Zynische Werbung in der Kölner U-Bahn

Gestern Abend glaubte ich, ein Plakatierer habe sich einen derben Scherz erlaubt. Oder ich habe mich einfach verguckt. Denn so viel Zynismus hätte ich wirklich nicht erwartet… Folgende, mich etwas verstörende Werbung für den “Tag der Archive” (!) lachte mich teuflisch in der Kölner U-Bahn (!!), Linie 9, an:

koelner_ubahn_werbung_01032010

Ist das Zynismus, fehlendes Einfühlungsvermögen oder einfach doppelt gebrochene Ironie?? Oder hat da jemand ein “interessantes” Gespür für Timing?

Morgen jährt sich zum ersten Mal das U-Bahn-Unglück vom 03.03.2009. Und wer kann diese Werbung – selbst nachdem er einmal darüber geschlafen hat – immer noch nicht richtig einordnen?

Der Praktikant.

Der Kaugummiautomatenmann an der Schnapsfabrik…

… was wie der arg gekünstelte Titel eines modernen Lyrikbandes (Melusine: Kraweel, kraweel!) klingt, ist einfach nur die treffende Beschreibung eines spannenden Graffito, das sich dem Praktikanten bei einem sonntäglichen Verdauungsspaziergang durch Kalk nach einem non-frugalen Frühstück im Schlechtrimen bot:

Der Kaugummitautomatenmann an der Schnapsfabrik, 31.01.2010

Der Kaugummitautomatenmann an der Schnapsfabrik, 31.01.2010

Und Gentrifizierung hin, Hipness her:

In Kalk lassen sich immer wieder ein paar Preziosen entdecken. Und sei es ein Kaugummiautomatenmann an der Schnapsfabrik (heißt wirklich so). Darüber hoch erfreut ist:

Der Praktikant

Grundschuldidaktik bei der Deutschen Bahn

Auf Anraten von Mitpendler Lutz G. aus K. “Bring’ das doch mal auf feynschliff!“, wollte ich euch folgende Miniatur aus dem ICE 729 nicht vorenthalten:

Unlängst las der Praktikant im Kundenmagazin “DB mobil“, dass zunehmend Quereinsteiger aus Hotellerie & Gastronomie als Zugbegleiter und Servicekräfte bei der Deutschen Bahn arbeiten. An diesem Abend hatte dort ein Herr Dienst, Ende 40, der optisch jedes Klischee, hüstel, vom alternden Flugbegleiter bediente (Habitus, Frisur, Ohrschmuck) und in seiner Jugend sicher nebenberuflich im „TimP“ auftrat.

Er schlendert kontrollierend den Gang entlang, rechts vor mir zückt ein Macht-irgendwas-mit-Medien“-Twen ihr VRR-Jobticket und ich bin sehr, sehr gespannt, wie der Zugbegleiter diese Situation lösen wird…

Die Dame zeigt ihm, sich keiner Schuld bewusst, das VRR-Jobticket.

Er bleibt höchst neutral, sagt: „Was soll ich damit?“

„Das ist mein Fahrausweis.“

„Der gilt hier nicht.“

„Das wusste ich nicht”, die Dame wird hektisch, “ich habe erst vor zwei Tagen meinen neuen Job in Düsseldorf begonnen….“

„Also“, er bleibt ruhig, freundlich und verbindlich und fährt fort:

Mit diesem Fahrschein dürfen Sie nur rote Züge benutzen. Keine weißen Züge. Wir merken uns: Mit dieser Karte nur rote Züge – keine weißen, auch keine weißen mit roten Streifen.

Fantastisch! So hatte ich es noch nie betrachtet und er hatte es miekätzchenesk auf den einfachsten Nenner gebracht! Und auch empfängerorientiert für Pendlerneulinge.

blackmamba_fuer_weisse_zuege

Er zeigt auf meine „Black Mamba“ (Harald Schmidt), nickt, tippt die Dame an, zeigt in meine Richtung und wiederholt:

„Mit dieser Karte dürfen sie weiße Züge benutzen – mit Ihrer nur rote! Schönen Tag noch…“, und geht weiter.

Wer war tief beeindruckt von soviel Didaktik, Langmut und Wissensvermittlung?

Der Praktikant

Telefonierer in der Ruhezone

… was wie ein Bandname einer Neunzigerjahre-Elektronikband deutscher Zunge klingt, ist schlicht und einfach ein Ärgernis im Fernreiseverkehr! Jeder kennt es, das Piktogramm mit dem auf den Mund gelegten Finger, das die Ruhezone ausweist.

Man möchte im ICE noch ein wenig in Ruhe arbeiten oder sich “Software für Snobs” (vulgo: Bücher) zuführen und dann brüllt ein Ignorant Zellhaufen Mensch ständig ins Mobiltelefon. Sich darüber zu mokieren oder einen Werteverfall anzuprangern, ist in etwa so sinnvoll, wie sich über die englischsprachigen Zugdurchsagen (“Zenk ju for träwweling wiff Deutsche Bahn“) lustig zu machen.

Das Nichtbeachten der Ruhezone nervt einfach und stört, gerade weil man noch etwas arbeiten / lesen / schreiben / kontemplieren möchte und gerade deswegen die Ruhezone gebucht hat. Es stört.  Und dann hat man wieder einmal den 200-Phon-Umweltverschmutzer vor sich sitzen und keinen Störsender bei sich:

Was tun?

Höfliche Bitten dies einzustellen, werden zumeist schnippisch beantwortet, geht man zu brachial und meinunsstark vor, hat es einen blogwartesken Beigeschmack. Doch nun hat der Praktikant eine Methode entwickelt, die bisher in hundert Prozent der Fälle (bei zwei Anwendungen: Dienstag im ICE 527 – Fertigstellung einer “Collection für Mailand” und gestern im ICE 729 “Angebotspräsentation”) funktionierte. Begeistert twitterte ich:

tweet_17122009

Ich ging freundlich zum Telefonierer, wartete ruhig eine Gesprächspause ab und fragte, betont freundlich:

“‘Tschuldigen Sie, darf ich ein Foto von Ihnen machen?”

“Warum?”

“Ach, das ist nur für meinen Blog ‘Menschen, die in der Ruhezone telefonieren!’”.

Empörtes Kopfschütteln und weit aufgerissene Augen des Angesprochenen, ein gemurmeltes “Was soll denn das?” und doch: Danach hörte ich zeitnah ein recht kleinlautes “Du, ich muss Schluss machen!“, während ich zu meinem Sitzplatz zurücktrottete.  Hat jetzt zweimal sehr gut bei deutschen Muttersprachlern funktioniert. Wer ist davon begeistert und vorweihnachtlich gestimmt?

Der Praktikant

Support your local Veedel (II): Adventsmarkt in Kalk!

Wie der Praktikant eben dem “Kalk Blog” entnahm, beginnt heute wieder der – im letzten Jahr nach langer, hüstel, “Durststrecke” wieder durchgeführte – Weihnacht Adventsmarkt in Kalk! Direkt an der Kalk Post: Wenn es mal wieder länger bei eben dieser dauert, kann man sich hier zu einem revitalisierenden Glühwein oder heißen Kakao zurückziehen.

Graphik: Köln-Kalk-Blog

Graphik: Köln-Kalk-Blog

In diesem Artikel wird schlüssig und überzeugend dargelegt, warum dieser Weihnachtsmarkt – entschuldigung – warum dieser Adventsmarkt, der Besuch und die Unterstützung nicht nur aus Veedelpatriotismus ein gesellschaftliches Must ist!

Und wer wird sich dort sicherlich auch mal auf ein Getränk und zur Begutachtung der Fahrgeschäfte blicken lassen?

Der Praktikant

European Banker of the Year 2008: Jean-Claude Juncker

Der Praktikant hatte am Dienstagabend das Privileg, der feierlichen Preisverleihung des Titels European Banker of the Year 2008 beizuwohnen. Im Vorfeld war ihm ein wenig flau, befürchtete er doch außerhalb des Congress-Centrums in Frankfurt am Main von Lehman-Geschädigten oder anderen Menschen, die das Bankensystem seit dem Herbst 2008, hüstel, „kritisch begleiten“, nicht sehr freundlich empfangen zu werden. Doch die Wahl zerstreute seine Bedenken: Preisträger ist der wirklich sehr sympathische Herr Juncker, der durch sein Engagement – stellvertretend für die europäischen Finanzminister – zur Rettung des Bankensystems geehrt wurde.


Raumnamen im Congress Centrum Frankfurt am Main

Raumnamen im Congress Centrum Frankfurt am Main

Der richtige Raum der Zeremonie wurde dann nach der Einnahme eines vom Vorjahrespreisträger Jean-Claude Trichet gesponserten Imbisses zeitnah gefunden…


Einzug der Clan Pipers

Einzug der Clan Pipers

Nach dem Einzug der Clan Pipers, einer Dudelsackgruppe aus Frankfurt / M., die den musikalischen Rahmen bot, und ein paar Grußworten von Helga Einecke, Süddeutsche Zeitung, die die Gruppe 20+1 repräsentierte, begann die Laudatio von Jean-Claude Trichet, der auf englisch, französisch und deutsch (!) den Werdegang Junckers lobte, seine beispiellose Karriere und vor allem sein unbedingtes, europäisches Engagement.

Der Preisträger trat danach ans Redepult und eröffnete seine Dankesrede sehr gewitzt mit:

“The German of Jean-Claude Trichet is improving day by day.”

Nach einer Tour d’ Horizon durch die Monate der Krise auf Deutsch und ein paar Passagen auf Englisch über die Zeit und die Aktivitäten der europäischen Regierungen folgten ein ein paar Anmerkungen darüber, dass die Europäer einfach zusammenhalten müssen, da sie zunehmend weniger Einfluß in der Welt haben: Im Jahr 1900 waren 20% der Weltbevölkerung Europäer, dies schrumpfte im Jahr 2000 auf 11 %, für 2050 werden 7% prognostiziert und im Jahr 2100 werden nur 4 % der Erdbevölkerung Eurpäer sein). Er betonte seine zentrale Forderung, das zukünftige Wachstum in die Rückzahlung der Schulden, die die europäischen Länder machen mussten, zu stecken. Er forderte vehement, die Schulden abzubauen, so bald es möglich sei, 2010/2011 und nicht erst 2015 - wofür es offenen Szenenapplaus gab! Na einer kurzen Zusammenfassung der schwierigen Entscheidungen, die 2008 / 2009 getroffen werden mussten, beendete er ebenso ironisch und doppeldeutig seine Ausführungen: Er verwies darauf, mit dem Vorjahrespreisträger nicht immer einer Meinung gewesen zu sein, diesmal gäbe es aber bei keiner von Trichets Ausführungen eine Widerrede seinerseits und er kam zum Schluss seiner Rede mit dem Ausspruch:

“Jean-Claude, Du warst perfekt!”

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen ;-) .

2 x Jean-Claude bei der Preisverleihung!

2 x Jean-Claude bei der Preisverleihung!

Nach der Veranstaltung und dem Auszug der Clan Pipers hatte man noch die Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken, u.a. tauschte sich Mario Ohoven mit dem “Europäischen Banker des Jahres 2007″ noch einmal persönlich aus…

Mario Ohoven und der Preisträger Jean-Claude Juncker im angeregten Gespräch.

Mario Ohoven und der Vorvorjahrespreisträger im angeregten Gespräch.

und überzeugte sich hernach – sehr freundlich und angenehm – beim Praktikanten von der Qualität des geschossenen Mobiltelefonfotos.

Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung! Es hätte so erfreulich bleiben können, wäre nicht danach der Deutsche-Bahn-Faktor zum Tragen gekommen: Hätte, wenn, sollte: Hätte sich die Rückfahrt nach Köln nicht wieder etwas unerquicklich gestaltet (60 Minuten Verspätung, Zwischenhalt in Limburg, Montabaur, Siegburg). Aber für eine solch runde Veranstaltung muss man auch mal Kalamitäten in Kauf nehmen.

E kölsch Leed (Karneval in Kölle 2009/2010)

Kölle Alaaf!!!!

… jajaja, und “Halt Pohl” und “Helau!”, um die größten NRW-Karnevalshochburgen jenseits von Kölle am Rhing abzudecken… Es ist also wieder so weit: Die Session 2010 hat begonnen. Und da möchte der feynschliff-Blog auch auf das Lied von befreundeten Künstlern hinweisen und es empfehlend befördern. Werbung machen für…

“E kölsch Leed”

fabamaxinet

Denn…

Franzuse, Römer, Brunge
Mit Füer un mit Stahl
Üch hammer jet jesunge
Ihr wohrt uns drissejal

To make a long story short: So viele Karnevalslieder mit wirklich anspruchsvollen Texten gibt es nun ja nicht! Deshalb hier der Solitär, der Musik-Tipp für den heutigen 11.11. und den Rest der Session:

Guido Krutwig & Fatal Banal: “E kölsch Leed”. Eine Hörprobe finden Sie [hier].

Alaaf, Halt Pohl & Helau!” wünscht

Der Praktikant

09.11.1989: Der Mauerfall

Nicht nur Google hat am heutigen Tage die Suchmaske dem weltbewegenden Geschehen vor 20 Jahren angepasst:

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Eigentlich sollte es uns alle bewegen. Es war: ein verrückter Tag! Ein glücklicher Tag. Eine Zeitenwende. JEDER, wenn er oder sie alt genug ist, weiß noch ganz genau, was er oder sie an diesem Tag getan hat. Es ist vergleichbar mit 9/11, auch da hat sich in nahezu jedes Gehirn gebrannt, wo er oder sie war.

Startete man eine Umfrage, könnten 95 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer – so sie alt genug waren – noch genau antworten, wo sie waren, wie sie die Nachricht von Günter Schabowski (“REISEN NACH DEM AUSLAND – SOFORT, UNVERZÜGLICH”) aufnahmen, was sie dachten.

Ob jeder den historischen Moment und die Tragweite erfasste – fraglich. Und auch wenn die Einheit noch nicht vollendet sein mag, auch wenn man vortrefflich streiten kann über das WIE in WIEdervereinigung, ein geteiltes Volk kam zusammen und begegnete sich.

Es war ein TAG DER GROSSEN, GROSSEN FREUDE!

Die 500. Folge von „Zimmer frei!“

„Ich hatte immer vor Rock-Musik gewarnt!“ (Dr. Götz Alsmann)

Nach anderthalb Jahren gelang es dem Praktikanten also endlich einmal, Zuschauerkarten für „Zimmer frei!“ zu erhalten. Nach 1992, als ich damals der Sendung „Schmidteinander“ beiwohnte, das zweite Mal, dass ich bei der Aufzeichnung einer Fernsehsendung dabei sein durfte… die 2000er-Sendung „Risiko“ zählt nicht, denn da war ich ja irgendwie auch Akteur.

Die Anreise zum WDR gestaltete sich erfreulich, bis kurz vor Bocklemünd konnte ich die Überraschung für Frau Feynschliff aufrecht erhalten und dann gab ich direkt alles zu… Und die Karten für „Zimmer frei!“ erfreuten auch meine Begleitung…. Sie hatte irgendwie eine Ahnung und wir großes, großes Glück, an die Karten gekommen zu sein, denn, wie es auf der Homepage so treffend heißt:

Auch mir ist klar: Mit diesem Verfahren schaffen wir keinen einzigen zusätzlichen Zuschauerplatz, und die Wahrscheinlichkeit, ZIMMER FREI vor Ort mitzuerleben, liegt nach wie vor auf Lotterie-Niveau.

Wir hatten also im Lotto gewonnen. wdr_bocklemuend_2_kleinUm 18.36 Uhr versammelten sich alle am WDR-Empfang. Ich hatte den Eindruck, dass die anderen Zuschauer mich meiner Frisur wegen intensiv musterten, aber das mag auch Einbildung gewesen sein. Ich kann ja nicht die ganze Zeit ein Schild um den Hals tragen: „Liebe Leute, diese Frisur habe ich seit 23 Jahren, ich kann nichts dafür, dass sie der  von Götz Alsmann so ähnelt“. Das „Carl muss Kommissar werden“ Din-A-4-Plakat für die Abstimmung dagegen hatte ich dabei.

Die Sanitäranlagen im Eingangsbereich des WDR stammen offensichtlich aus den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Es ist verdammt warm, mittlerweile harren etwa 100 Personen der Abholung ihrer Karten. Und auch die GEZ ist mit einem „Büro für Teilnehmerberatung“ prominent vertreten. Schade, dass damit ein Schatten auf den Ausflug fällt. Aber wenigstens kenne ich jetzt endlich das Leitbild des Senders WDR:

„Wir machen Programme für alle – unabhängig, unverwechselbar und wertvoll“.

Justameng, als ich das Leitbild im Bild festhalten möchte, spricht mich eine Dame an, „Susanne“, die geistig scheinbar etwas „gehandicapt“ ist und schon alle Menschen im Wartebereich ansprach („Warum sind Sie hier? Wo kommen Sie her? Was wollen Sie hier?“). Sie spricht also auch mich an und da sie entwaffnend ehrlich ist, kommt sie sehr schnell auf meine Frisur zu sprechen. Ich erkläre ihr bezüglich meiner Frisur, dass ich die tragen müsse, weil ich der Neffe von Götz Alsmann sei. Dies will sie nicht glauben, zeigt mir ihr Bild von „Götzimausi“ (das sie einem Marienbildchen vergleichbar im Portemonnaie trägt), zückt ein ausgeschaltetes Funktelefon und simuliert ein Telefonat mit Herrn Dr. Alsmann, in welchem sie meine Angaben überprüft.

Nachdem sie mir erklärt, Götz Alsmann habe meine Angaben bestätigt, erkläre ich mich und gebe die Dehnung der Wahrheit zu: Als guter Katholik könne ich eben mit dieser Lüge nicht leben. Madame ist irritiert und wendet sich rasch der investigativen Befragung weiterer Zuschauer zu. Frau Feynschliff ging zu Beginn davon aus, dass “Susanne” womöglich zum WDR-Personal gehöre, ich verordnete es eher in der Liga „bedingungsloser Fan“ plus, hüstel, „betreutes Wohnen“.

Feynschliff und der Praktikant stehen also vor der Schleuse ins WDR-Studioland…

alles_unterschrieben_partUm 19.04 Uhr – nachdem wir unsere Eintrittkarten direkt unterschrieben & die Bildrechte abgetreten haben,  stehen wir in der Schleuse, um das Studio-Gelände zu betreten. Erste Gerüchte machen die Runde, Hubertus Meyer-Burckhardt solle der Gast sein – das wäre sehr erquicklich. Feynschliff stellt die richtige und wichtige Frage:

„Hoffentlich ist es kein schlimmer Gast – Witta Pohl oder so“.

Dann geht’s endlich los. Wir gehen im Entenmarsch, einer blondierten Dame vom Sicherheitsdienst folgend, ins Studio BS 4. Dort angekommen geben wir unsere Jacken und Taschen ab – einige zusammen mit der Eintrittskarte, was ein erneutes Anstellen bedeutet ;-) – und wir schaffen es noch, eines der dort ausgeschenkten „Anheizerkölsch“ (Gaffel) zu erhaschen. Dann gehen wir hinein und nehmen unsere Plätze auf grauen, unbequemen Klappstühlen der Marke „sander seating“ ein.

Das Studio ist deutlich größer als erwartet, und auf einer Tafel prangt mit Kreide eine „500“. Anscheinend – ohne es zu wissen und beeinflusst zu haben – werden wir Zeuge der 500. Sendung von „Zimmer frei!“ – ein recht erfreulicher Zufall.

Die Stühle sind alles andere als bequem, aber das muss man in Kauf nehmen, wenn man einem solch historischen Moment beiwohnen darf. “Susanne” vom Eingang macht mit einem lauten und stadionesken „Christine – ohoh, Christine, ohohoho!“ auf sich aufmerksam. Sie schiebt ein kryptisches „Fangt an, das geht alles auf die Sendezeit!“ hinterher.

Die Dekoration im ersten Stock erinnert ein wenig an „Schwarzwaldmädel und Lodenjunge“, es könnte aber auch eine Schwälmer Tracht sein. Zwar haben wir immer noch keine Ahnung, WER der Gast sein wird, aber diese Deko passt nicht zu Witta Pohl und dies beruhigt uns. Wer jedoch ist so volkstümlich? Von der Konserve wird Alsmann-Musik gespielt. Kommen heute etwa wieder die Wildecker Herzbuben? Marianne & Michael? Nee, meines Wissens waren die schon Gast bei Zimmer frei. Es ist warm im Studio, doch nicht so warm wie befürchtet. Ein weiteres Indiz, das Hinweise auf den Gast geben könnte: Es steht Whisky und Wurst auf dem Tisch. Diese Vorliebe haben aber einige Menschen, die aus Funk & Fernsehen bekannt sind und so kommen wir mit unserer Spekulation nicht kriegsentscheidend weiter.

Wer ist wohl heute der Gast der Sendung?

Wir zählen kurz die Reihen – sechs Zuschauerreihen á 25 Zuschauer bedeuten 150 Menschen, die im Studio versammelt sind und sich sehr freuen, als Christine „Oh-ho“ Westermann zum Einheizen die Bühne betritt: Applaus! Sie bestätigt unsere Vermutung:

„Sie werden heute Zeuge eines historischen Ereignisses – die 500. Sendung!“

Dann fragt sie, wer die Sendung noch nicht kenne; eine Person von 150 meldet sich und teilt mit, er sei wegen seiner Frau mitgekommen, die die Sendung regelmäßig verfolge. Und da man 27 Jahre verheiratet sei (Applaus!!), folge er seiner Frau natürlich ohne weitere Erklärungen. Christine ist davon sehr angetan. Danach gibt sie den Zuschauern noch einen Tipp für das „Bilderrätsel“ und führt aus, dass für die Gäste beim Bilderrätsel immer das „behütete Blamieren“ gelte und daher schadenfrohes Gelächter aus dem Publikum angebracht sei. Frau Westermann bestätigt auch live den sehr, sehr sympathischen Eindruck aus dem Fernsehen.

Endlich: Auftritt von “Götzimausi”!

Dann kommt Herr Alsmann und – nach meinem Dafürhalten – brandet infernalischer Applaus auf. Rampensau Alsmann ist mit diesem jedoch alles andere als zufrieden und erklärt die drei Stufen des „Zimmer frei!“-Applauses (klatschen, trampeln, johlen). Kurz skizziert er noch die Strafen, die Menschen zu erwarten haben, die ihr Mobiltelefon nicht ausschalten und kommt dann auf die Notausgänge zu sprechen, die man im Falle einer Katastrophe benutzen soll…. Seine Aufzählung von Katastrophen endet mit „3. Massenbeschneidungen und 4. BAP-Konzerten“… Kurz erwähnt er noch, dass die Bilder der Sendung am Sonntag ausgestrahlt werden und sich alle vergewissern sollten, dass sie neben der Person sitzen, neben der sie auch im Fernsehen gesehen werden möchten. Oder man solle jetzt noch die Chance nutzen, sich umzusetzen, falls man zu Hause erzählt habe, man gestalte den Abend anders. Bei der letzten Sendung habe es bei dieser Ankündigung so viele Rochaden und Umplatzierungen gegeben, dass sich Götz Alsmann an den „Sauerlandstern“ erinnert fühlte. Ich lache etwas zu laut und Alsmann spricht mich direkt an:

„So wie Sie lachen, sind Sie bestimmt Stammgast im Sauerlandstern, Sie kamen mir gleich so bekannt vor!“

Touché. Ich glaube, ich werde sogar rot. ;-)

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Dr. Alsmann ließ übrigens beim Warm-Up nie den Respekt vor dem GEZ-Zahler vermissen, auch wenn andere dies behaupten!

Das Gerücht verfestigt sich: Der heutige Gast ist Hubertus Meyer-Burckhardt. Begründung dafür: Götz Alsmann wollte mal wieder richtig viel „Ahle Worschtd“ essen. Götz liebt sie und isst sie auch während der Sendung fast ununterbrochen, während Frau Feynschliff immer mehr Hunger und Heimweh bekommt.

Häme – Hämerich – Hämeneutiker!

Noch einmal lache ich zu auffällig, als es um das Substantiv von „Häme“ geht resp. denjenigen geht, der Häme ausübt. Meyer-Burckhardt und die charmante Frau Westermann denken laut & spekulieren über „Hämerich“ (!). Götz Alsmann sagt genau das, was ich mir als Humorverbrecher in dem Moment natürlich auch denke: „Hämeneutiker!“. Ich lache laut auf, Götz zeigt in meine Richtung und stellt fest: „Ah, ein Intellektueller!“ Nach diesem Ritterschlag kann einfach nichts mehr schief gehen.

Es ist spannend, Dinge zu sehen, die man im TV nicht sieht…

Während des Interviews von Christine zieht sich Götz in eine Ecke rechts von der Zuschauertribüne zurück und isst mit großer Freude weiterhin „Ahle Worschtd“. Am Ende der Sendung halte ich noch das „Wir fordern Kommissar Carl!“-Schild mit der grünen Karte hoch, aber es ist nicht wirklich zu erkennen.

Alles in allem eine sehr, sehr gelungene Veranstaltung, und ich hoffe, bald wieder Zuschauerkarten für „Zimmer frei!“ ergattern zu können.

Dann werde ich aber eine Kopfbedeckung tragen.

Wer?

Der Praktikant

Die schönste Werbung der Welt…

Auch mit analogen Datenträgern kann man viel bewegen & aussagen:

Aushang in der Kölner Bank e.G.

Aushang in der Kölner Bank e.G.

Die schönste Stadt der Welt verdient eine Bank, die die Menschen vor Ort kennt und versteht.

Die schönste Werbung der Welt für Köln, die bescheidenste Stadt der Welt!