge Malchow, Kiepenheuer und Witsch / Hans Nieswandt, DJ und Autor / Rosemarie Trockel, Künstlerin / Martin Stankowski, Stadtbilderklärer / Wolfgang Strobel, Sammler / Manos Tsangaris, Komponist / Johannes Wohnseifer, Künstler.“ [Quelle: domradio.de]

Tja, Köln war mal eine Kulturstadt, was die Bildende Kunst angeht – auf Augenhöhe mit New York. Eine Weltstadt. Und doch gewinnt man den Eindruck, dass diese Zeit nicht gute 20 Jahre her ist, sondern eher 200 Jahre. Sobald es einen Internetauftritt des Kölner Komment gibt, werde ich diesen verlinken und regelmäßig über die Initiative informieren.

Ansonsten bleibt mir nur die Versicherung, dass feynschliff diese Initiative rückhaltlos unterstützt.

Kalk: Kunst in Kalk (KiK II)

Nach meiner Lobeshymne auf Kalk merkte der Urheber des Monstermann-Videos an, dass es doch sinnhafter sei – und auch Kalks Anspruch auf Kultur deutlicher unterstreiche – dieses Video zu verlinken. Im September 2007 verwertete er, spontan & ohne Manuskript den Kommentar sprechend und die Musik einspielend, einen Veedelsspaziergang. Die Redakteure von „1.000 Meisterwerke“ wären vor Begeisterung in Tränen der tief empfundenen Freude ausgebrochen, hätten sie Ernesto zu einem der ihren zählen dürfen.

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Und wer kommt dem Wunsch von null natürlich sehr gerne nach?

Der Praktikant

Kalk: Support your local Veedel! (KiK)

Ist Kalk jetzt eher ein Ort der Ruhe oder – analog zu twitter – „The next Big Thing“ –  also das Viertel, „wo nie geschlafen wird“, wie es unlängst in heimvorteil geschrieben stand?

Auf jeden Fall heißt es für feynschliff und das korrespondierende Umfeld (Praktikanten, Freundinnen & Freunde, Bekannte): Support your local Team Veedel! Tja, für manche mag es eine ganz neue, nahezu diabolische Erkenntnis sein: Es gibt auch ein Köln rechts des Rheins! Die einen schwadronieren über einen Stadtteil, wie man ihn eigentlich in Berlin verorten würde, faseln etwas von Kreuzberg… nein, nein, nein! KiK muß nicht krank im Kopf heißen oder sich auf den bekannten Textildiscounter beziehen, nein, KiK heißt ganz einfach – so formulierte es der der Urheber dieses Videos unlängt per e-mail meinungsstark:

Kalk ist Kalk!

Kalk ist immer für ein Post gut! (Riesenwortspielich weiß.) Selbst wenn sich mittlerweile schon die WDR-Fernsehteams hierher verlaufen: Noch einmal zum mitschreiben: Kalk ist Kalk ist Kalk und nicht Kreuzberg oder Kreuzkalk.  Sicher, der scheidende Oberbürgermeister Schramma ist überzeugt, dass sich hier noch mehr bewegen lässt, denn es sind ja „noch einige Dinge in der Pipeline, wie man so schön sagt„:

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Doch was soll noch kommen? Das „Herr der Ringe“-Musical etwa? Hier gibt es doch schon einiges. Genug. Schon länger. Bei allen Problemen, die Kalk aus vielerlei Gründen hat und die man z. B. im Belgischen Viertel, Marienburg oder Lindenthal so nicht kennt, lässt es sich hier prima leben. Jaja. Das Odysseum ist mittlerweile fertig, es wurden einige Eigentumswohnungen an der Grenze zu Deutz gebaut, es ist wahrlich einiges in der Pipe. Doch es existiert schon sehr viel, das es lohnt, mal nach Kalk zu kommen: Das Trash-Chic war & ist so gemütlich wie günstig, die Vorstadtprinzessin urban und – zugegebenermaßen – kreuzkalkesk, die bodenständigeren Restaurants, das Haus Böhmer, das Reissdorf em Cornely und Brauhäuser mit Biergarten (und neuerdings Keller) wissen sehr zu gefallen. Die Zeit steht still in der Kaffeerösterei Hans Hogrebe. Und wenn erst noch der Blaue König wieder aufmacht – ja dann wird ohnehin alles gut!

es_lebe_die_hauptstrasse_2005

Es lebe die Kalker Hauptstrasse… das fünfte Veedel von Köln (2005)

Es gibt die private Literaturinitiative Kalker Kaffee, das Büro für Brauchbarkeit und deren Kalk-Post-Blog. Das Bürgerhaus Kalk. Ein Drittel der aktiven Schauspielerinnen und Schauspieler von Fatal Banal leben hier. Undundund.  Außerdem liegt Kalk verdammt verkehrsgünstig, man (frau natürlich auch) ist blitzschnell am ICE-Bahnhof Deutz oder via Trimbornstraße in zehn Minuten am Flughafen Köln-Bonn. Es gibt zur Erholung den Klostergarten, den Stadtgarten, das Café Schlechtriemen, die Kulisse, die Halle Kalk. Zum Einkaufen die Köln-Arcaden, der Wassertum der ehemaligen CFK als übrig gebliebenes Industriedenkmal. Sogar einen Atombunker gibt es. Kalk rockt! Und vieles mehr.

Man sieht stetig zunehmend Menschen im tagtäglichen Veedelsbild auf der Hauptstraße, die man als Studenten (m/w) oder Leute identifiziert, die „irgendwas mit Medien | Internet | Werbung“ machen. Das ist der Wimpernschlag, die Bestandsaufnahme im Mai 2009. Wie beendete Oliver Minck seinen eingangs erwähnten Artikel so unterschreibenswert:

Einen echten Kalk-Hype wird es so schnell nicht geben, und „Kommt nach Kalk!“ werde ich mir als Aufruf an dieser Stelle auch verkneifen. Was bleibt, ist die Utopie von Kalk als bunt gemischtem, urbanem und kulturverwöhntem Herz der falschen Rheinseite.

Egal welche Haltung man zu Kalk einnimmt, ob man das Veedel mag oder nicht, es bleibt dabei: Kalk ist Kalk! Mit oder ohne -Verbot 😉 . Meint & findet jedenfalls…

Der Praktikant

Hier fehlt nur das K

Dieses Foto Kölner Linksrheinern in die Hände gespielt, würde viele böse Vorurteile bestätigen. Tatsächlich zeigt dieses Foto einfach nur eine Aufführungsstätte im rechtsrheinischen Köln-Kalk, die sich nicht mehr im allerbesten Zustand befindet.

Foto: Heiko Schomberg

Hier fehlt nur das K

 

Heiße Kaka

Die Umgebung der U-Bahn-Station Kalk-Kapelle scheint ein interessantes Pflaster zu sein, zumindest aus sprachpanschender Sicht. An einem Tage schreit einem ein lautes „Danke Föhn!“ entgegen, am anderen wird ein Heißgetränk (?) feilgeboten, das hoffentlich nur das Produkt eines von Lausejungen abgepiddelten „o“-s ist. Hoffe ich zumindest.

Denn folgendes fiel mir – beim Studieren des Speisen-&-Getränkeangebotes des Kiosks – ins Auge:

Heiße Kaka„. Ich rettete mich in ein leise hingemurmeltes: „Honi soit qui mal y pense“. Und stieg nach der Anfertigung des Fotos hinab zur U-Bahn.

Scheinbar war ich nicht der Einzige, bei dem es eine, hüstel, „kognitive Dissonanz“ auslöste, denn der freundliche Kioskbesitzer hat mittlerweile ein „o“ von Hand dort aufgepinselt und damit mein Zu- und Vertrauen in sein Erfrischungsangebot nachhaltig gestärkt! Er hat sich – um es wortspielhöllengemäß zu sagen – richtig Mühle gemacht.

Ich werde auf jeden Fall im Herbst dort mal einen „heiße Kakao“ einnehmen…