Die dunkle Seite der Macht: Twitter und die Bundestagswahl…

Nach dem „Superwahlsonntag“ am 30. August 2009 kam am 31.08.2009 der vorher schon befürchtete Katzenjammer: „Politiker fürchten Twitter-Manipulationen bei Bundestagswahl (…) Ihre Furcht: Bisher vertrauliche Exit Polls könnten vorzeitig öffentlich werden.“ Laut Spiegel online sickerten Ergebnisse schon vorab via Twitter durch. Das „Plauderforum ‚Twitter‘“ hatte wieder zugeschlagen. Der Praktikant hat am Montag, direkt nach dem alarmistischen Artikel auf Spiegel online, meinungsstark getwittert:

praktikantenprognose

Damit kann er in Teufels Küche kommen & begibt sich aufs monetäre Glatteis! Warum? Na:

Dabei dürfen die sogenannten Exit-Polls, Umfragen am Tag der Stimmabgabe, nicht öffentlich gemacht werden. Die Wahl könnte, so die Befürchtung, sonst unzulässig beeinflusst werden. Die Wahlgesetze von Bund und Ländern verbieten das ausdrücklich – wer dennoch Umfrageergebnisse verrät, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Darauf steht eine Strafe von bis zu 50.000 Euro. [Quelle: Spiegel online]

Und auch Nutzer jdupke reagierte sofort launisch auf den Praktikantentweet vor dem Hintergrund des „Jeder-schreibt-von-jedem-ab“-Hype:

Mit Prognosen wäre ich im Moment bei Twitter vorsichtig, nachher hast du in vier Wochen recht gehabt und musst dann Strafe zahlen!

Dann kann ich nur für den Praktikanten hoffen, dass es einen Unterschied zwischen einer Twitterprognose gibt, die anderthalb Stunden vor Schließung der Wahllokale abgegeben wird und einem Wahltipp, einem Wunschdenken, mit knapp einem Monat Vorlauf.

Tja. So ’ne Bundestagswahl ist halt kein Oddset-Tipp. Aber sie löste mal wieder Diskussionen um Wahlprognosen im Allgemeinen und den Einfluss von Twitter im Besonderen aus.

Jetzt schauen alle Menschen, die den wachsenden Einfluss von Twitter fürchten und die Durchdringung des Alltagslebens mit großen Bauchgrummeln verfolgen, auf den 27. September 2009. Laut Heise

[…] hatte sich Wahlleiter Roderich Egeler schon vor einigen Tagen sehr besorgt gezeigt – er sprach von einem GAU, wenn vor der Schließung der Wahllokale Ergebnisse verbreitet würden. Burmester sagte, das Vorab-Twittern könne das Wahlergebnis als Ganzes infrage stellen. Es könne diejenigen beeinflussen, die ihre Stimme noch nicht abgegeben hätten.

Der Praktikant ist sowieso der Meinung, das Einzige, was ist die Durchführung der Bundestagswahl retten kann, ist die temporäre Bestellung von Peter Struck als Bundestwitterwart, denn er weiß, wie mit Geheimnisvorabausplauderern umzugehen ist!

Oder mit gesundem Menschenverstand! Auf den richtigen Nenner gebracht hat es Nutzer „Philip“, der auf dem Blog der Tagesschau blog.tageschau.de schrieb:

Das Latrinengerücht ist schneller und globaler geworden. Dagegen helfen keine drakonischen Strafen, sondern nur mehr Medienkompetenz. Entweder die Herren Wahlleiter akzeptieren eine gewisse Demokratisierung des Vorgangs „Wahl“, oder sie stellen das Internet am Wahltag ab und kontrollieren die Straßen.

Ihre Meinung sollten sich mündige Bürger auch ohne Fernsehen, Twitter oder Stammtische bilden können.

Und dieser Meinung schließt sich der feynschliff-Blog rückhaltlos an!

2 Comments

  1. […] diesem Kulturkampf (hüstel) hat der Konsument, Wanderer und Ausflügler wirklich die Qual der Wahl. Er schreibt dazu: Ach ja, hab noch ein Bild [gross hier]  für Dich / Euch…. Der ewige […]

  2. […] der Stadt Köln – Primarstufe)  war unser Wahllokal untergebracht. Und bei der Bundestagswahl einen Monat später konnten wir diese visuelle Zeitreise wieder begutachten. Etwas, das an die […]

Leave a Reply