11.11.’11: Der verrückteste Tag des Jahres?!

Vergangene Nacht ist auch noch ein Sack Reis in China umgefallen…

Wer zieht den Hut vor soviel substantiellem und inhaltlich relevantem Journalismus?
Der Praktikant.

Vergangene Nacht ist auch noch ein Sack Reis in China umgefallen…

Wer zieht den Hut vor soviel substantiellem und inhaltlich relevantem Journalismus?
Der Praktikant.
Das erste Kinderverwirrbuch hat Ringelnatz 1931 verfasst. Seit einem Monat gibt es eine interaktive Version, bei der jeder mitmachen kann. Gesammelt werden verwirrende, aber plausible Lügengeschichten für Kinder, die Spaß machen und gleichzeitig eine kritische Haltung gegenüber der Medienwelt schulen sollen. Ein weiteres Ziel ist, die schönsten Geschichten als Buch zu veröffentlichen und die Erlöse an zwei Kinderhilfsprojekte von CARE zu spenden. Heißt: Alle Autoren arbeiten für Ruhm und Ehre und erhalten kein Honorar.
Die Geschichte sollte circa 150 Wörter lang sein und jeweils ein Bild enthalten. Bisher sind 40 Geschichten online – bis zu 500 Beiträge sollen es insgesamt werden. Themen sind unter anderem: Warum machen Flugzeuge manchmal weiße Streifen am Himmel? Die Wiege der Menschheit, Warum Katzen Eier legen, Auf der Insel Sylt ist die maximale Schafsgeschwindigkeit endlich amtlich geregelt, Wie die Erde rund wurde und und und…
Weitere Informationen und alle bisher veröffentlichten Geschichten können unter www.kinderverwirrbuch.de nachgelesen werden.
Rechtfertigen absurde Denglisch-Kreationen und überflüssige Anglizismen ein Grundrecht auf die reine deutsche Sprache, wie es die CDU auf einem Parteitag 2008 forderte? Was wäre eigentlich die Konsequenz? Gäbe es dann eine deutsche Sprachpolizei, bei der besonders unerträgliche Sprachsünder zur Anzeige gebracht werden könnten? Wie sähe die Bestrafung aus? Statt Sozialstunden 20 Einheiten Deutsch-Unterricht? Ziemlich absurd, aber ein reizvoller Gedanke ist es irgendwie schon.
Denn manchmal, wenn ich Sätze höre wie „Auf deutsch gesagt: das ist doch totaler Bullshit“, „Ich bin gesaved“ oder auch “…total crazy“, ertappe ich mich schon dabei, mir eine deutsche Sprache mit ausschließlich deutschen Ausdrücken zu wünschen. Solche und ähnliche Sätze erklingen häufig im sogenannten Unterschichten-Fernsehen. Das Problem beschränkt sich allerdings nicht auf eine bestimmte Schicht, denn Business-Denglisch ist kein bisschen besser. Wobei ich mich gar nicht mehr über Meetings oder Calls aufregen will – “Das habe ich gedownloaded” oder auch wörtliche Übersetzungen aus dem Englischen wie die schon oft diskutierten Am Ende des Tages oder Das macht Sinn kann ich schon lange nicht mehr hören. Ganz zu schweigen von Begriffen wie Handy, Beamer, Hometrainer etc., die englisch zu sein scheinen, tatsächlich aber deutsche Erfindungen sind.
Andererseits: Soll ich erst, bevor ich mich in irgendeiner Form äußere, in den Duden schauen, ob auch alle Begriffe, die ich verwenden möchte, bereits offiziell in den deutschen Sprachgebrauch übergegangen sind? Nein, das ist doch totaler Bullshit, denn Sprache verändert sich nun mal. Und auch wenn die Entwicklung nicht immer in eine Richtung geht, die mir gefällt, ist das alles besser als eine Verfassungsänderung, die sowieso nichts bewirkt.
Tatsächlich wünschen würde ich mir allerdings eine Sprachpolizei, die alle Werbekampagnen verhindert, in denen immer noch – Jahre nach der Telefonauskunft-Nummer und gerne auch immer wieder mit Frau Pooth – bewusst und ohne Not die deutsche Sprache falsch verwendet wird. Da kann die Bild-Zeitung die angebliche Grammatik-Schwäche noch so sehr als „kultverdächtig“ feiern, das ist einfach schlecht. Und so wird mir dann auch. Das ist zwar schon wieder ein ganz anderes Thema, aber auch Anglizismen in der Werbung sind in der Regel ebenso wenig schön.
Wer mit schlechtem Deutsch oder Denglisch erst gar nicht anfangen möchte, findet auf WieSagIchsAufDeutsch.de ein Forum zur Vermeidung von Anglizismen und anderen störenden Ausdrücken. Lassen sich Anglizismen in bestimmten Fällen nicht vermeiden, wird im Text-Gold-Blog gut erklärt, wie man sie korrekt einsetzt.
Dachte man schon im letzten Jahr, es könne nicht noch viel schlechter werden…
… so belehrt einen das Karnevalsmotto, das Sessionsmotto für 2011 (“Köln hat was zu beaten!”), wieder mal eines Becheren:
Wer wählt die 555-Humorpolizei?
Der Praktikant
Texte fesseln umso mehr, je interessanter und spannender sie verfasst sind. Eines sollten sie aber gleichzeitig auch sein: leicht verständlich und gut lesbar. Dafür reicht es manchmal schon, wenn man sich den Text selbst laut vorliest oder, noch besser, ein kritisches Publikum zur Verfügung hat.
Man kann die ganze Sache aber auch mathematisch angehen: Karl Kratz empfiehlt in seinem Onlinemarketing-Blog drei Online-Tools, die schnell und kostenlos die Lesbarkeit von Texten prüfen. Zwei der Tools waren mir bisher nicht bekannt und haben mir sehr gut gefallen.
Die Auswertungen der Tools sind nicht unbedingt dazu geeignet, völlig neue Erkenntnisse zu erlangen; interessant sind sie allemal. Dieser Text zum Beispiel hat eine hohe Lesbarkeit und entspricht in etwa dem Niveau einer Boulevardzeitung. Ist doch super!
Der Praktikant hatte am Dienstagabend das Privileg, der feierlichen Preisverleihung des Titels „European Banker of the Year 2008“ beizuwohnen. Im Vorfeld war ihm ein wenig flau, befürchtete er doch außerhalb des Congress-Centrums in Frankfurt am Main von Lehman-Geschädigten oder anderen Menschen, die das Bankensystem seit dem Herbst 2008, hüstel, „kritisch begleiten“, nicht sehr freundlich empfangen zu werden. Doch die Wahl zerstreute seine Bedenken: Preisträger ist der wirklich sehr sympathische Herr Juncker, der durch sein Engagement – stellvertretend für die europäischen Finanzminister – zur Rettung des Bankensystems geehrt wurde.
Der richtige Raum der Zeremonie wurde dann nach der Einnahme eines vom Vorjahrespreisträger Jean-Claude Trichet gesponserten Imbisses zeitnah gefunden…
Nach dem Einzug der Clan Pipers, einer Dudelsackgruppe aus Frankfurt / M., die den musikalischen Rahmen bot, und ein paar Grußworten von Helga Einecke, Süddeutsche Zeitung, die die Gruppe 20+1 repräsentierte, begann die Laudatio von Jean-Claude Trichet, der auf englisch, französisch und deutsch (!) den Werdegang Junckers lobte, seine beispiellose Karriere und vor allem sein unbedingtes, europäisches Engagement.
Der Preisträger trat danach ans Redepult und eröffnete seine Dankesrede sehr gewitzt mit:
“The German of Jean-Claude Trichet is improving day by day.”
Nach einer Tour d’ Horizon durch die Monate der Krise auf Deutsch und ein paar Passagen auf Englisch über die Zeit und die Aktivitäten der europäischen Regierungen folgten ein ein paar Anmerkungen darüber, dass die Europäer einfach zusammenhalten müssen, da sie zunehmend weniger Einfluß in der Welt haben: Im Jahr 1900 waren 20% der Weltbevölkerung Europäer, dies schrumpfte im Jahr 2000 auf 11 %, für 2050 werden 7% prognostiziert und im Jahr 2100 werden nur 4 % der Erdbevölkerung Eurpäer sein). Er betonte seine zentrale Forderung, das zukünftige Wachstum in die Rückzahlung der Schulden, die die europäischen Länder machen mussten, zu stecken. Er forderte vehement, die Schulden abzubauen, so bald es möglich sei, 2010/2011 und nicht erst 2015 - wofür es offenen Szenenapplaus gab! Na einer kurzen Zusammenfassung der schwierigen Entscheidungen, die 2008 / 2009 getroffen werden mussten, beendete er ebenso ironisch und doppeldeutig seine Ausführungen: Er verwies darauf, mit dem Vorjahrespreisträger nicht immer einer Meinung gewesen zu sein, diesmal gäbe es aber bei keiner von Trichets Ausführungen eine Widerrede seinerseits und er kam zum Schluss seiner Rede mit dem Ausspruch:
“Jean-Claude, Du warst perfekt!”
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen
.
Nach der Veranstaltung und dem Auszug der Clan Pipers hatte man noch die Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken, u.a. tauschte sich Mario Ohoven mit dem “Europäischen Banker des Jahres 2007″ noch einmal persönlich aus…
… und überzeugte sich hernach – sehr freundlich und angenehm – beim Praktikanten von der Qualität des geschossenen Mobiltelefonfotos.
Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung! Es hätte so erfreulich bleiben können, wäre nicht danach der Deutsche-Bahn-Faktor zum Tragen gekommen: Hätte, wenn, sollte: Hätte sich die Rückfahrt nach Köln nicht wieder etwas unerquicklich gestaltet (60 Minuten Verspätung, Zwischenhalt in Limburg, Montabaur, Siegburg). Aber für eine solch runde Veranstaltung muss man auch mal Kalamitäten in Kauf nehmen.
… jajaja, und “Halt Pohl” und “Helau!”, um die größten NRW-Karnevalshochburgen jenseits von Kölle am Rhing abzudecken… Es ist also wieder so weit: Die Session 2010 hat begonnen. Und da möchte der feynschliff-Blog auch auf das Lied von befreundeten Künstlern hinweisen und es empfehlend befördern. Werbung machen für…
“E kölsch Leed”
Denn…
Franzuse, Römer, Brunge
Mit Füer un mit Stahl
Üch hammer jet jesunge
Ihr wohrt uns drissejal
To make a long story short: So viele Karnevalslieder mit wirklich anspruchsvollen Texten gibt es nun ja nicht! Deshalb hier der Solitär, der Musik-Tipp für den heutigen 11.11. und den Rest der Session:
Guido Krutwig & Fatal Banal: “E kölsch Leed”. Eine Hörprobe finden Sie [hier].
“Alaaf, Halt Pohl & Helau!” wünscht
Der Praktikant
… es hat ja schon Tradition, die Entscheidungen der Stockholmer Akademie nicht immer und sofort nachvollziehen zu können.
Und 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, mag es – neben der Literatur selbst – Gründe für diese Entscheidung geben. Der Nobelpreis für Literatur geht also an Herta Müller. Aber wie immer sind da auch Menschen, die dieses Votum eben nicht nachvollziehen können und sich zu launigen Stellungnahmen entschließen. In diesem Fall war es Proto-Kommissar Carl, der sich meinungsstark äußerte:
Ich habe bei Böll nicht geweint, ich habe bei Grass nicht geweint, nicht einmal bei Jelinek habe ich geweint. Aber bei Herta Müller, da weine ich. Sie können nicht lesen, diese Schweden. Sie können es einfach nicht. Von Rudolf Eucken bis Herta Müller, sie können es einfach nicht.
Diese Worte lasse ich jetzt erst einmal auf Euch und mich wirken. Und muss mir demnächst mal wieder “Schtonk!” anschauen.
Wer fordert folgerichtig den Literatur-Nobelpreis 2010 für Joachim Lottmann (für das Gesamtwerk und seine Reiseberichte aus Indien)?
Der Praktikant
Ein Fußballfreund des Praktikanten hat mal wieder ein sehr schönes Bild geschossen:
“Deutsche Pommes * Frische Fischbrötchen” versus “leckere Fischbrötchen + holländische Pommes“.
Bei diesem Kulturkampf (hüstel) hat der Konsument, Wanderer und Ausflügler wirklich die Qual der Wahl. Der Fußballfreund schreibt dazu:
Ach ja, hab noch ein Bild [gross hier] für Dich / Euch…. Der ewige Kampf zwischen Deutschen und Holländern….
Ja, auch wenn die korrekte Bezeichnung “Niederländer” ist, so gilt es doch, sich langsam auf die Weltmeisterschaft 2010 in der Republik Südafrika einzustimmen…. und damit kann man ja gar nicht früh genug beginnen
– es muß ja nicht immer so meinungsstark wie Götz Widmann sein. Und das Dummenapo’stroph von “Uwe” interessiert nun wirklich auch niemanden mehr, denn das Thema ist wahrlich zu ausgelutscht, meint…
Der Praktikant
Als Permatwitterer weiß ich mittlerweile, was der Hashtag #SdR zu bedeuten hat. Und während ich mich gestern analogen Daten (so-called “Büchern“) und blip.fm widmen wollte, und nur mit einem halben Auge meinen “Social Stream” verfolgte, gingen auf einmal alle ab wie Schmitz’ Katze:
Irgendwie war der gestrige Kandidat bei “Schlag den Raab” wohl kein wirklicher Sympathieträger und das wurde auf Twitter auch meinungsstark kundgetan. Irritiert stellte ich fest, dass auch die eigentlich Vernehmungsfähigen sich an dieser Hexenjagd 2.0 beteiligten: Wahrlich irritierend!
Das Hashtag #HassMartin machte blitzschnell die Runde, die gesamte Twitter-Gemeinde drosch auf Hans-Martin ein, votete in einer Twitter-Umfrage gegen Hans-Martin.
Die Chefin schaute sich heute mal die Tweets zum Thema an und kam zu folgendem Ergebnis, bei dem ich nur den 100-percent-agree-Button drücken kann und das ohne Anflug von Einschleimerei:

Und wenn Hans-Martin vom Publikum trotz seines Sieges ausgebuht wird, kann es Gründe dafür geben, die nicht beim Publikum liegen müssen… Ich habe die Primärquellen weder gestern noch heute herangezogen. Aber muss man dann auf Twitter so hinterherkarten? Befände ich mich heute im Betroffenheitsmodus, würde ich moralschwanger schreiben: Der nächste Hass-Martin – das mediale Schlachtopfer – kannst Du selber sein! Niemals vergessen bei der Hexenjagd 2.0.
Doch weil ich’s leid bin, folgt jetzt einfach mein schauderhaftes, mich aus der Gemeinschaft der twitternden Ernstmeiner (?) setzendes, Bekenntnis:
Hans-Martin geht mir am Arsch Popo vorbei. Und auch seine laufende Nase ist mir total einerlei. Wer hat den unglaublichen Mut, dies mit einem sardonischen Lächeln zu bekennen?
Der Praktikant