EURO2012-Tagebuch (17)

[Vorrunde]

15.06.2012:

Ukraine – Frankreich (18:00 Uhr – Donezk – ZDF)

Schweden – England (20:45 Uhr – Kiew – ARD)

Im ersten Spiel muss Frankreich unter Beweis stellen, dass sie zurecht als Geheim-Geheimfavorit gehandelt werden, obwohl (nicht nur) Ribery gegen England total ideenlos war und die Ukraine auf einer Welle der Euphorie schwimmt. Da ist von ’nem 4:0-Sieg für Les Blöds bis zu einer knappen Niederlage: Alles drin.

Die zweite Begegnung wird spannend. Das Ding geht auch nicht unentschieden aus, wie 2006. England wittert mit seiner Benny-Hill-Truppe eine kleine Chance fürs Viertelfinale, die schwer tätowierten Schweden müssen gewinnen. Das könnte für den neutralen Betrachter ein schönes Spiel werden. Könnte.

Der gestrige Spieltag:

Italien – Kroatien 1:1 (1:0)

Italien geht mit einem Freistoß in Führung. Dann der tiefe und verstörende Schock: Matthäus und Beckmann. Zusammen. Vor. Der. Kamera. Dann das 1:1 und erneut Bengalos aus dem kroatischen Block, die „Herren des Weltbildes“ konnten wieder mal den Wind nicht beherrschen. Ein gerechtes Remis. Italien kann zum 6. Mal nicht den Angstgegner besiegen. Deutlich schwächerer Auftritt der Squadra Azzurra als gegen Spanien. Und die Kroaten bleiben ein sehr unangenehmer Gegner.  Für jeden.

Das Spiel in a nutshell: „Warum nimmt er ihm den Ball vom Fuß? Italien übernimmt die Abwehrarbeit für Kroatien.“ (Steffen Simon)

Spanien – Irland 4:0 (1:0)

Spanien in der Erscheingungsform Torres mit einem Blitzstart nach 4 Minuten. Der Rest der ersten Halbzeit hatte was von Trolle und Igel. Mit einem 1:0 wurden die Seiten gewechselt. Die zweite Halbzeit in einem Satz:Das sieht aus, als wären da mindestens fünf Spanier mehr auf dem Platz als Iren.“ (Anja Sauerwald). Die Iren fußballerisch limitiert, aber mit Herz. Was noch auffiel: Fabregas hatte die Haare ganz anders als gegen Italien.

Der steinige Weg nach Polen hat in einer Sackgasse für die grünen Jungs geendet. Aber sie waren wenigstens das amüsante & sangesstarke Momentum dieser Europameisterschaft. Bisher.

Die grünen Jungs begrüßten vor neun Tagen launig ihre Inselfreunde („One Prize, Two Countries, Three Lions!“):

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Sie sorgten ohnehin gestern Abend – positiv besetzt – für Fußballkultur:

You’re only sing when your winning!Das kann man den irischen Anhängern nun wirklich nicht vorwerfen. Es erinnerte mich sehr an die zweite Halbzeit in Nürnberg 2000, als klar war, dass wir nicht mehr aufsteigen, und eine halbe Stunde lang aus 20.000 mönchengladbacher Kehlen „You’ll never walk alone“ durch das Stadionrund hallte.

Die irischen Fans mit einem Dauergesang, der zeigte, dass trotz aller Rückzugsgefechte der Fußballkultur und manipulierter Bilder der UEFA – der ein oder andere Anhänger noch weiß, dass nicht nur die verkleideten Girlandenmenschen allein Stimmung  im Stadion machen…

Oder wie es der Inhaber des EM-Studios Kalk a.a.O. so pathetisch formulierte:

Welch ein Moment, der sich einbrennt in unsere Herzen. Wir sitzen und weinen, leiden, fühlen und lieben mit. Stimmen und Worte, die sich einbrennen in unser Herz. Eine Nation, ein Volk singt und wir schweben mit, gleiten empor, gleichsam als wären wir sie, ein gemeinsamer Körper, gemeinsame Stimme, gemeinsames Leid, getragen von den Worten und dem Gesang, schwanengleich…

Verbeugung vor Tom Bartels, der diesen Moment nicht zerstörte…

Dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen. Außer: Danke, Irland!

Was sonst noch passierte / Presseschau:

Chiellinis Aussetzer kostet Italien den Sieg.

Spanien triumphiert über chancenlose Iren.

Was für eine verrückte EM bisher! Wie formulierte Christian Heimanns so treffend a.a.O.:

Angreifende Italiener und einfallslose, knochenharte Holländer. Nachdem die anderen mit einigem Staunen die Verwandlung der deutschen Nationalmannschaft betrachtet haben, sind sie jetzt selber dran, wobei die limitierten Engländer die alten Klischees noch stützen.

Fast 25 Jahre lang hatten die Holländer Mannschaften zum fürchten. In fast der ganzen Zeit hätten sie nach Belieben Frikandel aus jeder deutschen Auswahl machen können und was war ich neidisch auf deren Auswahl an Stürmern. Die Produktion ist ja immer noch nicht schlecht. Aber da sind keine Rijkaards, Koemans oder Stams mehr, die ganzen hinteren sechs taugen mehr zum Rugby; Kirmesboxer van Bommel muss mit 35 den Laden dicht halten und kriegt zur Halbzeit seine internationale Laufbahn von Özil beendet.

Was hab ich mir 2 Jahrzehnte lang gewünscht, mit denen auf einer Höhe zu sein. Jetzt sieht es so aus, als ob der europäische Fußball ein paar Jahre lang ohne die holländische Inspiration auskommen muss.

Dem ist überschaubar viel hinzuzufügen.

Danke Jogi, ich bin geheilt!

Schweinsteiger: Die Rückkehr des Führungsspielers.

(…) Deutschland ist nicht nur physische Kraft, Energie, dunkle Symphonie.“ Hat der „Corriere dello Sport“ die WM 2010 ver- oder durchschlafen?!

Wagner: „Lieber Mario Gomez, (…) Was für ein Doppelgänger spielte da?„:

Er ist wie ein Pferd, das glaubt, ein Vogel zu sein. Beim Holland-Spiel haben wir den Vogel Gomez kennengelernt. Ein Pferd, das fliegen kann, einen Stuhl, der tanzen kann.

Die „Herren des Weltbildes (II)“: Die Balljungen-Fälschung!

Zitat des gestrigen Spieltags:

„Warum ist eigentlich der Lahm Kapitän, und nicht der Schweinsteiger?“ (Anja Sauerwald)

Erkenntnisse:

Ich glaube, wenn „Herr Scholl“ den Opdenhövel nochmal „Opdi“ nennt, rufe ich bei der UN an & und lasse ihn abholen! Das ist eine bodenlose Menschenrechtsverletzung.

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One Comment

  1. Rodrigo sagt:

    So gern ich diesen Blog auch lese, aber der Verweis auf Mentalzwerge wie „BILD-Wagner“ will mir nicht so recht gefallen. Ich halte es da mit einem der treffendsten Aussagen zu dieser publizitären Fäkal-Agglomeration:
    „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“ Max Goldt (2001)

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